Chaos in der S-Bahn ausgerechnet am Morgen

Statt mit drei Kompositionen ist die S-Bahn zwischen Zürich und Winterthur in der Rushhour zuweilen nur in verkürzter Form unterwegs. «Ein vorübergehendes Problem», beschwichtigen die SBB.

Vollbesetzte Treppen und Stehplätze: Die S 12 morgens um 6.30 Uhr zwischen Zürich und Winterthur.

Vollbesetzte Treppen und Stehplätze: Die S 12 morgens um 6.30 Uhr zwischen Zürich und Winterthur. Bild: Pia Wertheimer

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S 12, Winterthur ab um 6.22 Uhr. Das ist nicht nur die Zeit, zu der besonders viele Pendler unterwegs sind. Die Strecke zwischen Winterthur und Zürich gehört auch noch zu den Verbindungen mit dem höchsten Verkehrsaufkommen. Die Pendler sind es sich gewohnt, um einen Sitzplatz kämpfen zu müssen.

In den letzten drei Wochen aber haben auch breite Schultern und taktisch geschicktes Anstehen nichts genützt: Die S 12 war vollgestopft, kaum hatte sie gehalten. Grund: Statt in gewohnter Dreierformation verkehrten Morgen-, aber auch Abendkurse an einzelnen Tagen bloss in Zweierformation. Die Pendler drängten sich in den Gängen, auf den Treppen und im Eingangsbereich. Während der beiden Halte in Stettbach und Stadelhofen herrschte dann jeweils Chaos pur: Passagiere mussten zuerst aussteigen, damit die hinter ihnen sitzenden überhaupt den Zug verlassen konnten.

115 alte Doppelstöcker werden saniert

Bei den SBB entschuldigt sich Sprecher Reto Schaerli für die Unannehmlichkeiten. «Uns ist bewusst, dass es für die Pendler sehr unangenehm ist, wenn die Züge zu den Hauptverkehrszeiten nicht in voller Länge verkehren.» Grund für die Verkürzung ist pikanterweise ein Projekt, das eigentlich der Bequemlichkeit dienen soll. Zurzeit modernisieren die SBB die gut 20-jährigen Zürcher S-Bahn-Züge der ersten Generation (DPZ) und machen sie so fit für weitere 20 Betriebsjahre. Dabei werden die Zwischen- und Steuerwagen zu DPZ-Plus-Kompositionen umgebaut, auch zwei rote Züge der SZU.

Diese Umbauarbeiten sind dafür verantwortlich, dass plangemäss vier Kompositionen fehlen. «Diese vier Züge sind in der Werkstätte oder auf Testfahrt», sagt Schaerli. In den letzten Wochen habe sich zudem eine Verzögerung bei den Testfahrten ergeben. Deshalb hätten ausnahmsweise sieben Züge gefehlt. Das sei auch der Grund für die ausserordentlichen Zugsverkürzungen auf der S 12 und anderen Linien, sagt Schaerli.

Klimatisierung als Trostpflaster

Das Sanierungsprogramm dauert noch bis 2018. Von 115 alten Doppelstöckern sind bereits 25 zu DPZ-Plus-Kompositionen aufgemotzt worden. Das Plus steht für Klimatisierung, frisch revidierte Innenräume und grosszügige Einstiegszonen. Dafür werden sämtliche Züge komplett ausgehöhlt und neu aufgebaut. Die bisherigen DPZ-Zwischenwagen zweiter Klasse tauschen die SBB gegen neue Niederflur-Zwischenwagen des Konsortiums Siemens-Bombardier – diese ermöglichen mobilitätseingeschränkten Personen bequemen Zugang zur Bahn. Auch die 115 Loks des Typs Re 450 werden saniert.

Für eine grössere Fahrzeugreserve im S-Bahn-Bereich sorgen die neuen Stadler-Doppelstöcker der dritten Generation. Bisher sind in der Zürcher S-Bahn 40 Stadler-Kompositionen unterwegs. Bis Ende 2015 folgen laut SBB-Sprecher Schaerli weitere zehn. Diese sind ab Fahrplanwechsel im Dezember 2015 für den nächsten Angebotsausbau im Rahmen der vierten Teilergänzung vorgesehen. Bis dahin werden die brandneuen Stadler-Züge auch im laufenden Betrieb eingesetzt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.10.2014, 11:26 Uhr

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