Biber gefährden Sicherheit am Flughafen

Weil sie am Rand der Pisten einen See stauen, der Enten anzieht, geht der Flughafen gegen Biber vor. Die angelockten Vögel könnten in die Triebwerke geraten.

Tiefes Wasser statt Sumpfgebiet, so hat es der Biber gerne, und arbeitet beständig darauf hin. Eine Bibermutter bringt ihr Junges in Sicherheit.

Tiefes Wasser statt Sumpfgebiet, so hat es der Biber gerne, und arbeitet beständig darauf hin. Eine Bibermutter bringt ihr Junges in Sicherheit. Bild: Christof Angst (ALN)

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Im Niemandsland zwischen Panzerpiste und Flughafenzaun im Norden des Flughafens Kloten sorgt seit kurzem ein Zaun aus rohen Holzpfählen und rostigem Drahtgitter für die Sicherheit der Zürcher Flugpassagiere. Angebracht hat das eher primitive Konstrukt das Kantonale Amt für Landschaft und Natur (ALN). Es umgibt ein Abflussrohr und verhindert, dass die Biberfamilie, die sich im Naturschutzgebiet Halbmatt zu Hause fühlt, dieses verstopft und so das Sumpfland, 200 Meter von den Pisten 14 und 16 entfernt, in einen eine halbe Hektare grossen See verwandelt.

Das war im Oktober bereits einmal geschehen – ein für den Flughafen untragbares Sicherheitsrisiko. Denn Wasserflächen ziehen unweigerlich Enten an, wie ALN-Chef Marco Pezzati im «Zürcher Unterländer» sagt: «Weil es auch auf der Westseite des Flughafens an der Glatt offene Wasserflächen gibt, queren tief fliegende Enten den Flughafen im Bereich der Pisten, womit ein erhebliches Risiko für Vogelschlag besteht.»

Vögel in Triebwerk oder auf der Cockpitscheibe

Was so ein Vogelschlag oder «Birdstrike», wie er in der Fachsprache heisst, bewirken kann, zeigt unter anderem der Fall des US-Airways-Fluges AWE1594 vom 15. Januar 2009. Weil gleich mehrere Tiere in die Triebwerke gerieten, musste der Pilot kurz nach dem Start in New York im Hudson River notwassern. In Zürich will man so ein Szenario unbedingt verhindern. «Aufgrund sicherheitstechnischer Überlegungen» habe das ALN deshalb die Schutzmassnahme ergriffen.

Technische Massnahmen wie der angelegte «Beaver Deceiver» bedürfen einer Ausnahmebewilligung. Es handelt sich um einen möglichst grossen Gitterzaun, der es den Tieren erschweren soll, den einst künstlich angelegten Abfluss des kleinen Weihers im Schutzgebiet zu verschliessen. Die Wirksamkeit der Massnahme wird in den kommenden Monaten überprüft und der Umgang mit dem Biber im Frühling neu beruteilt, heisst es beim Amt.

Freiwillige helfen Biber zählen

Urs Wegmann, Leiter der Biberfachstelle des Kantons, hat den Schutzzaun zusammen mit Fachleuten des Kantons angelegt. Er hat besonders im Herbst und Winter viel zu tun. «Die Tiere sind in der kalten Jahreszeit besonders aktiv», sagt er der Zeitung. Meistens geht es bei seinen Beratungen allerdings nicht um Biber-Abwehrmassnahmen, sondern um Informationen über die Lebensweise des Tieres und zur geltenden Rechtslage.

In diesem Winter steht zudem wie alle drei Jahre die Zählung der Biber im Kanton an. Wegmann wird mit 50 speziell geschulten Freiwilligen gegen 1500 Kilometer Gewässer im Kanton abschreiten, die Biberspuren aufnehmen und auswerten. Mit diesen Daten kann hochgerechnet werden, wie sich der Bestand im Kanton entwickelt.

306 Biber wurden beim letzten Biber-Monitoring im Winter 2013/14 gezählt. Landesweit leben laut Schätzungen rund 2800 Tiere. Ihr Bestand hat sich seit den Neunzigerjahren erholt. Damals stufte der Bund den Biber als «vom Aussterben bedroht» ein. Diese Gefährdungskategorie dürfte künftig um zwei Kategorien auf «verletzlich» zurückgestuft werden, wie der Zürcher Regierungsrat kürzlich kommuniziert hat.

Erste Spuren auf Zürcher Stadtgebiet

Der Zuwachs ging in letzter Zeit zurück, da viele Gewässer im Norden des Kantons bereits von Bibern besiedelt sind. Die südliche Kantonshälfte nimmt der Biber dagegen erst zögerlich in Besitz. Allerdings wagt er sich neuerdings bis in die Grossstadt vor: Wie die Zürcher Quartierzeitung «Höngger» berichtet, weisen mehrere Bäume auf der Werdinsel in der Limmat Frassspuren auf.

Dass es sich dabei um das Werk von Bibern handelt, bestätigt laut dem Bericht Marc Werlen, der Kommunikationsleiter von Grün Stadt Zürich: «Die Bäume wurden von Bibern gefällt, das zeigen die Frassspuren wie auch weitere Indizien.» Schon im Frühjahr sei eines der Tiere auf der Insel gesichtet worden.

Ein Aprilscherz wird wahr

Für die Leser der Höngger Quartierzeitung hat die Meldung etwas von einem Déjà-vu. Vor eineinhalb Jahren hat das Blatt die gleiche Neuigkeit schon einmal vermeldet – damals war es allerdings ein 1.-April-Scherz. Ein nur halb geglückter noch dazu: In einer Bildmontage setzten die Macher damals statt eines Bibers irrtümlich einen Fischotter ein.

Erstellt: 16.12.2016, 11:49 Uhr

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