Burn-out-Station: «Wir mussten Patienten ablehnen»

Die Burn-out-Station des Sanatoriums Kilchberg ist 10 Tage nach Eröffnung bereits ausgebucht. Der ärztliche Leiter erklärt, was man mit Betroffenen macht, die nun keinen Platz mehr haben.

«Unser Angebot richtet sich nicht an Menschen, die sich etwas ausgebrannt fühlen und sich erholen wollen»: Christian Seeher, Leitender Arzt des Zentrums für stressbedingte Erkrankungen im Sanatorium Kilchberg.

«Unser Angebot richtet sich nicht an Menschen, die sich etwas ausgebrannt fühlen und sich erholen wollen»: Christian Seeher, Leitender Arzt des Zentrums für stressbedingte Erkrankungen im Sanatorium Kilchberg. Bild: Jvo Cukas

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Am 21. Januar eröffnete das Sanatorium Kilchberg eine Station spezifisch für Burn-out-Patienten. Nun ist sie bereits ausgebucht. Sind die Menschen in Zürich derart ausgebrannt?
Ich glaube nicht, dass dies eine Besonderheit von Zürich ist. Die Problematik Burn-out ist allgemein sehr präsent.

Anders gefragt: Haben Sie mit Ihrem Angebot einfach geschickt eine Marktlücke besetzt?
Wir hatten schon vor der Eröffnung der Station viele Menschen mit Burn-out behandelt und gemerkt, dass hier ein Bedürfnis für eine spezifische Behandlung bestand. Deshalb haben wir hier nun neu ein Angebot entwickelt, welches die Krankheit von einem ganzheitlichen Ansatz her angeht. Von einer Marktlücke würde ich aber nicht sprechen. Auch andere Kliniken bieten diesbezüglich Behandlungen an.

Ist es für Betroffene einfacher, sich bei Ihnen zu melden, weil sie sich durch Ihr Angebot von anderen Depressiven klar abgrenzen können?
Es ist sicher so, dass die Hemmschwelle dadurch tiefer ist. Aber man muss klar sehen: Unser Angebot richtet sich nicht an Menschen, die sich etwas ausgebrannt fühlen und sich erholen wollen. Es geht um eine Krankheit, die stationär behandelt werden muss. Dafür müssen viele Kriterien erfüllt sein, die auch auf eine Depression zutreffen.

Mussten Sie denn Bewerber ablehnen, die sich einfach nur erholen wollten?
Wir mussten Patienten ablehnen, aber aus dem gegenteiligen Grund. Es haben sich zum Beispiel mehrere Personen gemeldet, die bereits seit rund einem halben Jahr krankgeschrieben sind und bei denen eindeutig eine schwere Depression vorliegt. In diesen Fällen mussten wir andere Behandlungen empfehlen.

Wenn nun aber jemand akut an einem Burn-out leidet: Müssen Sie den Betroffenen dennoch abweisen?
Nein. Entweder versuchen wir, die Person auf einer anderen Station unterzubringen oder eine ambulante Therapie anzubieten.

Die Burn-out-Station richtet sich nur an Privatversicherte. Sind nun vor allem Topmanager aus der gebeutelten Bankenszene bei Ihnen untergebracht?
Nein, es gibt keine Berufsgruppe, die besonders hervorsticht. Wir haben vom normalen Angestellten bis zum Manager, vom jungen Berufseinsteiger bis zu Leuten, die kurz vor ihrer Pension stehen, alles vertreten.

Auf Ihrer allgemeinen Abteilung bieten Sie ja die neue Behandlungsmethode auch für Allgemeinversicherte an. Ist diese ebenfalls ausgebucht?
Nein. Wir hatten zwar auch dafür viele Anmeldungen, konnten den Betroffenen aber ein entsprechendes Angebot machen.

Wann wird es wieder freie Plätze auf der Burn-out-Station geben?
Das kann ich Ihnen zurzeit nicht sagen. Bei jedem Patienten ist es sehr individuell, wie lange eine stationäre Behandlung nötig ist. Da unsere 10 Plätze erst gerade besetzt wurden, ist es schwierig, abzuschätzen, wann wieder einer frei wird. Zudem gibt es derzeit auch eine Warteliste für Interessenten.

Erstellt: 31.01.2013, 14:20 Uhr

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