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Bahnhof Stettbach: Linke werfen Grünliberalen Sabotage vor

Der neue Bahnhof Stettbach sei eine Fehlplanung, kritisieren Pendler und Tagesanzeiger.ch-Leser. Grüne und SP machen die Grünliberalen für das Debakel verantwortlich.

«Völlig untauglich»: Der neue Bahnhof Stettbach steht in der Kritik.

«Völlig untauglich»: Der neue Bahnhof Stettbach steht in der Kritik. Bild: Dominique Meienberg

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Das Urteil über den neuen Bahnhof Stettbach ist vernichtend. Über 70 Tagesanzeiger.ch-Leser äusserten sich bis heute Dienstagmorgen zur neu gestalteten Verkehrsdrehscheibe an der Stadtgrenze. Die grosse Mehrheit ist der Meinung, dass die 40 Millionen Franken zum Fenster rausgeworfen wurden. Unter den Kommentarschreibern sind auch Politiker von den Grünen und der SP zu finden. Sie schieben die Schuld den Grünliberalen in Dübendorf in die Schuhe.

«In diesem Fall darf man die Schuld der dort regierenden Bäumle-Sparpartei geben», schreibt beispielsweise der Stadtzürcher Gemeinderat Matthias Probst (Grüne). Gemeint ist Martin Bäumle, der nicht nur Präsident der Grünliberalen Schweiz ist, sondern auch als Finanzvorsteher im Dübendorfer Stadtrat sitzt.

Probsts Parteikollege Andreas Kyriacou wirft der Grünliberalen gar vor einen anständigen Ausbau des Bahnhof Stettbachs, der mehrheitlich auf Dübendorfer Boden steht, «sabotiert» zu haben. Und schliesslich schreibt Ruedi Lais, SP-Kantonsrat aus Wallisellen: «Der Umbau in Stettbach ist eine Sparvariante, welche von SVP und GLP Dübendorf erzwungen wurde.»

Grünliberale und SVP bodigten Dübendorfer Kredit

Da der Bahnhof Stettbach genau auf der Stadtgrenze zwischen Zürich und Dübendorf steht, mussten für dessen Umbau die Parlamente beider Städte über die jeweiligen Kredite befinden. Zürich winkte seine 5,5 Millionen durch, während in Dübendorf eine bürgerliche Mehrheit, darunter die SVP und die Grünliberale, den Kredit von 4,4 Millionen ablehnte. Nachdem die SP eine Initiative ankündigte, um das Projekt zu retten, kam ihr der Stadtrat mit einem abgespeckten Kompromissvorschlag entgegen. Der Kredit von noch 2,7 Millionen wurde im Gemeinderat schliesslich angenommen. Nun stellt sich die Frage, ob die Einsparungen die Schuld an der heutigen Misere tragen, oder ob man von Anfang an falsch geplant hat.

Für Ruedi Lais, der auch im Verwaltungsrat der Verkehrsbetriebe Glattal (VBG) sitzt, führten die Sparmassnahmen zu verheerenden Terminschwierigkeiten: «Am Ende musste das Projektmanagement auf die Stunde genau planen.» Flächen seien verkleinert worden, vieles wurde laut Lais auf später verschoben. Für ihn trägt Martin Bäumle als Dübendorfer Finanzvorsteher die Hauptschuld. Bäumle erklärt allerdings, dass er nicht der richtige Ressortleiter sei und als Mitglied einer Kollegialbehörde nicht Stellung nehmen darf. Die Vorwürfe an seine Partei kanzelt er als Taktik von linksgrüner Seite ab: «Man spekuliert mit Halbwahrheiten, Unwissen und Unkenntnis und wälzt alles auf die Grünliberalen ab. Mit der Realität hat das nichts zu tun.»

Andreas Kyriacou wirft den Grünliberalen vor, sie hätten sich vor zwei Jahren, als der Kredit in Dübendorf behandelt wurde, mit einer rigiden Sparpolitik behaupten wollen: «Das war eine Versuch, sich ein eigenes Profil zu verschaffen und sich damit von Links abzugrenzen.» Heute hätten sie das zwar nicht mehr nötig, aber 2008 sei die Partei noch neu gewesen und von vielen Wählern der linken Seite zugeordnet worden.

Grünliberale: «Verschwendung von Steuergeldern»

Thomas Maier, Grünliberaler Gemeinderat in Dübendorf und Kantonsrat, weist die Vorwürfe von Lais und Kyriacou zurück: «Das ist eine völlige Verdrehung der Tatsachen.» Er teile die inhaltliche Kritik am neuen «völlig untauglichen» Bahnhof. Man hätte aber das Projekt am besten ganz stoppen müssen. «Wir sagten von Anfang an, dass die Dächer eine Katastrophe und eine Verschwendung von Steuergeldern sind.» Für die Grünliberalen sei das Projekt untauglich und zu teuer gewesen, darum habe man es abgelehnt.

Von einer Profilierung der Partei und Abgrenzung von Links könne ausserdem keine Rede sein: «Uns ging es immer um die Sache.» Dass die Grünliberalen am Ende aber dem abgespeckten Kompromiss von SP und Stadtrat dennoch zustimmten, habe mit der Glattalbahn zu tun. «Wir wurden in Sach- und Zeitzwänge gedrängt: Es hiess, die Eröffnung der Linie 12 wäre sonst nicht möglich gewesen.» Man habe aber nur zähneknirschend zugestimmt.

Maier plante bereits eine Anfrage an den Dübendorfer Stadtrat, wie dieser das Hauptproblem, die untauglichen Dächer, zu lösen gedenke. Das Thema soll demnächst im Gemeinderat behandelt werden. Zur Überbrückung könnte man laut Maier Behelfsdächer einsetzen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.02.2011, 11:25 Uhr

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