Das Gerangel um Hans Kaufmanns Nachfolge hat begonnen

Der SVP-Nationalrat tritt ab und gibt dem Bundesrat die Schuld daran. Sein Wunschnachfolger wäre der Banker Thomas Matter. Doch Gemüsebauer Ernst Schibli lässt sich nicht so schnell verdrängen.

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Der 65-jährige SVP-Nationalrat Hans Kaufmann aus Wettswil tritt Anfang Mai aus dem Nationalrat zurück. Er begründet den vorzeitigen Rücktritt mit seinem Ärger über den Bundesrat. Er schreibt von einer «wenig erbaulichen Zusammenarbeit mit dem Bundesrat und einigen Hinterleuten in Themen, die den Finanzplatz, Steuern und internationale Abkommen» betreffen. Zudem beklagt er «staatsstreichähnliche Missachtung von Volks- und Parlamentsentscheiden», die «Aushebelung von Volksrechten» sowie «Agieren hinter dem Rücken der SVP».

Mit seinem Rücktritt möchte Kaufmann auch «einen Generationenwechsel der Zürcher SVP ermöglichen», wie er schreibt. Auch zu seiner Nachfolge äussert er sich: «Selbstverständlich würde ich es als ehemaliger Bankexperte begrüssen, wenn mein Nachfolger aus der Finanzbranche stammen würde.»

Thomas Matter steht bereit

Dieser Wunsch von Kaufmann ist pikant. Erster Ersatzmann ist der Otelfinger Gemüsebauer Ernst Schibli. Sein Nachrücken würde laut Parteipräsident Alfred Heer «dem Wählerwunsch entsprechen». Sollte Schibli dies nicht wollen, wäre Thomas Matter der nächste Kandidat. Der 47-Jährige ist gemäss Heer ein «bewährter Politiker» und hat sich sehr um die Partei verdient gemacht. 2011 ist Matter, der noch nie ein wichtiges politisches Amt bekleidet hat, nach einem intensiven und teuren Wahlkampf vom 25. auf den 14. Platz vorgerückt. Er selber sagt, er sei «selbstverständlich bereit» zum Nachrücken – «aber dieser Sitz steht Ernst Schibli zu, er muss entscheiden, ob er ihn will».

Schibli (61) steht schon seit dem Rücktritt von Bruno Zuppiger als erster Ersatz unter Druck. Allgemein war ein Rücktritt von Kaufmann nur im Zusammenhang mit einem Verzicht Schiblis erwartet worden. Auch geht es um die Ansprüche der Bauern, die ohne Ueli Maurer und Schibli nicht mehr vertreten sind. Aus Bauernkreisen wird oft Martin Haab aus Mettmenstetten genannt.

Ernst Schibli hat die SVP bereits von 2001 bis 2011 im Nationalrat vertreten. Bei den Wahlen im Oktober 2011 wurde er allerdings nicht wiedergewählt. Schibli hat, wie er sagt, erst heute vom Rücktritt von Hans Kaufmann erfahren. «Ich lasse mich jetzt nicht ins Bockshorn jagen – ich fühle mich nicht unter Druck, will jetzt zuerst Gespräche führen und mich dann in aller Ruhe entscheiden», sagt er gegenüber dem TA.

Auch wenn sich Schibli offenbar nicht gedrängt fühlt: Von der Partei her lastet ein grosser Druck auf ihm. Bankier Matter wäre der designierte Ersatz für den Finanzexperten Hans Kaufmann. Schibli jedoch kann von keinem Parteigremium zum Verzicht gedrängt werden. Das Volk hat ihn 2011 vor Matter gewählt.

Schibli zögert

In der SVP gibt es viele Stimmen, die Schiblis Verzicht begrüssen würden. Es gibt auch solche, die Verständnis für sein Zögern haben. Ernst Schibli ist immerhin fünf Jahre jünger als die amtierenden Max Binder, Toni Bortoluzzi und Hans Fehr – und sogar zwölf Jahre jünger als Blocher. Schibli hat sich zudem jahrzehntelang verdient gemacht in der Partei als Fraktionspräsident im Kantonsrat und als Präsident von Findungskommissionen bei Wahlen.

«Was soll ich mir schlaflose Nächte im Voraus bereiten, indem ich dauernd am Nationalrat herumstudiere», sagt Schibli. «Ich entscheide, wenn es konkret so weit ist, und breche nichts vorzeitig übers Knie.» Er betreibt einen grossen Gemüsebaubetrieb in Otelfingen. «Ich bin wirtschaftlich unabhängig», sagt er, «und bin nicht auf das Nationalratsmandat angewiesen.» Zeit allerdings hätte er, seit er nicht mehr Gemeindepräsident von Otelfingen ist.

Erstellt: 04.03.2014, 15:31 Uhr

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