Bluttaten in Pfäffikon: «Der Täter wirkte sachlich»

Der Mann, der am Montag in Pfäffikon seine Frau und die Leiterin des Sozialamtes erschoss, habe sich bis zum Schluss der Befragung nicht nach seinen Opfern erkundigt, sagt der zuständige Staatsanwalt.

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Der 59-jährige Beschuldigte liess sich ohne Widerstand festnehmen und ist geständig, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich mitteilt. Der Kosovare habe ausgesagt, dass er die Frauen erschossen habe, weil sich seine Ehefrau von ihm trennen wollte und er vom Sozialamt zu wenig finanzielle Unterstützung erhalten habe. Er erhielt sowohl Sozialhilfe als auch eine IV-Rente, vermutlich wegen Rückenproblemen.

«Die Tat war primär gegen seine Frau gerichtet», sagt Staatsanwalt Roland Geisseler. Das zweite Opfer, die 48-jährige Sozialdienst-Leiterin, habe er wahrscheinlich nicht unbedingt töten wollen. Weil er mit dem Sozialamt unzufrieden gewesen sei, habe er wohl aus einem spontanen Impuls abgedrückt. Es gebe bis jetzt keine Anzeichen, dass er extra vor dem Eingang des Gemeindehauses auf die Frau gewartet habe.

Die Pistole habe er aus dem Kosovo mitgebracht, gab der Täter zu Protokoll. Laut Staatsanwalt Roland Geisseler habe der Täter während der gesamten Befragung nie danadch gefragt, ob die Leiterin des Sozialdienstes von Pfäffikon noch lebe: «Er wirkte sachlich», so Geisseler.

Der Familienvater, der gestern Montag seine Frau und die Leiterin des Pfäffiker Sozialamtes erschossen hatte, ist seit mehreren Monaten vom Sozialamt der Gemeinde begleitet worden. Diese betreute ihn und seine Frau, nachdem er vor allem wegen häuslicher Gewalt aufgefallen war. Die Probleme seien bis am Montag aber nur innerhalb der Familie bekannt gewesen, sagte Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Drohungen gegen Gemeindemitarbeiter, insbesondere jene des Sozialamtes, habe der 59-Jährige bis dahin nie ausgestossen. Die Familie lebte erst seit wenigen Jahren in der Zürcher Oberländer Gemeinde und lebte von Sozialhilfe.

Dreimonatige Kontaktsperre

Der Mann wendete wiederholt Gewalt gegen seine Frau und die Kinder an. Im Juni 2011 fügte er dem Opfer gar eine Schnittverletzung zu. Aufgrund dieser Tat ist seit dem 11. Juli 2011 ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt gegen ihn bei der Staatsanwaltschaft See/Oberland hängig. Ausserdem lag seit diesem Zeitpunkt ein Rayon- und Kontaktverbot vor.

Rayon- und Kontaktverbote können von Gewaltopfern verlangt, aber auch von der Polizei selber ausgesprochen werden. Die Strassen im Wohnquartier, Schulweg und Arbeitsort werden polizeilich festgelegt und sind für den Täter für 14 Tage tabu. Fühlt sich die Frau weiterhin bedroht, kann sie innerhalb von acht Tagen die Verlängerung der Gewaltschutzmassnahme fordern, die maximal drei Monate beträgt. Hält sich der Täter nicht an die Vorlage und meldet dies die Frau, kann er notfalls inhaftiert werden oder die betroffene Familie flüchtet in ein Frauenhaus.

«Die Frauen müssen stabil sein»

Gemäss der Staatsanwaltschaft soll der Täter von Pfäffikon nach der Hausverweisung in seinem Auto, in Moscheen und bei Bekannten übernachtet haben. An die Kontaktsperre hielt er sich aber nicht. Marcel Strebel von der Kantonspolizei Zürich bestätigt gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Nachdem die Kontaktsperre verhängt worden war, schickte der Täter seiner Frau und den Kindern Nachrichten mit Drohungen.» Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Kosovare offenbar im Ausland. Bei seiner Rückkehr in die Schweiz wurde der 59-Jährige am 9. August 2011 polizeilich vorgeladen und erschien freiwillig zu der Einvernehmung, in der man ihn mithilfe eines Dolmetschers zu seinen Drohungen befragte. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, darf die Kantonspolizei zurzeit keine Angaben über das Ergebnis der Befragung machen.

«Rayon- und Kontaktverbote sind sinnvoll, weil sie einen nötigen Abstand zwischen Opfer und Täter bringen und sofort angewendet werden können», sagt die Leiterin des Frauenhauses Zürich. Ob das Verbot jedoch eingehalten wird, hängt auch vom Gewaltopfer ab: «Nur wenn die Frauen genug eigenständig und stabil sind, ziehen sie die Kontaktsperre durch und melden der Polizei allfällige Vorkommnisse.» Oftmals ist jedoch eine ganze Familie involviert. Nicht zwingend gilt das Kontaktverbot auch für die Söhne und Töchter. Finanzielle und emotionale Abhängigkeiten erschweren es den Betroffenen zusätzlich, Kontaktaufnahmen wirklich zu melden.

Erstellt: 16.08.2011, 10:36 Uhr

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