Hintergrund

Das Zürichseewasser ist sogar für Iron-Männer zu kalt

Das schlechte Wetter macht dem Triathlon in Rapperswil einen Strich durch die Rechnung. Die Organisatoren überlegen, die Schwimmstrecke zu streichen. Doch die Athleten laufen Sturm.

Trotz Neoprenanzug kein Vergnügen: Der Ironman-Start im kalten Zürichseewasser. Bild vom Anlass 2012.

Trotz Neoprenanzug kein Vergnügen: Der Ironman-Start im kalten Zürichseewasser. Bild vom Anlass 2012. Bild: BK Sportpromotion/Roli Kaesbohrer

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2300 Triathleten aus der ganzen Welt verfolgen derzeit gespannt die Wassertemperatur im Obersee beim Rapperswiler Lido. Elf Grad betrug sie am Wochenende, inzwischen ist sie auf wenig über zwölf Grad gestiegen – immer noch zu wenig, um die 1,9 Kilometer des Ironman 70.3 Switzerland 2013 für alle Athleten sicher durchzuführen, sagt Rennleiter Nico Aeschimann. Obwohl der Triathlon nur über die halbe Ironman-Distanz geht (1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Velofahren, 21 Kilometer Laufen). Auch den härtesten Ironmen und -women drohen bei kalten Wasser- und Lufttemperaturen Atemnot und erhöhtes Krampfrisiko.

Kommt dazu: Die Wetterprognose für das Wochenende ist miserabel. Die Organisatoren überlegen sich deshalb, das Schwimmen dieses Jahr mit einer zweiten Laufstrecke zu ersetzen oder auf 1000 oder 1500 Meter zu kürzen. Doch diese Pläne empören Teilnehmer auf der ganzen Welt.

«Weichwurst oder Ironman?»

Ein deutscher Athlet aus Troisdorf bei Bonn macht seinem Ärger mit markigen Worten Luft: «Ich reise echt nicht 650 Kilometer an für Leute, die nicht im kühlen Wasser schwimmen wollen. Weichwurst oder Ironman?», kommentiert er auf der Facebook-Seite der Veranstalter. Ein Teilnehmer aus Barcelona fordert gar sein Geld zurück: «Eine Rückerstattung sollte in Betracht gezogen werden. Ich fliege von Barcelona (mit allen logistischen Strapazen, die das mit sich bringt).»

Athleten vor Ort geben Tipps: «War an Pfingsten 30 Minuten mit Neopren im Obersee, knapp 14 Grad, klamme Finger, zitter, zitter. Am Montag zwei Minuten ohne Neo, geht eigentlich fast besser!» Und sie geben an: «Training im Zürichsee heute Morgen, das Wasser war zwölf Grad warm... kalt, aber erträglich... bin zuversichtlich für Sonntag», so eine Teilnehmerin.

Vereinzelt gibt es aber auch mässigende Stimmen: «Es geht hier auch um die Sicherheit der Athleten... bitte nicht vergessen ...», schreibt einer. Der deutsche Athlet fordert deshalb: «Abstimmung aller Athleten vor Ort, Tri- oder Duathlon. Ganz einfach.» «Bitte mit Schwimmen!!! Starten ist halt auf eigenes Risiko...», fordert eine andere Teilnehmerin.

«Schwimmer fürchten um ihre Chance»

Mögen die Kommentare noch so egoistisch und borniert anmuten – Rennleiter Aeschimann hat Verständnis für die emotionsgeladene Diskussion. «Sie ist auch ein gutes Zeichen. Die Teilnehmer brennen darauf, in Rapperswil zu starten.» Viele Teilnehmer hätten monatelang darauf trainiert. «Wer ein guter Schwimmer ist und beim Velofahren und Rennen weniger gut, fühlt sich nun um seine Chance gebracht.»

«Wir wollen unseren Teilnehmern die Originalstrecke anbieten», sagt der Rennleiter. «Aber nur, wenn die Sicherheit aller Athleten gewährleistet ist.» Auch wenn viele Schwimmer zwölf Grad Wassertemperatur im Neoprenanzug für ein paar Minuten als erträglich einstuften: «Die meisten Athleten sind Amateure, die auch die halbe Strecke nicht in zehn Minuten schwimmen.» Für die 1,9 Kilometer brauchte die Schweizer Olympiasiegerin Nicola Spirig im vergangenen Jahr knapp 25 Minuten, der deutsche Triathlonstar Michael Raelert 22,5. «Ich will mir gar nicht vorstellen, was passieren könnte», sagt Aeschimann. Er beobachtet den Einfluss des Wetters auf die Luft- und Wassertemperatur deshalb genau. Als Grundlage für den Entscheid dienen die offiziellen Richtlinien des Welttriathlonverbandes. Aeschimann will spätestens am Donnerstagmorgen entscheiden.

Nur ein «Aluminium-Man»?

Egal wie und ob das Schwimmen durchgeführt wird: Für die 30 Teilnehmer auf den Weltmeisterschaftsplätzen gibts am Rapperswiler Ironman 70.3 das gleiche Preisgeld und die gleiche Anzahl WM-Punkte zu gewinnen. Mit seinen gesamthaft 70,3 Meilen geniesst es als einziges Rennen neben dem Ironman das offizielle Ironman-Siegel. Auch wenn es nur über die Hälfte der Strecke führt und nun, möglicherweise um weitere 1,9 Kilometer Schwimmstrecke gekürzt, in den Kommentaren scherzhaft «Aluminium-Man» genannt wird. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.05.2013, 13:10 Uhr

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