Darum verkauft die Stadt Zürich Waffen

Sie stammen von der Goldküste, im November kommen sie im städtischen Gantlokal unter den Hammer: sieben Feuerwaffen, darunter vier halbautomatische Gewehre.

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Derzeit schaltet das Gantlokal des Stadtzürcher Stadtamman- und Betreibungsamtes ungewöhnliche Inserate. Zu haben sind eine Pumpgun, zwei Pistolen und vier halbautomatische Gewehre. Die Waffen kommen am 12. November unter den Hammer. An dieser Versteigerung hat Fritz Forrer, Leiter des Gantlokals Hardau im Kreis 5, keine Freude: «Wir haben uns gesträubt, diese Waffen zu versteigern.» Trotzdem muss er von Amtes wegen die Waffen dem Meistbietenden verkaufen. Dies sieht das Betreibungsverfahren so vor.

Die sieben Waffen sind Teil einer Pfändung in Küsnacht. Da das zuständige Betreibungsamt Küsnacht-Zollikon-Zumikon selber kein Gantlokal hat, muss sich die Stadt Zürich mit den Pistolen und Gewehren beschäftigen. Am liebsten wäre Forrer gewesen, sie nicht mit einer Versteigerung loszuwerden, sondern via einen Waffenhändler, der sie frei verkauft. Das Gesetz lässt diesen sogenannten Freihandverkauf zu. Das wollte der Gläubiger aber nicht. Deshalb kommt es zur Versteigerung.

Funktionsfähig, aber wenig wert

Die kommende Gant ist ungewöhnlich, laut Forrer gab es das seit Jahren nicht mehr. Bei der letzten Versteigerung von Waffen waren es zudem sehr gepflegte, schöne Waffen, an denen Sammler interessiert waren. Diesmal sind es gebrauchte Serienwaffen, die keinen Seltenheits- oder Sammlerwert haben. Weil sie voll funktionsfähig sind, können nur unter grossen Sicherheitsvorkehrungen versteigert werden.

Forrer erwartet keinen grossen Ertrag. Im Gegenteil: «Wir müssen schauen, dass wir überhaupt die Kosten wieder reinholen.» Der Verkauf solcher Gegenstände ist aufwendig. Zuerst musste ein Waffenhändler damit beauftragt werden, die Waffen zusammenzusetzen und zu prüfen, ob sie überhaupt in den Handel gelangen dürfen.

Vollautomatische Waffen wären für einen solchen Verkauf nicht zugelassen. Aus Sicherheitsgründen kann nicht jeder Interessent die Waffen besichtigen, man wird nur nach Vorweisen eines Waffenerwerbsscheines zugelassen. Und wenn die Waffen dann versteigert werden, müssen sie zwar vor Ort bezahlt werden, der Käufer kann sie aber nicht sofort mitnehmen. Sie werden nur via den Waffenhändler Schaufelberger herausgegeben, der die nötige Registrierung abwickelt.

Nicht bei Verbrechen gebraucht

Zur Geschichte der Waffen können die zuständigen Stellen nicht viel sagen. Fest steht: Sie wurden einem Mann aus Küsnacht in einem Betreibungsverfahren entzogen. «Auf jeden Fall sind sie erwiesenermassen nicht bei einem Verbrechen benutzt worden», sagt Forrer. In einem solchen Fall würden sie nicht in den Verkauf gelangen.

Marco Keyerleber, stellvertretender Betreibungsbeamter und Gemeindeammann von Küsnacht-Zollikon-Zumikon, sagt: «Sie stammen aus einem üblichen Pfändungsvollzug und wurden dem Schuldner aus finanziellen Gründen und nicht aus Sicherheitsüberlegungen entzogen». Illegale Waffen hatte der Besitzer keine.

Falls die Versteigerung zu wenig Geld bringt, muss immerhin nicht die öffentliche Hand das Defizit übernehmen. Das Kostenrisiko trägt nämlich der Gläubiger. Er selber konnte die Waffen nicht direkt entgegennehmen, um seine Forderungen zu mindern. Das Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz sieht bei der Verwertung von mobilen Gegenständen nur zwei Möglichkeiten vor: Entweder werden sie per Freihandverkauf veräussert oder gemäss dem sogenannten Versilberungsprinzip versteigert und so zu Geld gemacht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.10.2015, 12:47 Uhr

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