Busunfall Zollikon: Wann im selben Fahrzeug Gurtpflicht gilt und wann nicht

Die zwölf Passagiere, die beim Busunfall am Dienstag verletzt wurden, konnten sich nicht anschnallen. Auf Linienbussen besteht die Gurtpflicht nur im Sonderfall.

Unterstehen nicht der Gurtpflicht: Busse der VBZ.

Unterstehen nicht der Gurtpflicht: Busse der VBZ. Bild: Keystone

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In Zollikon stiess heute Morgen ein Linienbus frontal mit einem Lastwagen zusammen. Der Bus war aus unbekannten Gründen auf die Gegenfahrbahn geraten. Beim Unfall wurden vierzehn Personen zum Teil schwer verletzt, allein zwölf davon waren Fahrgäste. Der Bus war heute Morgen gut besetzt, einige der Fahrgäste standen zum Zeitpunkt des Unfalls sogar, wie Cosimo Castellano von den Autobusbetrieben Zürich-Zollikon-Küsnacht (AZZK) erklärt.

Der tragische Vorfall wirft die Frage auf, weshalb es bei Busfahrten keine Gurtpflicht gibt. «Eine solche Auflage wäre bei Bussen nicht umsetzbar», sagt Olivia Ebinger, Sprecherin des Bundesamtes für Verkehr (BAV). Grundsätzlich seien Linienbusse, die eine Konzession haben und nach einem regulären Fahrplan fahren, von der Gurtpflicht befreit. Dies mache durchaus Sinn, wie Andreas Uhl, Sprecher der VBZ erklärt. «Auf unserem Netz haben wir einen sehr raschen Fahrgastwechsel. Unsere Busse haben deshalb keine Gurtvorrichtungen.»

Zwei Regelungen für das gleiche Fahrzeug

Anders sieht die Situation bei der Postauto AG aus. Zwar müssen sich Fahrgäste im Linienverkehr nicht angurten, sobald das gleiche Fahrzeug an eine private Gesellschaft vermietet wird, besteht aber Gurtpflicht, wie Ebinger vom BAV erklärt. Gleiches gelte für Carfahrten. Hier sei der Chauffeur verpflichtet, seine Fahrgäste mit einem Schild oder vor der Abfahrt über Lautsprecher auf die Gurttragepflicht aufmerksam zu machen. «Wenn sich die Leute dennoch nicht daran halten, handeln sie in Eigenverantwortung. Das Bus- oder Carunternehmen kann nicht belangt werden.»

Trotz des Unfalls von heute Morgen denken die AZZK nicht darüber nach, ob in ihren Fahrzeugen Gurte installiert werden sollen. Laut Cosimo Castellano wurden in neuen Bussen des Unternehmens einzig für Rollstuhlfahrer Sicherungsgurte installiert. Das Gesetz steht dabei aufseiten der AZZK. In naher Zukunft sind auf Bundesebene keine Änderungen der Vorschriften geplant.

Erstellt: 20.03.2012, 17:13 Uhr

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