Das Hüftschuss-Problem der Polizei

Drei Polizisten haben sich seit Anfang Jahr verletzt, weil beim Verstauen ihrer neuen Dienstwaffen Schüsse losgingen. Jetzt reagiert die Kantonspolizei und kauft neue Halfter.

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Eigentlich hätte alles kein Problem sein sollen: Die Kantonspolizei kaufte letztes Jahr rund 2000 neue Pistolen für ihr Korps. Die Heckler & Koch P 30 aus Deutschland kosteten insgesamt 1,6 Millionen Franken. Vor der Anschaffung testete die Kantonspolizei die neue Generation von Dienstwaffen in einem dreijährigen Evaluationsverfahren auf ihre Trag- und Schusstauglichkeit.

In der Praxis zeigte sich dann aber: Die Handhabung schien Tücken zu haben. Insgesamt drei Polizisten verletzten sich seit Anfang Jahr. Im Januar schoss sich ein Aspirant bei einer Schiessausbildung in den Unterleib. Der 23-Jährige erlitt einen Durchschuss und musste operiert werden. Der Schuss hatte sich gelöst, als er in kniender Position auf Scheiben schiessen wollte.

Das Holstern als Problem

In einem zweiten Fall verletzte sich ein Polizist in Dübendorf. Als der 25-Jährige seine Pistole verstaute, löste sich ein Schuss. Die Kugel blieb in seinem Knie stecken. Ein ähnlicher Fall passierte im Mai in Schlieren. Ein 39-jähriger Kantonspolizist nahm einen Mann fest. Beim Verstauen der Dienstwaffe löste sich auch bei ihm ein Schuss. Der Polizist verletzte sich am Fuss. Die drei verletzten Polizisten sind inzwischen genesen und wieder im Einsatz, wie Werner Benz, Chef des Mediendienstes der Kantonspolizei, sagt.

Benz betont: «Mit der Waffe ist alles in Ordnung.» Inzwischen haben die Untersuchungen der Fälle ergeben: «Die drei Unfälle mit der neuen Dienstpistole passierten beim Holstern der Waffe.» Dann also, wenn die Pistole in der Halterung verstaut wird. Weitere Details zu den Gründen für die Unfälle, kann Benz nicht nennen. Zu den Halftern sagt er aber: «Sie sind auf die neuen Waffen zugeschnitten.»

Neue Halfter «technisch besser»

Klar ist, dass die Unfälle mit tief getragenen Holstern passierten, also nicht am Hüftgurt, sondern am Oberschenkel angebracht waren. Dies ist für die Polizisten von Vorteil, wenn sie Auto fahren oder schwere Schutzwesten tragen. Diese Tragart wurde nach dem Vorfall in Schlieren aus Sicherheitsgründen verboten, weil die Polizei bereits vermutete, sie könnte etwas mit den Unfällen zu tun haben. Als Sofortmassnahme hatte die Kantonspolizei damals auch die Richtlinien zur Waffenhandhabung nochmals überarbeitet und die Ausbildung intensiviert.

Obwohl das bisherige Holster zu den Waffen passt, hat sich die Kantonspolizei nun entschieden, neue Holster zu kaufen – um weitere Unfälle zu vermeiden. Die Anschaffung läuft derzeit. Zu den Kosten äussert sich die Polizei nicht. Laut Werner Benz handelt es sich um ein «technisch verbessertes» Produkt: «Dieses erfüllt unsere Bedürfnisse besser und erlaubt die tiefe Tragart wieder.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.07.2010, 12:48 Uhr

Mit dieser Waffe passierten die Unfälle bei der Kantonspolizei: Heckler & Koch P30. (Bild: Heckler & Koch)

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