Bald so billig wie ein Mittelklassewagen

Ultraleichtflugzeuge sind ab 2015 in der Schweiz zugelassen. Der Flugplatz Dübendorf könnte davon profitieren. Während sich die Hersteller freuen, sorgen sich die Zürcher Vogelschützer.

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Seit 1984 sind sogenannte Ultraleichtflugzeuge in der Schweiz untersagt. Ab Anfang 2015 lockert das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) nun dieses Verbot (wir berichteten). Dieses sei überholt, weil eine klare Abgrenzung von Ultraleichtflugzeugen und herkömmlichen Kleinflugzeugen kaum mehr möglich sei, begründet das Bazl seinen Entscheid. Zudem seien heutige Leichtbauflieger viel weniger laut als die früheren Modelle, die damals als «fliegende Rasenmäher» galten. Der Lärm war denn auch der Hauptgrund, weshalb die Fluggeräte damals verboten wurden.

Unter die Kategorie Ultraleichtflugzeuge fallen Maschinen mit einer Flächenbelastung von weniger als 20 kg pro Quadratmeter – beispielsweise Segelflugzeuge und Hängegleiter mit Elektroantrieb sowie Tragschrauber (auch Gyrokopter genannt).

Dübendorf als Zentrum der Leichtaviatik

Für die neu zugelassenen Ultraleichtflugzeuge gilt laut Bazl eine Flugplatzpflicht. Das heisst, sie dürfen nicht auf freiem Feld starten und landen. Da sie auf den Flughäfen von Zürich und Genf aber nicht zugelassen sind, würden kleinere Flugplätze von einer Zunahme solcher Fluggeräte profitieren – zum Beispiel Dübendorf.

«Wir sehen in Dübendorf ein mögliches Zentrum der innovativen Leichtaviatik in der Schweiz», sagt Gerhard Meier, Geschäftsführer des Tragschrauberherstellers Auto Gyro. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Kloten am Balsberg. Die Fluggeräte werden im deutschen Hildesheim gefertigt. Der Flugplatz Dübendorf sei nicht nur ideal für den Betrieb von Leichtbaufliegern, sondern auch für deren Forschung und Entwicklung – dank seiner Nähe zu den Hochschulen in Zürich und Winterthur und dem angedachten Innovations- und Technologiepark in Dübendorf.

Kein Ansturm erwartet

«Die Zulassung von Ultraleichtflugzeugen kommt für die Aviatik in der Schweiz einer Revolution gleich», ist Meier überzeugt. Die Leichtbauflieger würden die Luftfahrt umweltfreundlicher und allgemeinverträglicher machen: «Für die Flugplatzanwohner sind die leisen Motoren ein Segen.» Im Vergleich zu anderen Sportflieger verbrauchen die Ultraleichten weniger Treibstoff. Zudem seien sie mit Bleifrei-Benzin unterwegs.

Zudem würden die verhältnismässig tiefen Anschaffungskosten die Fliegerei für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich machen. Das Einstiegsmodell von Auto Gyro kostet nicht mehr als ein Mittelklassewagen: rund 60'000 Franken.

Einen Ansturm auf Ultraleichtflugzeuge und Tragschrauber erwartet Meier trotzdem nicht, die Anforderungen an die Ausbildung der Piloten seien unverändert hoch. «Wir erwarten jedoch ein gewisses Ersatzpotenzial, dass alte Sportflieger durch Gyrokopter ersetzt werden. Diesen Trend haben wir in Deutschland beobachtet» Das würde auch die prekäre Unterstellungssituation in den bestehenden Flugplatzhallen der Fliegerclubs wesentlich entschärfen. «Die neuen Fluggeräte nehmen viel weniger Abstellplatz in Anspruch», so Meier.

Diese Sicht teilt auch Sascha Sandi, der mit seiner Firma Gyrokopter aus österreichischer Produktion in die Schweiz importieren will: «Ich erwarte in den nächsten fünf Jahren nicht mehr als 50 Neuzulassungen von Ultraleichtflugzeugen.»

«Erhebliche Störung für Vögel»

Skeptisch sind hingegen die Zürcher Vogelschützer: «Ultraleichtflugzeuge stellen potenziell eine erhebliche Störung für Vögel dar», sagt Thomas Kuske, Geschäftsführer von Bird Life Zürich, dem Dachverband der Vogelschutzvereine des Kantons. Zwar begrüsst er die Flugplatzpflicht, denn sie schränke den Aktionsradius der Fluggeräte ein. Der Bund müsse nun mit Überfluganweisungen verhindern, dass Gebiete mit hohen Vogelpopulationen im Tiefflug überflogen würden.

Für Sandi sind die Bedenken der Tierschützer unbegründet. Für Leichtbauflieger würden die gleichen Mindestflughöhen gelten wie für herkömmliche Kleinflugzeuge nämlich 300 Meter über bewohntem Gebiet und 150 Meter über unbewohntem Gebiet: «Ultraleichtflugzeuge sind darum nicht gefährlicher für Vögel.»

Erstellt: 15.10.2014, 10:54 Uhr

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