Camenisch soll bis 2018 in Haft bleiben

Marco Camenisch wird die bedingte Entlassung nicht gewährt. Der «Ökoterrorist» habe sich nie von seinen extremen politischen Ansichten distanziert.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Zürcher Amt für Justizvollzug verweigert die bedingte Entlassung von Marco Camenisch, schreibt sein Unterstützungskomitee in einer Medienmitteilung. Der heute 60-jährige Bündner sitzt seit 20 Jahren im Gefängnis, momentan in der Strafanstalt Lenzburg.

Camenisch hatte Ende der 70er-Jahre und in den 80er-Jahren Sprengstoffanschläge auf Hochspannungsmasten in Graubünden und Italien verübt – als Protest gegen die Atomindustrie. Zudem hatte er in Brusio GR einen Bündner Grenzwächter erschossen und bei seiner Verhaftung in Italien auf einen Polizisten geschossen. Camenisch wurde 1991 in Italien verhaftet und 2002 an die Schweiz ausgeliefert. In diesem Frühling hat Camenisch zwei Drittel seiner Strafe abgesessen. Sein spätester Entlassungstermin ist im Mai 2018.

Anwalt geht vor Bundesgericht

Laut der Pressemitteilung seines Unterstützungskomitees soll am 8. Februar eine Anhörung zur bedingten Entlassung stattfinden. Dabei habe das Amt für Justizvollzug Camenischs Anwalt aber bereits mitgeteilt, dass man die bedingte Entlassung abweisen werde. In der Regel werden Gefangene nach Verbüssung von zwei Dritteln der Strafe bedingt entlassen. Voraussetzung ist: Sie müssen sich im Strafvollzug bewährt haben, und es darf keine Wiederholungsgefahr bestehen.

Das Amt für Justizvollzug wollte zur Verweigerung der Haftentlassung aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und Amtsgeheimnisses nichts sagen. Wie Bernard Rambert, der Anwalt von Camenisch, auf Anfrage sagt, hatte das Amt für Justizvollzug im Zusammenhang mit Urlaubsgesuchen argumentiert, dass sich Camenisch nicht mit den Taten auseinandergesetzt und die gleichen extremen politischen Ansichten wie in der Vergangenheit habe. Rambert will den Entscheid ans Bundesgericht bringen.

Camenisch im Hungerstreik

Camenisch hatte sich in der Vergangenheit aus der Zelle heraus immer wieder zu Wort gemeldet und sich für den revolutionären Kampf ausgesprochen. Sein Name wurde in Bekennerbriefen bei verschiedenen Sprengstoffattentaten und Brandstiftungen erwähnt; unter anderem beim Brandanschlag auf das Haus des ehemaligen SP-Regierungsrats Markus Notter.

Camenisch befindet sich momentan aus Protest gegen das Word Economic Forum (WEF) im Hungerstreik. Seinem Protest haben sich auch zwei der drei inhaftierten Ökoaktivisten angeschlossen, die einen Anschlag auf das Nanotechnologie-Zentrum der IBM in Rüschlikon geplant hatten. Sie sind im letzten Juli vom Bundesstrafgericht in Bellinzona zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt worden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.01.2012, 11:47 Uhr

Artikel zum Thema

Wie Ökoterroristen funktionieren

Interview In Bellinzona stehen drei mutmassliche Ökoterroristen vor Gericht. Was sind das für Personen, was wollen sie? Linksextremismus-Experte Jean-Marc Flückiger über ihre Motive, Methoden und «home visits». Mehr...

Bildstrecke: Prozess gegen Ökoterroristen

Silvia G. ist die Frau im Ökoanarchisten-Trio, das sich in Bellinzona vor Gericht verantworten muss. Die 29-Jährige und ihr Mann sollen an mehreren Anschlägen in Italien beteiligt gewesen sein. Mehr...

Marco Camenisch: Der als «Ökoterrorist» bekannt gewordene 60-jährige Bündner sitzt seit 1991 in italienischen und Schweizer Gefängnissen.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...