Baumstamm fiel bei Heli-Rettung aufs Unfallopfer

Ein Biker stürzte auf einer Downhill-Strecke und verletzte sich schwer. Als ihn die Rega bergen wollte, brach ein Baumstamm ab. Die Unfalluntersuchungsstelle hat den Fall analysiert, die Rega daraus gelernt.

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Der tragische Unfall ereignete sich bei der Downhill-Strecke unterhalb des Irchelturms in Dättlikon. Am Ostermontag 2011 war ein 34-jähriger Deutscher mit seinem Mountainbike gestürzt. Er klagte über Schmerzen im Brustkorb und Atembeschwerden, worauf sein Kollege die Schweizerische Rettungsflugwacht aufbot. Beim Anflug des Rega-Helikopters knickte der obere Teil eines Baumes weg, fiel auf den Mountainbiker und verletzte diesen zusätzlich. Nun hat die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (Sust) ihren Unfallbericht publiziert.

Diesem ist zu entnehmen, dass die Helibesatzung keinen Kontakt zur Polizei oder den Rettern am Boden hatte und darum die Unfallstelle nicht lokalisieren konnte. Bei einem Überflug stellte die Rega-Besatzung fest, dass sich die Baumkronen zu einer geschlossenen Decke formten und der Verletzte in einer kleinen Lichtung für die Bergung mit der Winde bereit lag.

Ein Schrei, dann fiel der Stamm

Um die Rettung vorzubereiten, landete der Pilot den Helikopter 200 Meter von der Unfallstelle, wo der Arzt die Winde vorbereitete und sich in Position brachte. Der Heli startete wieder, seilte den Mediziner beim Verunfallten ab, stieg auf, drehte ab und flog weg. Dem Rotorwind hielt aber ein Baum nicht stand: Unmittelbar nachdem der Arzt am Boden war, hörten die beiden Rettungssanitäter, die zuvor mit der Ambulanz eingetroffen waren und sich über den Mountainbiker beugten, einen Schrei.

Der Stamm mit einem Durchmesser von zirka 25 Zentimeter fiel – nachdem die Baumkrone abgebrochen war – auf den Verunfallten Velofahrer und verletzte ihn im Beckenbereich. Mit der Winde bargen die Retter den Unglücklichen und flogen ihn ins Kantonsspital Winterthur. Dort stellten die Ärzte schwere Brustkorb- und Lungenverletzungen aufgrund seines Sturzes sowie Becken- und Nierenverletzungen fest. Der Mann hat sich inzwischen erholt und geht laut Bericht wieder seinen sportlichen Aktivitäten nach.

Distanz zwischen Absetzplatz und Patient gefordert

Dem Untersuchungsbericht ist zu entnehmen, dass sowohl der Pilot als auch der Rettungssanitäter der Rega mit Windeneinsätzen in Waldgebieten Erfahrung hatten. «Dass ein so grüner Baum Probleme bieten könnte, habe ich noch nie erlebt», sagte der Sanitäter gegenüber den Experten der Sust. Diese stellten zudem fest, dass der Stamm das Zuhause eines Spechts gewesen ist und faule Stellen aufwies. Die Sust hält fest, dass dieser Unfall zeige, dass auch grüne Baumkronen keine Garantie dafür seien, dass Äste und Baumstämme grossen Belastungen standhielten. «Zur Risikominimierung ist, wenn immer möglich, eine räumliche Distanz zwischen dem Absetzplatz des Arztes und der Position des Patienten anzustreben», halten die Experten im Bericht fest.

Die Rega hat aus dem Unfall gelernt und hat verschiedene Massnahmen getroffen. So sind unter anderem die Besatzungen angehalten, den Arzt künftig nicht direkt beim Patienten abzusetzen. Fall sich die Kronen verschiedener Bäume über der Unfallstelle berühren, soll der Pilot an diesem Ort die Winde nicht betätigten. Gegenüber der Sust teilt die Rega zudem mit, dass Partnerorganisationen wie Polizei und Feuerwehr seit dem Ereignis speziell auf die Gefahren und Risikoreduktion bei Windenbergungen in Wäldern hingewiesen werde. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2012, 13:19 Uhr

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