Das lange Warten am Zürichhorn

Der Neubau des Restaurants Fischerstube kommt wegen der umstrittenen Terrasse nicht vom Fleck – jetzt wird die Zwischennutzung verlängert.

Heiss begehrt: Bei schönem Wetter drängen alle auf die Seeterrasse der Fischstube, doch der Neubau soll keine mehr haben.

Heiss begehrt: Bei schönem Wetter drängen alle auf die Seeterrasse der Fischstube, doch der Neubau soll keine mehr haben. Bild: Esther Michel

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Frühling 2013 sollte die neue Fischerstube eröffnet werden – so stellte es die Stadt vor zwei Jahren in Aussicht. Doch der Neubau wird frühestens 2015 bereitstehen. Jedenfalls hat die städtische Liegenschaftenverwaltung den Vertrag für die Zwischennutzung mit den Gastronomen Erik Haemmerli, Mike Gut und Marco Pfoster bereits bis Herbst 2013 verlängert.

Im Neubauprojekt steckte von Anfang an der Wurm drin, platziert von der Denkmalpflege. Der Neubau sollte keine Terrasse zuvorderst auf der Seeseite haben, sondern nur eine an der Seite des Restaurants, wie es 1939 bei der ursprünglichen Fischstube der Fall war. Doch das Haus mit dem Strohdach brannte Ende 1956 vollständig nieder; der Nachbau aus dem folgenden Jahr, der heute noch steht, erhielt eine Seeterrasse – und seither haben alle Gäste der Fischstube nur das eine im Sinn: einen Platz auf der Seeterrasse.

«An schönen Tagen kriegen wir die Terrasse dreimal voll», sagt Wirt Haemmerli. Diese Terrasse mit der grandiosen Aussicht über das ganze Seebecken und in die Berge hinein sei die grösste Attraktion und der eigentliche Reiz des Restaurants, schrieb der Quartierverein Riesbach, adressiert an den Vorsteher des Hochbaudepartementes, André Odermatt. Darin beklagte sich Präsident Urs Frey, dass der Quartierverein in dieser Sache nie angehört worden sei.

«Architektonisch undenkbar»

Doch der Stadtrat hat sich schon früher festgelegt: «Aus denkmalpflegerischer Sicht ist ein Ersatzneubau der Fischerstube nur vertretbar, wenn er sich am Originalbau von 1939 orientiert. Dieser wies keine Terrasse an der Stirnseite auf. Es handelte sich um einen speziellen Bautyp in Form eines urgeschichtlichen Pfahlbauernhauses, vermischt mit Elementen eines mittelalterlichen Bauernhauses. Beiden Typen ist ein Balkon in dieser Form fremd. Eine stirnseitige Terrasse würde als angehängtes Element in Erscheinung treten und das in sich klare Volumen des Neubaus unhaltbar verunklären. Da der Gastraum künftig auch in der kühleren Jahreszeit benutzt wird, würde der Blick aufs Wasser verstellt. Eine Tieferlegung der Terrasse, wie dies heute der Fall ist, ist aus architektonischen Gründen undenkbar. Der Stadtrat vertritt die Auffassung, dass mit der seitlichen Terrasse zwischen Fischerstube und Fischerhütte sowie der grossen Gartenwirtschaft direkt an der Ufermauer ausreichend Bezug zum Wasser hergestellt wird.»

Doch überzeugten diese gastrofernen Ausführungen die Finanzkommission des Gemeinderates nicht. Sie sistierte ihre Beratung und verlangte von der Verwaltung ein Projekt mit Seeterrasse, gestützt auf ein einstimmig überwiesenes Postulat der ehemaligen Partei für Zürich. Seither wartet die Finanzkommission auf das überarbeitete Projekt; es war zuerst auf Ende 2011 angekündigt worden, dann auf Juni 2012. Und solange das Parlament nicht informiert ist, erfährt die Öffentlichkeit nicht, ob das Hochbauamt nun eine Seeterrasse bauen will oder nicht.

Der Kanton will viel mehr Geld

Verlangsamend kommt hinzu, dass Stadt und Kanton seit Monaten über Geld verhandeln. Dem Kanton gehört das Seeufer; für die Nutzung verlangt er eine Konzessionsgebühr, die sich nach dem Landwert und der Grösse der beanspruchten Fläche bemisst und die von Zeit zu Zeit der Teuerung und den veränderten Landwerten angepasst wird. Die Stadt ist von 74 000 Franken ausgegangen, doch der Kanton will deutlich mehr. Wie viel, verrät die Baudirektion nicht. Doch gibt es einen ähnlichen Fall: Beim Globus-Provisorium wollte der Kanton die Gebühr verdreifachen von rund 50 000 auf 170 000 Franken. Das focht die Stadt an und erhielt vom Bundesgericht recht. Der Kanton muss eine neue Rechnung vorlegen, die sich auf «ernsthafte, sachliche Gründe» stützt.

FDP-Gemeinderat Severin Pflüger, der Präsident der Finanzkommission, rechnet damit, dass die Verwaltung im Herbst endlich fertig sein wird und die Fischerstube im September oder Oktober neu beraten werden kann. Rund zwölf Millionen Franken kostet der Neubau. Derweil Wirt Haemmerli in der alten Fischstube frohlockt: «Wir sind happy, der Betrieb läuft traumhaft.» Er hänge 2013 noch so gern eine weitere Zwischensaison an. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.07.2012, 10:09 Uhr

Artikel zum Thema

Neue Fischerstube am Zürichhorn hat schon wieder Verspätung

Das Zürcher Stadtparlament will eine zusätzliche Terrasse. Und der Kanton verlangt eine höhere Gebühr. Mehr...

2,2 Millionen für neue Fischerstube am Zürichhorn

Der Zürcher Stadtrat beantragt dem Gemeinderat einen Kredit von 2,2 Millionen Franken für die Ausarbeitung eines Bauprojektes für einen Neubau des Restaurants Fischerstube am Zürichhorn. Mehr...

Geheimnis der Fischerstube gelüftet

Fischerstube hiess das Restaurant im Landidörfli 1939, behauptet die Stadt. Falsch, entgegnen TA-Leser, es hiess Fischstube. Wer hat Recht? Beide. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Grösste Wallfahrt der Welt: Eine Frau ruht sich während der jährlichen Pilgerfahrt zu Ehren der Jungfrau von Guadalupe in Mexico City aus. (11. Dezember 2018)
(Bild: Carlos Jasso) Mehr...