Bortoluzzi und die Frauen

Nach seinen schwulenfeindlichen Äusserungen lästert der SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi nun über jüngere Frauen. Parteikollege Alfred Heer stellt ihn nun in den Senkel.

Ist sich keines Fehlers bewusst: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi bringt seine Parteifreunde zur Weissglut. Foto: Béatrice Devènes

Ist sich keines Fehlers bewusst: SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi bringt seine Parteifreunde zur Weissglut. Foto: Béatrice Devènes

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23 Jahre sitzt Toni Bortoluzzi, ehemaliger Schreiner aus Affoltern am Albis, bereits im Nationalrat. Er hat sich in diesen Jahren als Gesundheitspolitiker einen Namen gemacht und für die SVP Zürich schon als Regierungsrat kandidiert. Dass er selbst in der eigenen Partei zu den Konservativsten gehört, ist bekannt. In der Drogenpolitik zum Beispiel sitzt er im Präsidium des umstrittenen Vereins «Jugend ohne Drogen». Gleichwohl wird er im persönlichen Umgang auch von politisch Andersdenkenden als «gmögig» und bodenständig beschrieben.

Diesen Kredit scheint der 67-jährige Bortoluzzi auf das Ende seiner politischen Karriere hin zu verspielen. Erst hat er Schwule und Lesben als «fehlgeleitet» diskreditiert, am Montag nun hat er mit Aussagen in der «Berner Zeitung» auch die eigene Partei gegen sich aufgebracht. Er trete nicht vorzeitig zurück, da mit der 37-jährigen Barbara Steinemann eine junge Frau und Juristin nachfolgen würde, sagte Bortoluzzi. «Sie ist keine ideale Vertreterin der Frauen.»

«Altersstarrsinn, peinlich»

Die Reaktionen sind heftig ausgefallen. Steinemann sagte im «Blick»: «Solche Leute brauchen wir nicht.» Und die 37-jährige Nationalrätin Natalie Rickli meinte: «Die neusten Aussagen von Bortoluzzi sind einfach nur noch peinlich. Es reicht.» Keinen Kommentar will der 67-jährige Eglisauer Nationalrat Hans Fehr abgeben: «Was Toni Bortoluzzi sagte, hat nichts mit Politik zu tun.»

Fürchterlich aufgeregt hat sich Kantonsrat Claudio Zanetti – vor allem, weil Bortoluzzi an seinen Aussagen festhält: «Das ist Altersstarrsinn.» Bortoluzzi habe zwar grosse Verdienste in der Partei, aber nun richte er nur noch Schaden an. «Jetzt muss die Parteileitung aktiv werden», fordert Zanetti.

Das hat Parteipräsident Alfred Heer inzwischen getan. Per Mail und telefonisch hat er Bortoluzzi aufgefordert, seine Sololäufe und Angriffe gegen Parteimitglieder unverzüglich einzustellen. Heer kann die Bemerkungen seines Nationalratskollegen gegenüber Barbara Steinemann nicht verstehen: «Offensichtlich hat er einen Dünkel gegen Akademiker.» Man könne Bortoluzzi zwar nicht vorschreiben, was er zu denken habe, aber er müsse solche Dinge für sich behalten. Die SVP sei eine Volkspartei, in der es für Junge, Alte, Frauen und Männer, für Studierte und Handwerker Platz habe.

Keine Chance auf Kandidatur

Den vorzeitigen Rücktritt hat Heer Bortoluzzi nicht nahegelegt: «Davon würde er sich kaum beeindrucken lassen.» Heer geht nach dem Interview in der «Berner Zeitung» davon aus, dass Bortoluzzi bis Herbst 2015 Nationalrat bleibt, aber nicht mehr zur Wiederwahl antritt. Letzteres hält der Parteipräsident auch für unrealistisch. Bortoluzzi werde nach den jüngsten Äusserungen nicht mehr nominiert. Dafür bräuchte er nach 24 Amtsjahren eine Zweidrittelmehrheit im Parteivorstand, und die werde er nicht bekommen. Dass Bortoluzzi in der SVP-Fraktion zum Stimmungskiller wird, glaubt Heer hingegen nicht: «Dazu ist er viel zu selten in Bern.»

Bortoluzzi war gestern für den «Tages-Anzeiger» nicht erreichbar. Seinem Parteipräsidenten hat er hingegen geantwortet. Laut Heer hat er die Reaktion auf seine kurz gehaltene Äusserung unterschätzt und nicht mit einer solch breiten Berichterstattung gerechnet.

Ob der Affoltemer seine Politikerkarriere im nächsten Herbst tatsächlich beenden will, kann Heer nicht sagen. Offen ist auch, ob der 67-jährige Hans Fehr nochmals antritt: «Ich kann es noch mit jedem Jungen aufnehmen», sagte Fehr gestern gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Er werde aber persönlich «über die Bücher gehen» und mit der Parteileitung das Gespräch suchen.

Offen ist derzeit auch, ob der dritte Senior unter den Zürcher SVP-Nationalräten, Max Binder, nochmals kandidieren will.

Erstellt: 01.07.2014, 22:51 Uhr

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