Gesehen & gehört

Christoph Mörgeli sieht Ruedi Noser schon im Ständeratsfieber

Die nationalen Wahlen von 2015 werfen bereits Wellen: Der SVP-Nationalrat bezeichnet die Politplattform Succèsuisse als reinen Wahlverein für seinen Amtskollegen von der FDP.

Er weiss noch nichts davon, dass er Ständerat werden soll: Ruedi Noser (Archivbild).

Er weiss noch nichts davon, dass er Ständerat werden soll: Ruedi Noser (Archivbild). Bild: Pixsil

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt Tage im Kantonsrat, an denen aus skurrilsten Diskussionen die schwergewichtigsten Zukunftsstrategien entwickelt werden. Mit Betonung auf schwergewichtig. Da sagte FDP-Kantonsrat Martin Farner bei der Diskussion über Nachtsichtgeräte für die Wildschweinjagd am Montag zum passionierten Jäger und Baudirektor Markus Kägi (SVP): «Es braucht bei der Jagd die Kräftigen wie Obelix, aber auch die kleinen Listigen wie Asterix mit dem Nachtsichtgerät.»

Weil Farner den stattlichen Brocken Kägi, der im Rat gegen den elektronischen Zaubertrank kämpfte, mit Obelix gleichsetzte, kassierte er von Kantonsratspräsident Bernhard Egg (SP) eine – augenzwinkernde – Ermahnung. «Darf ich Sie bitten, dem Herrn Regierungsrat nicht zu unterstellen, er fresse so viel wie Asterix.» Kägi, der in seiner Karriere schon rund 80 Wildschweine erlegt hat, nahm den Vergleich gelassen: «Wenigstens verspeise ich die Säue kultivierter als Obelix.»

+++

Die Diskussion um Nachtsichtgeräte animierte die Parteistrategen zu einem Blick in die noch dunkle politische Zukunft: die Wahlen 2015. Auslöser war SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli auf Twitter: «Succèsuisse – tönt süsslich und harmlos. Und ist ein reiner Ruedi-Noser-Ständeratswahlverein», stänkerte er auf der Kurznachrichtenplattform. FDP-Nationalrat Noser hatte dieses Unternehmerkomitee kürzlich als Kampforgan für den Erhalt des Erfolgsmodells Schweiz gegründet.

Damit Noser 2015 Ständeratskandidat werden kann, müsste sich der amtierende Ständerat Felix Gutzwiller (FDP) zuerst einmal entschliessen, nach je acht Jahren National- und Ständerat nicht mehr anzutreten. «Ob ich mich für eine weitere Legislatur bewerbe, werde ich entscheiden, wenn die Zeit reif ist», sagte Gutzwiller gestern. Er ist im Februar 65 geworden und wird Ende Juli 2013 nach 25 Jahren als ordentlicher Professor und Leiter des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin emeritiert.

+++

FDP-Präsident Beat Walti konterte Mörgelis Häme mit Spott: «In seiner privaten Denkfabrik in Stäfa hätte er eigentlich Zeit für Texte, die über 140 Zeichen hinausgehen.» FDP-Fraktionschef Thomas Vogel sagt: «Wenn Mörgeli mit seinem penetranten Mitteilungsbedürfnis anderen Profilierung vorwirft, dann ist das lächerlich.» Präsident Beat Walti sind Abschiedsgedanken von Felix Gutzwiller nicht bekannt. Ruedi Noser, der bei der Nationalratswahl 2011 das mit Abstand beste FDP-Ergebnis erzielte, wäre «von seiner breiten Akzeptanz her» durchaus ein Ständeratskandidat, sagt Walti. Lust aufs Stöckli wurde aber auch FDP-Regierungsrätin Ursula Gut nachgesagt – zumindest bis zur unseligen Geschichte mit der Pensionskasse BVK.

+++

Mörgelis Zwitschern übertönt die eigenen Probleme. In der SVP steht – trotz Nachtsichtgerät – in den Sternen, wer für den Ständerat antreten soll. Rita Fuhrer und Jürg Trachsel werden genannt, nachdem offenbar die Regierungsräte Ernst Stocker und «Obelix» Markus Kägi beide eine weitere Amtsperiode anhängen möchten. Unklar ist auch, ob Ständerätin Verena Diener (GLP) 2015 aufhört, womit auch die SP endlich wieder Chancen auf einen Sitz im Stöckli hätte – zum Beispiel mit Daniel Jositsch.

+++

Ein echtes politisches Schwergewicht hat die SVP – und der Kanton Zürich – am Sonntag verloren. Alt Kantons- und Bildungsrat Oskar Bachmann ist am Sonntag im Alter von 71 Jahren nach einmonatigem Spitalaufenthalt gestorben. Der Wirt des Gasthofs Metzg in Stäfa war einer der wichtigsten bürgerlichen Bildungspolitiker. So hat er sich konsequent für die Lehrlingsausbildung eingesetzt. Ratspräsident Egg bezeichnete den leutseligen Gastgeber und studierten Betriebswirtschafter als «Leitfigur» im Rat, dem er 1984 bis 2003 angehörte.

+++

Für Weggefährte Willy Haderer (SVP) war «Oski» ein senkrechter SVPler, «der auch eine eigene Meinung vertrat». Die Stäfner Bezirkspräsidentin Theresia Weber erinnert sich an seine Ironie und seinen Riesenfundus an Witzen. Als es um einen Opernhauskredit ging, sang Bachmann am Rednerpult eine Passage aus «La Traviata». Die Metzg wird nun von seinem Sohn Thomas Bachmann weitergeführt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2013, 10:44 Uhr

Montag im Kantonsrat

GPK-Bericht verabschiedet
Der Kantonsrat hat den Jahresbericht der Geschäftsprüfungskommission verabschiedet. GPK-Präsident Claudio Zanetti (SVP) lobte die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung. Kritik wurde hingegen am Immobilienmanagement geübt, an der mangelhaften Frauenförderung und an der IT-Strategie.

Neue Immobilienstrategie
Mit 161 Stimmen (von 180) hat der Rat eine parlamentarische Initiative von ­Esther Guyer (Grüne) vorläufig überwiesen. Nötig wären lediglich 60  Stimmen gewesen. Die Initiative verlangt ein ­zentrales Immobilienamt, das für alle kantonalen Neu- und Umbauten verantwortlich wäre. Die einzelnen Direktionen würden ihre Schulhäuser oder ­Gefängnisse beim Immobilienamt bestellen.

Das Immobilienamt würde diese dann erstellen und den Bestellern vermieten. Dieses Mietermodell stiess zwar im Rat nicht auf einhellige Zustimmung. Die SP befürchtet etwa, dass es künftig sogenannte A- und B-Direktionen geben wird. Einig war sich der Rat, dass es nach dem Debakel mit dem Polizei- und Justizzentrum höchste Zeit für eine ­Reorganisation des Immobilienmanagements ist. In etwa einem halben Jahr wird der Rat definitiv über die Einführung eines zentralen Immobilienamtes entscheiden. (sch)

Artikel zum Thema

Mörgeli reicht Beschwerde gegen Aeppli ein

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli wehrt sich weiter wegen seiner Entlassung. Mit einer Aufsichtsbeschwerde will er nun gegen Regierungsrätin Regine Aeppli vorgehen. Mehr...

SP will Bonussteuer aus der Schublade holen

Die meisten Politiker rechnen offenbar fest damit, dass die Abzockerinitiative angenommen wird. Bereits ist eine Diskussion darüber entbrannt, wie das Begehren umgesetzt werden soll. Mehr...

«Die deutsche Regierung hat ihr Gesicht verloren»

Interview FDP-Nationalrat und Wirtschaftspolitiker Ruedi Noser sagt im Interview, Kanzlerin Merkels Regierung sei nach dem Nein zur Abgeltungssteuer kein verlässlicher Verhandlungspartner mehr. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Kaffee – von der Produktion bis zur Wiederverwertung

Der Kaffee von Nespresso mag zwar auf einer Plantage am anderen Ende der Welt wachsen, zuletzt landet er jedoch auf Schweizer Äckern als Dünger.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Trigger für Höhenangst: Ein Besucher der Aussichtsplattform des King Power Mahanakhon Gebäudes in Bankok City posiert fürs Familienalbum auf 314 Meter über Boden. (16. November 2018)
(Bild: Narong Sangnak/EPA) Mehr...