Das Recht gilt auch auf 870 m ü. M.

Auf Uto Kulm muss nicht jeder Baum geschützt sein. Doch kann niemand ernsthaft wollen, dass illegales Tun zum allgemeinen Geschäftsmodell erhoben wird.

Zur Eventlocation ausgebaut: Uto Kulm.

Zur Eventlocation ausgebaut: Uto Kulm. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry hat alle Rechtsmittel ausgereizt für seine illegal zu Sälen ausgebauten Terrassen. Seit Jahren haben alle Instanzen und Gerichte gegen ihn entschieden. Jetzt endlich hat die Sache ein Ende: Das Bundesgericht schützt den Abbruch­befehl der Standortgemeinde Stallikon. Fry muss aus den verglasten Wintergärten wieder offene Terrassen machen.

Das ist richtig. Der Rechtsstaat kann es nicht dulden, wenn ein vermögender Einzelner sich vor aller Augen um das geltende Recht foutiert. Auf bürgerlicher Seite wird Fry gern zum initiativen Unternehmer stilisiert, den kleinkarierte Beamte behindern. Doch kann niemand ernsthaft wollen, dass illegales Tun zum allgemeinen Geschäftsmodell erhoben wird. Rechtsgleichheit ist ein Fundament unserer Gesellschaft. Deshalb ist es auch so stossend, dass erst der private Verein Pro Uetliberg aktiv werden musste, bis die Behörden auf Uto Kulm zum Rechten schauten.

Ein Platz auf der Terrasse für Wanderer

Der Abbruch der Verglasungen und Dächer bedeutet für Wanderer und Ausflügler, dass sie wieder mit einem Platz auf der Terrasse rechnen können und nicht wie bisher zuschauen müssen, wie dort für die abendlichen Bankette aufgetischt wird. Fry hat aus dem Uetliberggipfel eine Seminar- und Eventlocation gemacht, wie sie dort zwangsläufig in Konflikt geraten muss mit den öffentlichen Interessen: Aussichtspunkt und Schutz des Landschaftsbildes. Dass ihm der Umsatz schrumpft ohne die Wintergärten, war sein unternehmerisches Risiko, mit dem er lange gut gelebt hat.

Seinem Geschäftssinn ist es aber auch zuzutrauen, dass auf Uto Kulm weiterhin gut gewirtet wird. Vom Kanton darf erwartet werden, dass er endlich einen Gestaltungsplan für den Uetligipfel vorlegt, der die öffentlichen und die unternehmerischen Interessen unter einen Turm bringt. Auf Uto Kulm muss nicht jeder Baum geschützt sein. Uto Kulm ist ein Aussichtspunkt, und der darf belebt sein. Aber es müssen dort keine Autos hin und schon gar keine Helikopter, wie es sich die Eventlocation für rauschende Hochzeiten vorstellt. Auch wenn das Gipfelplateau Privatbesitz ist, darf die Öffentlichkeit von einem Hotelier an einem so privilegierten Ort erwarten, dass er nicht nur seine Profitmaximierung im Sinn hat, sondern einen Berg für alle, auf dem alles mit rechten Dingen zugeht.

Erstellt: 21.06.2014, 07:43 Uhr

Jürg Rohrer

Redaktor Ressort Zürich

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