Das «Geschenk an die Zürcher» wurde stillgelegt

Auf dem Hürlimannplatz gibt es kein Gratis-Mineralwasser mehr. Das liege am neuen Thermalbad, vermuten viele. Die Besitzerin Swiss Property widerspricht.

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Baden im Aqui-Wasser kostet 32 Franken. So viel bezahlt, wer die neue Zürcher Therme besucht. Das Aqui-Wasser zu trinken, war bislang gratis. Seit Mai ist damit aber Schluss. Aus dem Brunnen auf dem Hürlimannplatz sprudelt kein Mineralwasser mehr. Zettel auf den türkisen Betonelementen vertrösten den Durstigen: «Bis auf weiteres bleibt die Quelle ausser Betrieb. Besten Dank für Ihr Verständnis.» Grund sei eine Bakterienverseuchung, heisst es auf Anfrage bei der Arealbesitzerin Swiss Property (PSP). «Bei der Überprüfung des Wassers wurde der Erreger Pseudomonas aeruginosa entdeckt», sagt PSP-Sprecher Vasco Cecchini. Fachleute würden derzeit abklären, wie die Infektionskrankheiten verursachenden Keime ins Quellwasser gelangen konnten.

Falls tatsächlich Bakterien das Trinkwasser kontaminierten, sei eine Schliessung des Aqui-Brunnens das einzig Richtige, sagt Stadtarzt Albert Wettstein. Der Erreger komme bestimmt nicht aus der Tiefe. Er tippe auf eine defekte Röhre. Fachmann Pierre Binggeli zweifelt an der Verschmutzungsthese: «Das sind bekannte Bakterien. Mit Chlor oder Javelwasser ist man sie in zwei bis drei Tagen los.» Der Leiter des Hallen- und Freibads Adliswil wohnt in der Nähe des Aqui-Brunnens. Er will festgestellt haben, dass die Durchflussmenge sehr unregelmässig geworden ist, seit im Dezember das Thermalbad in der ehemaligen Brauerei seinen Betrieb aufgenommen hat. «Ich frage mich, ob die Therme nicht einfach zu viel Wasser für sich beansprucht.» Dies ist gemäss Vasco Cecchini von der PSP nicht der Fall: «Es ist genügend Wasser vorhanden.» Ob aus dem Aqui-Brunnen jemals wieder an die hundert Liter Gratis-Mineral pro Minute fliessen werden, kann Cecchini nicht sagen: «Die PSP ist jedenfalls nicht dazu verpflichtet, diese Tradition weiterzuführen.» Seit 1977 gibts den Aqui-Brunnen in der Enge. Jener mit der Schnecke, den Bierbrauer Martin Hürlimann (1924–2000) von der Zürcher Künstlerin Helen Denzler bauen liess, steht heute auf einem Verkehrskreisel in Adliswil. Erst seit 2004 existiert der neue Brunnen mit den vier Zapfhahnen und dem roten Balken des Künstlers Christoph Haerle.

Geschenk an die Zürcher

Man habe nach Brauwasser gesucht und in 300 Meter Tiefe Mineralwasser gefunden, erinnert sich Peter Knobel. Der 77-Jährige arbeitete 34 Jahre bei der Brauerei Hürlimann, zuletzt als PR-Mann. «Das Wasser aus dem Berg war zu hart für die Bierproduktion. Wir mussten erst ein Verfahren entwickeln, um dem Wasser die Mineralien zu entziehen.» Zwischenzeitlich erfand man Aqui, das Zürcher Mineralwasser.

Laut Knobel soll Martin Hürlimann einmal gesagt haben: «Wir haben dieses Wasser gefunden, aber wir wissen nicht, warum es ausgerechnet uns anvertraut wurde. Weil wir es gewissermassen im höheren Auftrag für die Zürcher fanden, werden wir an der Brandschenkestrasse einen Brunnen bauen. Jedermann soll dort ohne irgendwelche Kosten von diesem Wasser trinken dürfen, so viel er will.» 1999, ein Jahr nachdem das letzte Bier gebraut wurde, stellte Hürlimann die Aqui-Produktion ein. Der Brunnen, das Geschenk an die Zürcher, blieb. Seither haben viele davon profitiert. Die «Tankstelle» für stilles Wasser wurde je länger, desto mehr zum beliebten Ziel für den Wochenendausflug. Menschen fuhren von überall her an, füllten ihre Harassen mit Aqui. Bis der Brunnen abgestellt wurde.

Brunnen in schlechtem Zustand

«Teilweise gab es viel Betrieb beim Brunnen. Es bildeten sich regelrechte Schlangen davor», sagt PSP-Sprecher Vasco Cecchini. Das habe Restaurantgäste und Angestellte der auf dem Areal ansässigen Betriebe gestört. Christoph Haerle, der Schöpfer des Brunnens, vermutet, dass die PSP seinen Brunnen bewusst kaputtgehen lasse. «Die Eigentümer haben keine Freude an den Leuten, die Wasser holen.» Der Brunnen befinde sich in einem katastrophalen Zustand, man trage überhaupt keine Sorge dazu. Die Oberfläche habe Lackschäden, der Brunnen würde nicht gereinigt, es gebe Kalkablagerungen. Er habe den Verantwortlichen Vorschläge zur Restauration unterbreitet. «Diese haben sich aber nicht sonderlich dafür interessiert.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.07.2011, 07:40 Uhr

Der vorerst stillgelegte Mineralwasserbrunnen auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Hürlimann. (Bild: Nicola Pitaro)

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