«Carlos» ist frei

Der jugendliche Straftäter ist heute aus der Haft entlassen worden. Das hat das Zürcher Obergericht entschieden. Die Rückfallgefahr habe sich «deutlich abgeschwächt».

Der unter dem Pseudonym «Carlos» bekannt gewordene Straftäter in einer Aufnahme aus dem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens, der ihn landesweit zum Thema machte.

Der unter dem Pseudonym «Carlos» bekannt gewordene Straftäter in einer Aufnahme aus dem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens, der ihn landesweit zum Thema machte. Bild: Keystone

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Im Fall «Carlos» überschlagen sich gerade die Ereignisse. Erst gestern Montag gab es für den 19-Jährigen schlechte Nachrichten vom Bundesgericht. Die Untersuchungshaft gegen ihn sei nach einem bedrohlichen Vorfall im letzten Herbst zu Recht verlängert worden, lautete das Urteil. Der Grund: hohe Rückfallgefahr.

Da aber die verlängerte U-Haft morgen Mittwoch ohnehin abgelaufen wäre, hing die Zukunft von «Carlos» von etwas anderem ab. Die Staatsanwaltschaft wollte ihn nämlich weiterhin im Gefängnis behalten, indem sie ihn in Sicherheitshaft versetzen liess. Dagegen wehrte sich «Carlos» – und das Zürcher Obergericht hat ihm nun Recht gegeben.

Neuer Bericht relativiert Gutachten

«Carlos» war Ende Oktober 2014 verhaftet worden, nachdem er an der Zürcher Langstrasse einen Mann mit einem Messer bedroht haben soll. Seither befand er sich in Untersuchungshaft, welche das zuständige Zwangsmassnahmengericht bis zum 22. April bewilligte.

Nachdem die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben hatte, wurde «Carlos» in Sicherheitshaft versetzt. Sein Entlassungsgesuch lehnte das Bezirksgericht Dietikon ab. Dabei stützte es sich unter anderem auf das psychiatrische Gutachten ab, das dem 19-Jährigen eine hohe Wiederholungsgefahr attestierte.

Das Obergericht hat diese Einschätzung jetzt relativiert. Dem psychiatrischen Gutachter habe der neue Führungsbericht des Gefängnisses Limmattal nicht vorgelegen. Dieser attestiere dem jungen Mann, dass er sein Sozialverhalten und seine Strategien zur Bewältigung des Alltags zuletzt stark verbessert habe. Das reduziere seine Rückfallwahrscheinlichkeit und sein aktuelles Gewaltpotenzial deutlich.

Zweifel am Tatbestand

Das Obergericht sah sich auch die auf Video festgehaltene Drohung mit dem Messer an und äusserte Zweifel, ob der Tatbestand der Drohung überhaupt erfüllt ist. Das mutige Auftreten des angeblich Bedrohten lasse «die Frage aufkommen, ob das Opfer überhaupt in Angst und Schrecken versetzt worden ist». Das wäre aber Voraussetzung, damit der Tatbestand der Drohung erfüllt ist.

(hub/thas)

Erstellt: 21.04.2015, 15:10 Uhr

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