Barocke Fresken hinter dem Spültrog

Überraschungen auf der Baustelle des Klosters Fahr: In der Propstei versteckten sich unter Wandkacheln bunte Malereien.

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Die Denkmalpflege begleitet die Bauarbeiten in der barocken Klosteranlage Fahr eng. Doch für den Raum, in dem einst die Haushälterin des Propstes das Geschirr spülte, interessierte sie sich nicht näher. Hier könnt ihr machen, was ihr wollt, hiess es. Die Klosterfrauen entschieden sich, dort eine Cafeteria für den Gästetrakt einzurichten.

Doch als die Bauarbeiter die Plättchen der Abwaschküchenwand wegschlugen, stutzten sie. Im Bereich des Fensters stiessen sie auf Farbreste. Leuchtendes Gelb, sattes Rot. Ein Kopf, ein nackter, üppiger Oberkörper, dann eine gemalte Säule, kunstvoll drapierter Stoff. Die Malereien setzten sich in der Fensterlaibung fort.

Das Fresko einer Säulen tragenden Person ist nur als Fragment erhalten. Und doch führt es das Gesamtkunstwerk der barocken Ausgestaltung durch die Gebrüder Torricelli in bisher kaum geahnter Weise vor Augen. Es korrespondiert nämlich durch die Fensteröffnung hindurch perfekt mit dem illusionistischen Fassadenschmuck des Kirchhofs, der in seiner Art einmalig ist. Der Blick wandert von dem Säulenträger hinaus auf ein identisches, aber gemaltes Fenster, auf den Friedhof der Nonnen, auf den Thron Christi an der Wand auf der anderen Seite des Hofs. Innen wird aussen, aussen innen.

Gspäändli für das nackte Engelchen

Priorin Irene Gassmann sagt: «Allmählich wird klar, wie prächtig die Privaträume des Propstes ursprünglich ausgemalt waren.» Bereits letzten Sommer wurden nämlich, gleich um die Ecke, an der Decke des einstigen Speiseraums Überreste eines nackten Engelchens mit Sonnenschirm freigelegt. Mittlerweile hat es Gspäändli bekommen. In vier etwa einen auf einen halben Meter grossen, ovalen Eck-Medaillons werden je zwei Putten in neckischen Posen gezeigt, den Jahreszeiten entsprechend. Zwei rekeln sich unter einem Sonnenschirm am Wasser, zwei vergnügen sich im Herbst bei der Weinprobe, zwei wärmen sich in einer verschneiten Berglandschaft an einem lodernden Feuer. Der Frühling, so sagten die Restauratoren im letzten Sommer, sei unter den vielen Farb- und Gipsschichten unwiederbringlich verschwunden. Gefehlt: Ein Putto umwirbt einen anderen, der auf einem blühenden Baum sitzt.

Auch der Tierkreislauf ist mittlerweile wieder aufgetaucht. Im grossen zentralen Feld thront ein wilder Saturn. Der Gott der Aussaat schwingt die Sense, um seinen Arm ringelt sich eine Schlange, die sich fast in den Schwanz beisst – als Zeichen für den ewigen Kreislauf der Natur – und rundum finden sich die zwölf Tierkreiszeichen. Allerdings in schlechtem Zustand.

Die Szenen sind mit leichter Hand und fröhlichem Geist gezeichnet. Auch sie dürften den Torricelli-Brüdern zuzuschreiben sein. Priorin Gassmann stört sich nicht daran, dass die neu entdeckten barocken Fresken im Propsteiteil einen doch sehr diesseitsbezogenen Charme ausstrahlen und keine religiösen Inhalte haben. «Das war halt um 1730, als dieser Trakt gebaut wurde, so üblich», sagt sie. Allerdings ist sie überzeugt, dass in jenem Teil des Klosters, in dem die Nonnen wohnen, weniger solche Überraschungen zutage treten werden. «Dort ist die Ausstattung bestimmt bescheidener.»

Lesungen im Silja-Walter-Raum

Der Propsteiteil dürfte ab April bezugsbereit sein. Dann kann das einstige Speisezimmer des Propstes als Sitzungszimmer gemietet werden, es wird einen Silja-Walter-Raum für Lesungen oder kleine Konzerte geben, und beim Espresso lässt sich mit Blick auf die farbenfrohen Fresken trefflich über Diesseits und Jenseits sinnieren.

Die Sanierung des eigentlichen Klostertrakts wird noch zwei Jahre dauern. Danach kommen die rund zwanzig Nebengebäude der barocken Klosteranlage an die Reihe. Die Gesamtkosten werden auf rund zwanzig Millionen Franken veranschlagt. Sollte der Kantonsrat dem regierungsrätlichen Antrag auf drei Millionen aus dem Lotteriefonds stattgeben, ist rund die Hälfte des Geldes beisammen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2014, 10:53 Uhr

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