Das Plüschtier, das mehr kann

Der Augenaufschlag dieses Roboters lässt die Herzen der Senioren schmelzen. Die Plüschrobbe soll zudem des Nachts den Personalbestand des Alterszentrums in Effretikon reduzieren.

Ablenkung im Altersheim: Eine Roboter-Robbe im Einsatz.
Video: Reuters

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Paro sieht aus wie eine Robbe. Er hat schwarze Knopfaugen, borstige Barthaare und ein weisses, flauschiges Fell. Er fiepst und schnurrt, bewegt den Kopf und schaut einen treuherzig an. Doch Paro ist keine echte Robbe, sondern ein Roboter. Er stammt aus Japan und wird dort zur Beruhigung von Demenzkranken eingesetzt. Wenn es nach dem Willen der Geschäftsleiterin Margrit Lüscher geht, dann soll Paro seine Dienste möglichst rasch auch im Alterszentrum Bruggwiesen in Effretikon anbieten.

Die in Japan entwickelte Hightech-Robbe wird bereits in Deutschland zur Therapie von Demenzkranken verwendet. Lüscher sieht auch in der Schweiz Möglichkeiten für den umgerechnet gut 6000 Franken teuren Roboter. Sie würde diesen beispielsweise in der Nacht einsetzen, weil dann der Personalbestand reduziert ist: «Einen Menschen mit Demenz, der die Nacht zum Tag macht und auf den Gängen herumirrt, um eine Nachtschwester zu suchen, kann die Robbe Paro ablenken und beruhigen.»

Einsatz ist umstritten

Der Einsatz von Robotern wie Paro in der Pflege von Demenzkranken wird heftig diskutiert – und ist ebenso umstritten. Kritiker warnen, auf diese Weise teure menschliche Pflege durch billige maschinelle zu ersetzen und die Pflege damit insgesamt kälter und inhumaner zu machen. Auch Margrit Lüscher kennt diese Problematik gut und diskutiert sie intensiv mit ihren Mitarbeitenden. «Wir wollen damit weder Personal einsparen noch ein Haustier ersetzen, sondern die Pflege sinnvoll ergänzen.» Und sie ist optimistisch: «Immer mehr Mitarbeitende beginnen sich für die Idee zu erwärmen.»

Lüscher ist seit zwei Jahren Geschäftsleiterin in Effretikon. Vor einem Jahr fing sie damit an, die baulichen Veränderungen für den ersten Stock zu planen, auf dem heute 16 Menschen mit Demenz in 18 Zimmern leben. Ihr Credo lautet: «Diese Menschen sind nicht mehr in der Lage, sich ihrem Umfeld anzupassen, das Umfeld muss sich ihnen anpassen.» Die Herausforderung für das Personal besteht für Lüscher darin, individuell, flexibel und herzlich auf das Verhalten der Bewohner zu reagieren. «Wenn eine Frau das Essen immer ausspuckt, gilt es herauszufinden, warum sie das tut.»

Grosser Aufwand für die Pflege

Sie möchte einen Rundlaufgarten auf den beiden Terrassen installieren, wo sich die Bewohner sicher aufhalten können. Aber selbst wenn Paro zum Einsatz kommen sollte, ist ein menschenwürdiges Altern für Demenzkranke nicht ohne grossen Pflegeaufwand möglich. Für sie gelten – verglichen mit andern Bewohnern des Alterszentrums – erhöhte Betreuungskosten, pro Tag zusätzliche 75 Franken.

Erstellt: 17.04.2014, 07:12 Uhr

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