Beim Korkensammeln sind die Zürcher Flaschen

Obwohl sie ein Naturprodukt sind, werden die meisten Korkenzapfen in Zürich in den Müll geworfen. Dabei gibt es Sammelstellen. Das Recyclinggut gelangt nach Näfels – in die einzige Korkmühle der Schweiz.

Da wird wacker entkorkt: Auf den Schiffen der Expovina sollen die Weinliebhaber fürs Recycling sensibilisiert werden.

Da wird wacker entkorkt: Auf den Schiffen der Expovina sollen die Weinliebhaber fürs Recycling sensibilisiert werden.

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Bei der Eröffnung der Zürcher Expovina am Donnerstag haben Weinliebhaber an 180 Ständen die Korken knallen lassen. So schnell die Flasche geöffnet ist, so schnell landet der Korken in der Regel im Abfall. Dabei ist Kork ein Naturprodukt und somit vollständig wiederverwertbar. Korkeichen wachsen hauptsächlich im Mittelmeerraum. Im Alter von circa 20 Jahren kann man sie das erste Mal schälen, der Rohstoff wächst im natürlichen Kreislauf nach. «Das perfekte Beispiel für Nachhaltigkeit», sagt Angelika Deus, Sprecherin der Weinhandlung Albert Reichmuth im Kreis 4. «Indem Herr und Frau Zürcher die Altkorken dem Recycling zuführen, schliessen sie den Kreis und betreiben mit wenig Aufwand Umweltschutz.»

In der Stadt Zürich gibt es drei Sammelstellen für Korken. Im Kanton Zürich sind es insgesamt 18, landesweit rund 120. In der Schweiz werden pro Jahr schätzungsweise 150 Millionen Korken verwendet, die zusammen ein Gewicht von gegen 400 Tonnen ergeben. Im Vergleich dazu nimmt sich die in der Stadt Zürich gesammelte Korkenmenge bescheiden aus: Sie beträgt weniger als eine Tonne.

«Bislang zu wenig publik»

Die Weinhandlung Maria Bühler im Kreis 5 ist seit 1995 im Sammelgeschäft tätig, pro Jahr gehen bei ihr 50 bis 100 Kilogramm Korken ein. Die Weinhandlung Albert Reichmuth bietet den Service seit 2009 an: Letztes Jahr kamen 460 Kilogramm Korken zusammen. Eine Abgabestelle befindet sich seit einem Jahr auch auf dem städtischen Recyclinghof Werdhölzli von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ). Die Bilanz: 250 Kilogramm.

Die Betreiber der Sammelstellen sind sich einig, dass die Lage einigermassen verkorkst ist: Nur jeder dreissigste Korkenzapfen landet im Recyclingzyklus. «Es geisterte lange die falsche Aussage herum, dass die Annahmestellen kostenpflichtig seien», sagt Maria Bühler.

Deus von der Weinhandlung Reichmuth vermutet einen anderen Grund: «Das Korkenrecycling war bisher wohl zu wenig publik.» Kaum eine Glassammelstelle biete eine Korkenrücknahme an. «Konsumenten werden darum nicht mit dem Thema konfrontiert.» Aufklärung wirke: Seit Reichmuth sein Angebot im Kundenmagazin und in Mailings publiziert habe, sei der Rücklauf von Altkorken um 20 Prozent gestiegen.

Private zahlen für Recycling

Die Zürcher Korken gelangen nach der Sammelstelle zunächst in die Genossenschaft Projunip in Glarus. Dort befreien Arbeitslose und Menschen mit Behinderung das Material von Plastikzapfen. Verwertet wird es dann von der Firma Schlittler in Näfels GL, der einzigen Korkmühle in der Schweiz. Sie produziert aus ausgedienten Korken – zwischen 13 und 17 Tonnen jährlich – Korkschrot für Isolationen oder Presskorkplatten, die im Hochbau zum Einsatz kommen. «Normalerweise stellen uns Private die Altkorken per Post zu, obschon sie für das Porto viel bezahlen müssen», sagt Direktor Rudolf Schlittler.

Umweltverbände betonen, Rezyklieren lohne sich ökologisch nur, wenn die Transporte gut organisiert seien. Das Unternehmen empfiehlt daher den Sammelstellen, das Rezyklat bis zu 250 Kilogramm in Spezialsäcken mit Platz für circa 10 000 Korken anzuhäufen. Anschliessend holt ein Chauffeur von Schlittler die Ware ab.

Sammeldisziplin wie bei PET?

Ob die Zürcher künftig ebenso fleissig Kork sammeln wie etwa PET-Flaschen, darüber gehen die Meinungen auseinander. ERZ-Sprecherin Stéphanie Wyss rechnet nicht mit einem Boom. Hinter PET stehe eine Organisation, die in der Schweiz ein flächendeckendes Sammelsystem aufgebaut habe. Es gehe um grosse Mengen. Kork hingegen spiele bloss eine untergeordnete Rolle. Das ERZ sammelt Kork deshalb bloss «im Sinne einer breiten Dienstleistungspalette».

Schlittler hingegen ortet ein «enormes Potenzial». In Gang kommen müsste eine positive Spirale: «Sollte die Nachfrage nach Recycling steigen, würden weitere Sammelstellen entstehen», ist Deus von der Weinhandlung Reichmuth überzeugt. Potenzielle Rückgabeorte bestehen zuhauf: Allein in der Stadt Zürich gibts rund 2000 Restaurants und Dutzende von Weinverkaufsstellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.11.2010, 19:01 Uhr

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