Beliebtes Seerestaurant wird Opfer des eigenen Erfolgs

Das Lokal Fischer’s Fritz muss Buchungen für Hochzeiten und Firmenfeste annullieren. Es fehlen Bewilligungen, sagt die Stadt Zürich.

Ein Bijou direkt am See: Fischer's Fritz.

Ein Bijou direkt am See: Fischer's Fritz.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der bekannte Gastronom Michel Péclard schäumt vor Wut. Das Sommergeschäft in seinem Seerestaurant ­Fischer’s Fritz im Campingplatz Wollis­hofen ist ins Wasser gefallen. Er musste mehr als zwei Dutzend Firmen, Institutionen und Hochzeitsgesellschaften, die im Juni und Juli direkt am See feiern wollten, absagen. «Ich tat das schweren Herzens, aber mir blieb keine andere Wahl», sagt Péclard. Die Stadt Zürich stelle sich auf den Standpunkt, dass für das Aussenzelt die Bewilligung für die Bewirtung fehle. Seit fünf Jahren führe er den Campingplatz und das Restaurant mit grossem Erfolg. Von den Behörden habe sich bisher niemand über die Feste im Zelt beschwert. Laut Péclard ist die Stadt mittlerweile so rigoros, dass nicht einmal mehr auswärtige Gäste im ­Fischer’s Fritz bewirtet werden dürfen. 14 Angestellte habe er entlassen müssen.

Die Sichtweise der Stadt Zürich ist eine andere. Die rechtliche Situation sei klar, das gehe aus Bauentscheiden hervor und sei im September Péclard mitgeteilt worden, sagt Urs Spinner, Departementssekretär des städtischen Hochbaudepartements: «Das Aussenzelt darf maximal für sechs Veranstaltungen pro Jahr genutzt werden und ist in erster ­Linie ein Aufenthaltsort für Campinggäste bei schlechtem Wetter.» Die Stadt anerkenne die unternehmerische Leistung des Pächters, doch leider kollidiere seine Dynamik mit dem Recht, das auch für ihn gelte. Spinner stellt in Abrede, dass das Fischer’s Fritz keine campingfremde Gäste bewirten darf. «Auch auswärtige Gäste sind natürlich im Lokal willkommen.»

Ein Bijou am See geschaffen

Péclard hat den Campingplatz und das Restaurant 2010 von einem Vorgänger übernommen, der den Platz während 30 Jahren führte. Mehr als eine Million Franken hat der Gastronom, der unter anderem die Pumpstation, Café Schober, Coco’s und die Modissa-Bar führt, seither investiert. Aus dem einst verschlafenen Betrieb mit seinem chaletähnlichen Gebäude hat er ein bekanntes Fischrestaurant geschaffen, das weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist. Der grösste Campingplatzbetreiber der Schweiz, TCS Camping, bezeichnete Fischer’s Fritz als «Pionier und Vorreiter in unserem Segment» und lobte den dazugehörigen Campingplatz als einen der innovativsten der Schweiz.

Auslöser des Konflikts sind Klagen von Nachbarn, die sich im vergangenen Sommer über den Lärm beschwerten. In diesem Punkt räumt Péclard Fehler ein. Im Sommer habe es einen Anlass gegeben, bei dem es zu laut geworden sei und die Gäste sich nicht an die Vereinbarungen gehalten hätten. Diese Firma werde künftig kein Gastrecht mehr erhalten. Ansonsten verweist Péclard auf die guten nachbarschaftlichen Beziehungen und legt dafür Dankesbriefe vor.

Kritiker werfen dem Gastronomen auch vor, Campinggäste würden keinen Platz mehr im Restaurant finden. Diesen Vorwurf weist Péclard zurück. «Jeder Campinggast hat auch ohne Reservation innert 20 Minuten einen Tisch.»

Im Dezember erhielt Fischer’s Fritz vom Stadtrat die Erlaubnis, ausnahmsweise die noch gebuchten Veranstaltungen bis Ende Jahr durchzuführen. Péclard setze sich, gemäss der Stadt, aber wider besseren Wissens regelmässig über die geltende Bewilligung hinweg. Seither spielt sich zwischen der Wirtschaftspolizei und ihm eine Art Kleinkrieg ab. Regelmässig stünden Beamte vor der Türe, um seinen Betrieb zu kontrollieren, sagt Péclard. Mehrmals sei er verzeigt worden. Einmal habe eine Beamtin gesagt, seine auswärtigen Gäste dürften nicht mehr direkt am See ­konsumieren.

Mittlerweile versucht Péclard mit einer neuen Baubewilligung, den Aussenbetrieb mit Zelt und Tischen auf eine rechtliche Basis zu stellen. Spinner sagt, dass die Stadt im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Hand bieten wolle. Längerfristig könne man sich auch vorstellen, den Campingplatz umzuzonen, was neue Möglichkeiten bieten würde.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2015, 22:59 Uhr

Michel Péclard, Gastronom.

Artikel zum Thema

Der Kampf im kleinen Paradies

Dicke Luft beim Fischers Fritz: Langjährige Dauermieter auf dem Campingplatz Wollishofen haben das Gefühl, man wolle sie loswerden – und erheben Vorwürfe gegen Gastronom Michel Péclard. Mehr...

Wie ein farbenblinder Buchhalter zum Star-Gastronomen wurde

Beruf + Berufung Michel Péclard kann nicht kochen und hat keine Ahnung von Wein, verköstigt aber halb Zürich in seinen Cafés und Restaurants. Nun hat er wieder zugeschlagen. Mehr...

«Ein Hotel hat jeder. Ich habe jetzt einen Campingplatz!»

Bisher haben sich Zürcher nur selten auf den Campingplatz in Wollishofen verirrt. Das wird sich ändern: Der Gastronom Michel Péclard übernimmt die «Seebucht» und eröffnet eine Pilgerstätte für Fischliebhaber. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Frauen wetteifern um Sex-Dates!

Casual-Dating ist ein Spiel. Zumindest für Simone und ihre Freundinnen, die gegenseitig um Sex-Dates wetteifern. Ihre Spielwiese: die grösste Erotik-Plattform der Schweiz.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Zyklon Idai: Ein Mädchen beobachtet sichtlich geschockt, wie Menschen aus der Stadt Buzi in Mosambik nach ihrer Rettung am Hafen in Beira an Land gehen. (22. März 2019)
(Bild: Andrew Renneisen/Getty Images) Mehr...