Carlos beklagt sich vor Gericht: «Die Haft ist wie Folter»

Der 21-jährige Serien-Straftäter soll im Streit einen Bekannten spitalreif geprügelt haben. Auch in Untersuchungshaft ist er erneut auffällig geworden.

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Der als «Carlos» bekannt gewordene junge Mann steht erneut vor Gericht: Er muss sich heute Montag vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten, weil er Ende März 2016 beim Aussteigen aus einem Tram einen Bekannten ins Gesicht geschlagen haben soll.

Der zuständige Staatsanwalt verlangt, dass «Carlos» wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt wird. Was der Verteidiger für seinen Mandanten verlangen wird, ist noch unbekannt.

Das Interesse am Prozess ist gross: Rund 50 Zuschauer haben sich am Bezirksgericht eingefunden. Bei der Befragung durch den Staatsanwalt beklagte sich «Carlos» über die schlechten Haftbedingungen, mit denen er sein renitentes Verhalten erklärt: «Es ist wie Folter. Sie gaben mir nur Wasser und Brot.» Und «Sie haben mir die Bettdecke weggenommen.»

«Carlos» erscheint vor Gericht. (Video SDA)

Streit um Moscheebesuch

Laut Anklageschrift befand sich «Carlos» am 29. März 2016 mit dem späteren Opfer, einem 20-jährigen Logistiker, und einem weiteren jungen Mann im Tram der Linie 2. Dabei sprachen die Männer über Sport und Kickboxen. Kurz vor der Haltestelle Kappeli in Altstetten verabschiedete sich «Carlos» vom Logistiker per Handschlag. Dabei sagte er zu beiden Männern, sie sollen nicht «herumgangstern», sondern einmal in die Moschee gehen. Der Logistiker entgegnete, dass jeder machen könne, was er wolle. «Carlos» habe ihm nicht zu sagen, dass er in die Moschee gehen solle. Während des Wortwechsels verliess «Carlos» das Tram bei der Haltestelle Kappeli. Kaum draussen, verpasste er dem ebenfalls aussteigenden Logistiker unvermittelt einen Faustschlag ins Gesicht.

Der junge Mann, so die Anklageschrift, konnte auf den überraschenden Faustschlag nicht reagieren. Er fiel aus dem Tram, sackte zusammen, prallte mit Körper und Kopf auf den Boden, wo er ein paar Sekunden bewusstlos liegen blieb. «Carlos» schlug ein weiteres Mal zu, verfehlte aber sein Ziel. Der junge Mann erlitt eine Quetsch-Risswunde am Auge, einen leichten Bruch des Unterkiefergelenkfortsatzes sowie Hautrötungen und -schürfungen.

Mit Häftling geprügelt

«Carlos» sitzt seit dem 1. April 2016 in Untersuchungshaft. Recherchen der «SonntagsZeitung» zeigten, dass er dort durch renitentes und zerstörerisches Verhalten aufgefallen ist: Er beschädigte seine Zelle, lieferte sich eine handgreifliche Auseinandersetzung mit einem anderen Häftling und brachte mit rabiatem Gehabe das Gefängnispersonal an seine Grenzen.

Der inzwischen 21-Jährige, der im August 2013 durch einen SRF-Dokumentarfilm als «Jugendstraftäter Carlos» landesweit bekannt wurde, ist in den vergangenen Jahren verschiedentlich mit den Justizbehörden in Kontakt gekommen. Letztmals musste er sich im August 2015 vor einem Gericht verantworten; das Bezirksgericht Dietikon verurteilte ihn damals zu einer Geldstrafe, weil er unter anderem in seiner Zelle im Massnahmenzentrum Uitikon randaliert hatte. (lop/sda)

Erstellt: 06.03.2017, 09:50 Uhr

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