Carlos bleibt im Gefängnis

Der 18-jährige Gewalttäter wollte die aufschiebende Wirkung seiner Inhaftierung vor Bundesgericht erkämpfen. Vergeblich.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der jugendliche Straftäter Carlos wehrt sich bisher vergeblich gegen seine Inhaftierung. Eine entsprechende Beschwerde ist noch beim Zürcher Obergericht hängig. Es wird in den kommenden Tagen darüber befinden. Das Bundesgericht hat sich derweil mit der Frage nach der aufschiebenden Wirkung der Einweisung ins Limmattaler Gefängnis befasst. Angeordnet hatte sie am 30. August der Zürcher Oberjugendanwalt Marcel Riesen. Bis zu seiner Festnahme in Zürich wohnte Carlos zusammen mit einer Betreuerin in einer 4½-Zimmer-Wohnung im Kanton Basel-Landschaft.

Carlos hatte am Zürcher Obergericht ein Gesuch um aufschiebende Wirkung seiner Inhaftierung gestellt. Die Richter wiesen es am 4. September ab. Sein Anwalt zog diesen Entscheid ans Bundesgericht weiter, das nun aber nicht darauf eingetreten ist. Mit einer solchen Beschwerde kann nur die Verletzung von verfassungsmässigen Rechten gerügt werden.

Bundesgericht erhebt keine Kosten

In ihrem Urteil argumentieren die Lausanner Richter: Der Beschwerde sei nicht zu entnehmen, inwiefern die Verweigerung der aufschiebenden Wirkung Normen der Bundesverfassung oder der Europäischen Menschenrechtskonvention verletze. Das Bundesgericht könne die vorübergehende Einweisung nicht grundsätzlich prüfen, Gegenstand des Verfahrens sei die abgelehnte aufschiebende Wirkung.

Carlos' Anwalt hatte zudem um unentgeltliche Rechtspflege ersucht. Das Bundesgericht wies dieses Gesuch jedoch ab, weil es die Rechtsbegehren des jugendlichen Straftäters als aussichtslos erachtete. Allerdings verzichteten die Lausanner Richter darauf, Gerichtskosten zu erheben.

Der Fall Carlos war durch eine Reportage des Schweizer Fernsehens zum öffentlichen Thema geworden. Es stellte sich heraus, dass für den straffälligen Jugendlichen ein Sondersetting eingerichtet worden war. Dieses umfasste begleitetes Wohnen in einer 4½-Zimmer-Wohnung und therapeutische Massnahmen. Zudem hatte der Jugendliche täglich ein Thaibox-Training besucht. Die Kosten beliefen sich auf 29'200 Franken pro Monat. Eine «Luxusbehandlung», wie dies inzwischen auch Justizdirektor Martin Graf (Grüne) zugegeben hat.

Erstellt: 12.09.2013, 12:03 Uhr

Artikel zum Thema

Das Ringen um Aufwand und Ertrag im Fall Carlos

Was darf ein jugendlicher Intensivstraftäter die Gesellschaft kosten? Es ist gut, dass der Fall Carlos die Schweiz in Erregung versetzt. Eine Einschätzung. Mehr...

Carlos geht vor Bundesgericht

Der jugendliche Straftäter Carlos will nicht weiter im Gefängnis Limmattal bleiben. Die Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt hatte das Obergericht angeordnet. Nun zieht er den Fall weiter. Mehr...

Das Ringen um Aufwand und Ertrag im Fall Carlos

Was darf ein jugendlicher Intensivstraftäter die Gesellschaft kosten? Es ist gut, dass der Fall Carlos die Schweiz in Erregung versetzt. Eine Einschätzung. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Mit CallDoc clever und flexibel versichert

Lassen Sie sich rund um die Uhr medizinisch beraten – und sparen Sie dabei! Profitieren Sie vom Prämienrabatt der Grundversicherung. Jetzt Offerte anfordern.

Blogs

Sweet Home Das Bauhaus ist 100

Geldblog Nestlé enttäuscht den Markt

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...