«Das Kind soll den Arztbesuch positiv in Erinnerung haben»

Die neue Notfallpraxis für Kinder beim Hauptbahnhof ist schweizweit einzigartig. Warum ausgerechnet Zürich ein solches Angebot braucht und weshalb Feng-Shui eine Rolle spielt, weiss Projektleiter Michael Meier.

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Herr Meier, warum wird ausgerechnet in Zürich eine Permanence für Kinder eröffnet?
Die Nachfrage nach Kinderärzten ist sehr gross. Nicht alle haben einen Hauspädiater. Abgesehen davon realisieren viele Eltern einen Notfall erst dann, wenn die Hausärzte ihre Praxen bereits geschlossen haben.

Warum gehen die Eltern gleich in die Notaufnahme?
Es ist oft mühsamer, per Telefon Hilfe zu suchen, als einfach in die Notaufnahme zu gehen. Abgesehen davon sind viele gewöhnt, mit ihrem kranken Kind sofort ins Spital zu gehen. Vor allem Leute, die neu in die Schweiz gezogen sind, denn im Ausland geht man meist so vor.

Sind Sie für die zahlreichen fremdsprachigen Patienten gewappnet?
Ja. Wir achten sehr darauf, dass die verschiedenen Sprachen in unserer Praxis abgedeckt werden. Allein der Chefpädiater spricht sechs Sprachen – darunter Ungarisch.

Welche Fälle können Sie in der neuen Praxis betreuen?
Einfache Not- und Bagatellfälle, die wir innerhalb von kurzer Zeit abklären und behandeln können. Jene Fälle also, in denen Eltern unsicher sind, wie schwer die Erkrankung tatsächlich ist. Sie wollen einfach nur ihr Kind einem Arzt zeigen, um Gewissheit zu bekommen, was los ist und was sie tun können. Durch unser Angebot müssen diese Eltern nicht mehr in die Notaufnahme eines Spitals und lange Wartezeiten auf sich nehmen.

Wie wollen Sie lange Wartezeiten vermeiden?
Wer Hilfe braucht, muss nicht gleich zu uns kommen und hier warten. Man kann auch anrufen und sich einen Termin geben lassen. Wir werden versuchen, unsere Wartezeit auf maximal 45 Minuten zu beschränken.

Auf welche Altersgruppe ist die Praxis ausgerichtet?
Wir können Kinder von 0 bis 14 Jahren betreuen. Der Chefpädiater hat Erfahrungen in der Neonatologie, also in der Versorgung von Frühgeborenen und erkrankten Neugeborenen. Das ist uns sehr wichtig, denn gerade bei Säuglingen ist die Unsicherheit der Eltern besonders gross und die Notfallärzte sind meist nicht auf solche Fälle spezialisiert.

Wie wird die Kinder-Permanence aussehen?
Die Behandlungszimmer werden unterschiedlich eingerichtet. 14-Jährige werden in einem anderen Raum behandelt als 4-Jährige. Ziel ist es, dass das Kind den Arztbesuch positiv in Erinnerung hat und nicht zusätzlich traumatisiert oder verängstigt wird. Das ist eine Herausforderung für die Architekten.

Was heisst das?
Es wird bei uns beispielsweise kein Wartezimmer im üblichen Sinn geben. Die Räume werden altersgerecht aufgeteilt und eingerichtet. Auch Feng-Shui-Aspekte fliessen in die Planung mit ein. Wir wollen die Kinder mit Aquarien und Spielsachen ablenken und sie mit stimmigen Licht- und Farbelementen beruhigen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Kinder-Permanence aufzubauen?
Die Idee entstand an einem Geburtstagsfest. Mein bester Freund, ein namhafter Pädiater, hat mir von seinen Erfahrungen im Kindernotfalldienst in Sydney erzählt. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wollte er weiterhin in diesem Bereich tätig sein. Ich habe meinerseits viel Erfahrung im Aufbau von Praxiszentren im zahnmedizinischen Bereich. Also haben wir uns zusammengetan und uns Gedanken über eine Permanence für Kinder gemacht. Jetzt, nach zwölf Monaten Planung und Aufbauarbeit, haben wir ein Team aufgestellt, die Verträge für die neuen Praxisräume stehen vor dem Abschluss und am 1. November wollen wir Eröffnung feiern.

…und sich damit eine goldene Nase verdienen.
Es wird sicher kein Verlustgeschäft. Aber es geht hier nicht ums Geldverdienen. Wir können mit unserem neuen Angebot Gutes tun für unsere Kinder. Das ist viel wichtiger. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.04.2011, 14:47 Uhr

«Bei uns wird es kein Wartezimmer im üblichen Sinn geben»: Projektleiter Michael Meier. (Bild: Tina Fassbind)

Dr. Michael Meier

Dr. Michael Meier hat sowohl in Medizin als auch in Zahnmedizin promoviert. Er ist Projektleiter und Teilhaber der neuen Kinder-Permanence. Der 39-Jährige lebt in Zürich.

Die Kinder-Permanence

Am 1. November 2011 wird in Zürich die erste Kinder-Permanence der Schweiz eröffnet. In der neuen Praxis können Patienten im Alter von 0 bis 14 Jahren medizinisch versorgt werden. In der Anfangsphase stehen pro Tag drei bis vier Pädiater von 11 Uhr bis 21 Uhr im Dienst – und das an 365 Tagen im Jahr. Behandelt werden einfache Not- und Bagatellfälle wie beispielsweise Husten, Durchfall, Fieber oder Erkältungen, aber auch leichte Unfälle mit Schrammen oder kleineren Verletzungen.

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