Bauen mit sozialem Engagement und Karton

Shigeru Ban erklärte am «Tages-Anzeiger»-Meeting seine Konzepte und Motive – und weshalb er gern mit Kartonröhren baut.

Architektur nicht nur für die Reichen und Mächtigen: Shigeru Ban am 32. «Tages-Anzeiger»-Meeting im Schiffbau Zürich.
Video: Renata Vonarburg

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Bereits nach dem Studium sei ihm klar geworden, dass Architekten vor allem für privilegierte Kreise arbeiteten, sagte Ban gestern in seiner Rede im Schiffbau. Er gehört derzeit zu den wegweisenden Figuren in der internationalen Architekturszene. Schönes für Reiche zu bauen, sei zwar eine nette Aufgabe, aber ihm selber habe das als Motiv für seine Arbeit nie gereicht: «Ich wollte immer auch für Menschen in Notlagen bauen und mein Wissen für die Öffentlichkeit einsetzen.»

Unterkünfte für Erdbebenopfer

Ban baut zwar ebenfalls exklusive Wohnungen, etwa in New York. Er hat das spektakuläre Centre Pompidou in Metz konzipiert und auch einen Golfplatz im Repertoire, aber der Japaner ist vor allem dort unterwegs, wo die Erde gebebt hat, Flüchtlinge zusammenströmen oder ein Tsunami die Menschen ins Chaos stürzte. So etwa letztes Jahr in Japan, wo er auf die Schnelle Notunterkünfte für Tausende errichtet hat.

Man nimmt Shigeru Ban sein soziales Engagement nicht nur ab, weil er seine Überlegungen sehr gelassen und mit Humor vorträgt, sondern auch, weil sein architektonisches Konzept auf einfachen und überzeugenden Komponenten beruht: Der 54-Jährige, der ein Büro in Tokio und eines in Paris führt, arbeitet gern mit Modulen, die sich den Gegebenheiten anpassen – wenn es sinnvoll ist, auch mit Schiffscontainern. Und er setzt mit Vorliebe Holz oder vorgefertigte Elemente ein, etwa stabile Kartonröhren. In Kobe hat er nach dem Erdbeben 1995 eine Kirche aus Röhren gebaut. «Zuerst haben die Leute gesagt, der spinnt», so Shigeru Ban, «aber als sie das Ergebnis sahen, waren alle glücklich.» Karton ist für Bans temporäre Bauten optimal, denn er ist günstig, leicht und statisch sehr stabil.

Holzstruktur für Tamedia

Für den Erweiterungsbau des TamediaStammhauses an der Sihl, der derzeit hochgezogen wird, hat Ban keine Kartonröhren eingesetzt, aber die Konstruktion ist einfach und schlüssig. Das fünfgeschossige Haus basiert auf einer nach aussen sichtbaren Holzstruktur. Abgesehen vom Wohlgefühl – «mit Holz haben Sie automatisch das Gefühl, in einer Landschaft zu sein» –, hätten ihn ökologische Aspekte überzeugt. Holz sei erneuerbar, habe viel mit der Schweiz zu tun und einen geringen CO2-Verbrauch.

Doch Ban geht es nicht nur um Nachhaltigkeit. Sein Referat zeigte einen grossen Respekt vor dem Menschen, der Architektur ja letztlich nutzen soll. «Was permanent oder temporär ist, ist keine Frage des Materials, sondern abhängig davon, ob die Leute es mögen oder nicht.» Insofern sei Beton absolut nicht langlebig. «Wenn es die Menschen nicht akzeptieren, muss ein solches Gebäude aus Beton eben wieder weichen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.01.2012, 07:21 Uhr

Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der Tamedia AG (gibt unter anderem den «Tages-Anzeiger» heraus), spricht über den Neubau an der Werdstrasse. (Video: Renata Vonarburg)

Bauen mit Karton: So wird Shigeru Bans Tamedia-Neubau an der Werdstrasse aussehen.

Ende Februar 2011 begannen die Abbrucharbeiten des Gebäudekomplexes an der Werdstrasse 11 bis 15. (Video: Jan Derrer)

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