Bluttat von Pfäffikon: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Im August 2011 streckte ein Kosovare seine Frau und die Leiterin des Sozialamtes von Pfäffikon nieder. Er hat die Tötungsdelikte gestanden. Nun wird gegen ihn Anklage wegen mehrfachen Mordes erhoben.

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Gegen den Mann, der im August 2011 in der Zürcher Gemeinde Pfäffikon auf offener Strasse zuerst seine 52-jährige Ehefrau und dann die 48-jährige Leiterin des Sozialamtes erschossen hat, ist Anklage erhoben worden.

Der Kosovare muss sich vor dem Bezirksgericht Pfäffikon wegen mehrfachen Mordes, Körperverletzung zum Nachteil seiner Ehefrau, Drohungen gegen seine Ehefrau und Tochter sowie wegen Verstosses gegen das Waffengesetz verantworten, wie die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich für Gewaltdelikte am Mittwoch mitteilte.

Die beiden Tötungsdelikte habe der Täter gestanden, schreibt die Staatsanwaltschaft. Auch die weiteren Taten räume er ein - mit Ausnahme der Drohung gegenüber seiner Tochter.

Auf offener Strasse niedergestreckt

Zu den Bluttaten kam es am 15. August 2011 um die Mittagszeit. In der Nähe des Bahnhofes schoss der Mann zuerst auf seine Frau und verletzte diese schwer. Trotz Reanimation der Rettungsleute erlag sie noch am Tatort ihren Verletzungen.

Wenige Minuten später streckte der damals 59-jährige Familienvater vor dem Gemeindehaus die Leiterin des Sozialamtes nieder. Die Schweizerin wurde in kritischem Zustand mit der Ambulanz ins Spital gebracht. Sie starb noch im Verlaufe des Nachmittags.

Der getrennt von der Familie lebende Mann war der Gemeinde wegen häuslicher Gewalt bekannt. Wie der Gemeindeschreiber damals auf Anfrage sagte, war das Ehepaar seit mehreren Monaten vom Sozialamt begleitet worden. Drohungen gegen Gemeindemitarbeiter habe der Mann bis dahin jedoch nie ausgestossen.

Todesdrohung via SMS

Wegen mehrerer Drohungen gegen Frau und Tochter sei er damals befragt und darauf mit einem Rayon- und Kontaktverbot belegt worden, sagte der zuständige Staatsanwaltschaft Roland Geisseler auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

An das Kontaktverbot hielt er sich allerdings nicht. So stiess er einmal via SMS eine Drohung gegen seine Tochter aus, wie Geisseler weiter sagte. Aus dem Wortlaut schliesst der Staatsanwalt, dass es sich bei der Nachricht um eine Todesdrohung handelte. Der Beschuldigte hingegen bestreitet dies.

Bei der Tatwaffe handelt es sich laut Geisseler um eine alte Pistole, für die der Beschuldigte jedoch keinen Waffenschein besass. Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte er aus, er habe die Waffe aus dem Kosovo in die Schweiz gebracht zu haben. (tif/sda)

Erstellt: 26.09.2012, 15:22 Uhr

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