Bald kommt Farbe ins Weinland

Die ehrwürdige «Andelfinger Zeitung» flattert neu seltener und in Farbe in die Briefkästen. Verlegerin Julia Akeret glaubt an die Zukunft des Traditionsblatts.

Die Rollen stehen bald still, aber die Zeitung lebt weiter: Verlegerin Julia Akeret vor der gealterten Druckmaschine.

Die Rollen stehen bald still, aber die Zeitung lebt weiter: Verlegerin Julia Akeret vor der gealterten Druckmaschine. Bild: Nicola Pitaro

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Der Schritt tut Julia Akeret «im Herzen weh». Als sie den Entscheid ihren 22 Angestellten mitteilte, flossen Tränen. Gestern hat die Verlegerin auch den Leserinnen und Lesern angekündigt, dass ihre «Andelfinger Zeitung» ab nächstem März nicht mehr im eigenen Haus gedruckt wird, sondern bei der Zeitungsdruck AG in Schaffhausen. Die in Ehren gealterte, hauseigene Rotationsdruckmaschine wird verstummen, kein Rattern mehr aus dem «Herzstück» des Familienbetriebs im Erdgeschoss von Julia Akerets Elternhaus. Und die vier Dutzend Verträgerinnen und Verträger, die bisher drei Mal pro Woche am Mittag die Zeitung in allen Weinländer Gemeinden auslieferten, werden ihren Teilzeitjob verlieren. Denn auch der Vertrieb wird von Schaffhausen aus neu geregelt.

Die offen eingestandene Trauer über das Ende längst liebgewonnener Traditionen könnte darüber hinwegtäuschen, dass die 40-jährige Medienunternehmerin konsequent die Zukunft ihres Lokalblatts an die Hand nimmt. Die «Andelfinger Zeitung» wird dank der Ablösung der alten Druckmaschine endlich farbige Bilder drucken können. Und vor allem: vierfarbige Inserate. «Die Inserenten haben das immer mehr verlangt», sagt Akeret. Möglich war bisher bloss eine Schmuckfarbe. Auch von einem Teil der Leser hat Akeret immer wieder gehört: «Wann druckt ihr endlich farbig?»

Eine Verleger-Dynastie

Zu den Neuerungen gehört auch, dass das Blatt nicht mehr drei, sondern bloss noch zwei Mal pro Woche erscheinen wird. «Dafür wird die Zeitung dicker», sagt Akeret, und schiebt sofort nach, dass die Veränderungen keine Sparmassnahme darstellen. «Ich glaube an die‹Andelfinger Zeitung›. Sie ist meine Existenz, und sie wird es bleiben.»

Schon als Dreijährige hatte Julia Akeret in der Druckerei gespielt. Ihr Vater Karl Akeret, Tag und Nacht als Journalist, Verleger und Politiker tätig, hatte Angst, seine Julia könnte sich mit ihren langen Zöpfen irgendwo in der ratternden Maschine verheddern. Sie wollte nie Verlegerin werden, machte eine Lehre als Schriftenmalerin, reiste gern und viel. Aber als vor acht Jahren ihr Vater im Alter von 91 Jahren starb und niemand sonst das Erbe übernehmen konnte, stieg sie selber ein. Sie verpasste dem SVP-nahen Blatt einen politisch unabhängigen Kurs, führte den Computer im Unternehmen ein - und steigerte die Auflage. Eine «kritisch wohlwollende Forumszeitung» ist Akerets Ziel, und «guter Lokaljournalismus». 2007 feierte das Familienunternehmen mit seinen 22 Mitarbeitenden sein 150-Jahr-Jubiläum, und Julia Akeret brachte etwas mehr als 6000 Exemplare unter das Volk.

Seither spürt auch das Lokalblatt im nördlichsten Zipfel des Kantons die grosse Zeitungskrise - wenn auch weniger stark als die grossen Tageszeitungen. Die Auflage liegt heute bei immer noch 5988 Exemplaren. Es ist schwieriger, Abonnenten zu gewinnen. Sorgen macht der Unternehmerin dabei nicht so sehr die Konkurrenz des «Landboten» im Süden und der «Schaffhauser Nachrichten» im Norden. «Zu schaffen macht den Lokalzeitungen überall, dass die Leute weniger in den Gemeinden verwurzelt sind», sagt Akeret.

Die Inserenten sind treu

Die Inserateeinnahmen sind zwar zurückgegangen, aber ebenfalls moderat. «Die lokalen Anzeigenkunden bleiben uns treu», sagt Akeret. Die überregionalen Inserate gingen zwar stark zurück, aber das trifft das Unternehmen weniger, weil die Annoncen der Gewerbler im Weinland zuverlässig das geschäftliche Rückgrat bilden.

Dennoch muss Julia Akeret, vor vier Monaten Mutter geworden, das langfristige Überleben ihres Betriebs regeln. «Da ist es besser, keine Hau-Ruck-Übung machen zu müssen, sondern bewusst die notwendigen Schritte zu planen.» Und zuversichtlich schreibt sie in der gestern veröffentlichten Bekanntmachung, sie sei überzeugt, die «Andelfinger Zeitung» werde als eigenständige, unabhängige Traditionszeitung in der immer stärker konzentrierten Presselandschaft Bestand haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.12.2009, 14:30 Uhr

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