«Das ist kein Unternehmen, bei dem man kündigen kann»

Ein Mitglied der Pink-Panther-Bande ist vom Bezirksgericht Zürich wegen neun Raubüberfällen auf Juweliergeschäfte zu 14 Jahren verurteilt worden.

Der Angeklagte soll an zehn Überfällen beteiligt gewesen sein. Video: Tamedia/Stadtpolizei Zürich/SRF

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Die Sicherheitsvorkehrungen am Mittwoch während des Prozesses vor dem Bezirksgericht Zürich waren gross. Vor dem Eingang standen zwei bewaffnete Polizeibeamte in Vollmontur. Die Besucher mussten eine Sicherheitsschleuse passieren und wurden durchsucht, im Gerichtssaal waren mehrere Polizeibeamte. Der Beschuldigte, ein 37-jähriger Serbe, erscheint mit Fussfesseln vor dem Richter, was für Zürcher Verhältnisse aussergewöhnlich ist.

Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gerichtsgebäude: Das Bezirksgericht Zürich am Tag des Pink-Panther-Prozesses. (Bild: Stefan Hohler)

Aussergewöhnlich waren auch die Delikte des geständigen Beschuldigten: Er war an neun Raubüberfällen auf Bijouterien und Juweliergeschäfte in der Schweiz, Deutschland und Österreich beteiligt. Innerhalb von acht Jahren soll er mit seinen Komplizen 880 Uhren und über tausend Schmuckstücke erbeutet haben, wie Staatsanwalt Roland Wolter am Prozess sagt.

Ihm sei in seiner langjährigen Arbeit kein vergleichbarer Fall bekannt. Die Beute hatte einen Verkaufswert von rund 20 Millionen Franken. Allein bei den drei Überfällen auf die Traditionsgeschäfte Türler, Gübelin und Harry Hofmann in der Zürcher Innenstadt belaufe er sich auf über 15 Millionen Franken.

Staatsanwalt verlangt 16 Jahre

Wolter verlangte für den in der Schweiz, Serbien und Holland wegen Drogen vorbestraften Mann eine Freiheitsstrafe von 16 Jahren. Es handle sich bei der Räuberbande, welche in den Medien verharmlosend als Pink Panther beschrieben werde, um eine eigentlich kriminelle Organisation, die äusserst professionell und rücksichtslos agiere. Die Straftaten seien akribisch geplant gewesen.

Bilder – Überfall auf Zürcher Juweliergeschäft

Wolter erwähnte neben dem finanziellen Verlust auch die vielen Angestellten der beraubten Geschäfte, welche unter den Folgen der Überfälle psychisch stark gelitten hätten und immer noch leiden würden. Weiter sagte der Staatsanwalt, dass es einzig dem Zufall zu verdanken sei, dass bei den teilweise halsbrecherischen Fluchtfahrten niemand überfahren wurde.

Zweifacher Familienvater aus Belgrad

Der Beschuldigte zeigte sich geständig. Der gepflegte und äusserst höflich auftretende zweifache Familienvater aus Belgrad sagte, dass er mit dem ersten Raub Schulden tilgen wollte. Auf die Frage des Richters, warum er danach weitergemacht habe, sagte er: «Das ist kein Unternehmen, bei dem man kündigen kann.» Er sei nicht mehr gefragt worden, sondern man habe Druck auf ihn und seine Familie ausgeübt. Dies ist auch der Grund, warum er über die Hintermänner und Komplizen nichts sagen will.

Verteidiger Ivo Harb forderte eine Strafe von lediglich 10 Jahren. Der Strafantrag des Staatsanwaltes erinnere ihn an amerikanische Zustände. Sein Mandant sei innerhalb der Gruppierung auf der untersten Hierarchiestufe gestanden und sei als «Kanonenfutter» verwendet worden. Dies habe sich darin gezeigt, dass der 37-Jährige teilweise unmaskiert an den Raubüberfällen mitgemacht habe. Es sei nur Zufall, dass er erst so spät gefasst worden sei. Auch habe der Beschuldigte ein Minimum an Gewalt angewendet, ein Schuss sei nie gefallen, sagte Harb.

Geständnis reduzierte die Strafe

Das Gericht verurteilte den Mann wegen mehrfachen bandenmässigen und besonders gefährlichen Raubes und weiterer Delikte zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Jahren. Das Gericht war überzeugt, dass bei den Überfällen echte Waffen eingesetzt wurden. Das Verschulden des Beschuldigten wiege schwer. Er habe über eine lange Zeit viele Überfälle mit sehr hoher Deliktssumme ausgeübt. Der Richter sprach von einem skrupellosen und kaltblütigem Verhalten. Dass die Strafe nicht noch höher ausgefallen war, sei dem Geständnis und eine gewisse Einsicht und Reue des Beschuldigten zu verdanken.

Erstellt: 29.08.2018, 16:10 Uhr

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