Das volle Leben der Grosseltern

Am Freitag erscheint ein Magazin, das garantiert jugendfrei ist: Es behandelt ausschliesslich Themen, die sich um Omas, Opas und ihre Enkelkinder drehen. Dahinter steht ein Dreierteam.

Eltern, die über Grosseltern schreiben: Dominik Achermann, Melanie Borter und Georg Gindely (v. l.). Foto: Doris Fanconi

Eltern, die über Grosseltern schreiben: Dominik Achermann, Melanie Borter und Georg Gindely (v. l.). Foto: Doris Fanconi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es sieht «wie echt» aus. Das war der erste Gedanke, der Melanie Borter durch den Kopf ging, als sie am vergangenen Freitag den Vorabdruck des «Grosseltern»-Magazins in den Händen hielt. Immer wieder nimmt sie ihn in die Hand, biegt ihn, blättert, legt ihn wieder vor sich auf den Tisch. «Wirklich, wie echt.» Melanie Borter hat bis vor kurzem in einer Kommunikationsfirma und bei der Genossenschaft Trudelhaus gearbeitet und diese guten Jobs für ein Abenteuer aufgegeben. Genauso wie Georg Gindely, bis vor einigen Monaten Journalist beim «Tages-Anzeiger».

Seit März arbeiten sie an einem Produkt, von dem sie nicht wissen, ob es überhaupt gefragt ist. Ein Magazin über das Leben mit Enkelkindern. Gindely ist die Nervosität anzusehen. «Wie wird es wohl aufgenommen?» Es sei fast ein bisschen, als ob man ein eigenes Kind in die Welt hinaus entlasse.

Die beiden sind dem Charme einer Idee erlegen, die ihrem Kollegen Dominik Achermann vor sieben Jahren während seiner Ausbildung zum Medienmanager durch den Kopf ging. Er sollte übungshalber ein Konzept für eine «Special-Interest»-Publikation aufzeigen. Er hatte eben einen Sohn bekommen und war berührt von den Emotionen, die der Kleine bei dessen Grosseltern weckte. «Zu diesem positiven Gefühl des Älterwerdens müsste man eine Zeitschrift machen», dachte er.

Das volle Leben der Grosseltern

Sieben Jahre später hat er diese Idee umgesetzt. Er hat Geld aufgetrieben – «eine tiefe sechsstellige Summe». Und er hat Mitarbeitende gesucht und gefunden, die an ihn und das Projekt glauben. Die Redaktion und der Verlag sind in einem Haus beim Bahnhof Baden untergebracht, das demnächst einer neuen Busspur weichen muss. Die beiden Räume sind spartanisch eingerichtet, den Espresso gibt es aus dem Wasserglas. Alles wirkt etwas improvisiert und provisorisch – ausser dem Magazin selbst: 84 Seiten, guter Druck, frisches Layout, professionell fotografiert, lebendig getextet. «Heutige Grosseltern stehen mitten im Leben», sagt Chefredaktor Gindely.

Und dieses volle Leben bildet den Inhalt des Magazins: Hintergründiges zu Generationenspielplätzen oder zu den legendären Pixi-Büchern. Unumgängliches wie Ausflug- und Kinderbuchtipps. Daneben aber auch Verständigungshilfen für Teenie-Sprache, die Baustelle des Monats, wo Grossvater den Enkeln die tollsten Bagger zeigen kann. Oder was ist eigentlich ein Furby? Der Grundton ist heiter, doch nie anbiedernd. Und auch ernste Themen werden nicht ausgeblendet: Wie eine Grossmutter die Krankheit und den Tod ihres Enkels verarbeitet. Ein echtes Magazin eben.

Welches Bild hätten Sie gern?

Die Titelgeschichte erzählt mit starken Bildern die Geschichte von Grosseltern, die mit der Familie ihres Sohns jeweils den Sommer auf einer Alp verbringen. Die Wahl des Titelbildes erzählt exemplarisch, wie das Team tickt: Drei Vorschläge lagen als Fahnen vor, Dominik Achermann hatte einen klaren Favoriten, doch ging er mit den Ausdrucken ins Warenhaus nebenan und sprach spontan Leute an: «Sie sehen wie Grosseltern aus. Darf ich Sie um Ihre Meinung bitten?» Nicht ein einziges Mal gefiel den Angesprochenen sein Lieblingstitelbild am besten. Und das Resultat der Umfrage war so eindeutig wie verzwickt: Alle Grossväter zeigten auf das Bild mit dem Grossvater, der mit den Enkeln in einem Bergsee Steine schiefert, alle Grossmütter auf dasjenige, auf dem die ganze Familie samt Hund am Spazieren sind. Welche Fraktion sich durchgesetzt hat, zeigt sich am kommenden Freitag, wenn das Magazin in den Verkauf kommt.

Die beiden festangestellten Redaktoren Gindely und Borter werden von einem Kreis freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt – einige davon im Grosselternalter. So etwa der ehemalige Medienredaktor des «Tages-Anzeigers», Rolf Käppeli, der in einer fixen Kolumne Briefe an seine Enkelin schreibt. Oder die einstige «Spick»-Redaktorin Liz Sutter und die Psychologin Elisabeth Schlumpf, die hilft, wenn der kleine Liebling die Oma einmal nervt – was vorkommen soll. Im Serviceteil sind manche Rubriken in Zusammenarbeit mit Sponsoringpartnern erarbeitet worden.

«Die Zeit ist reif»

«Alle fanden die Idee, ein Magazin für Grosseltern zu machen, spontan super», sagt Gindely. Umso erstaunlicher sei, dass es ein vergleichbares Produkt im deutschsprachigen Raum noch nicht gebe. «Die Zeit ist aber reif dafür», ist Achermann überzeugt. Deshalb hat er bei vielen Werbern und Sponsoren gar nicht erst Klinken putzen müssen, sondern gleich offene Türen eingerannt. Sein Ziel ist es, innert eines Jahres 3000 bis 4000 Abonnenten gefunden zu haben. «Einen sehr langen Schnauf haben wir aus finanziellen Gründen nicht», gibt er zu bedenken.

Da ist es beruhigend, dass schon mehr als 300 Abos gelöst wurden, bevor die erste Ausgabe erschienen ist. Oft von Eltern, die es ihren Eltern schenken, weil sie ihre Enkel hüten. «Bedenkt man, dass in der Schweiz jedes zweite kleine Kind regelmässig von den Grosseltern betreut wird, haben wir ein grosses Wachstumspotenzial», sagt Dominik Achermann optimistisch. Gindely wird bei diesen Worten immer zappliger. «Das heisst aber auch, dass wir es voll auf unsere Kappe nehmen müssen, wenn wir nicht gut ankommen.»

«Grosseltern»-Magazin, Einzelnummer 9.50 Fr., Jahresabo (10 Ausgaben) 85 Fr. www.grosseltern-magazin.ch

Erstellt: 27.08.2014, 03:02 Uhr

Artikel zum Thema

Was Grosseltern müssen

Mamablog Mamablog Statt Windeln wechseln sie lieber Ferienorte. Was, wenn Grosseltern sich nicht so verhalten, wie sie doch eigentlich sollten? Zum Blog

Ohne Grossmama oder Grosspapa geht nichts

Blog Mamablog Grosseltern stecken Millionen von Stunden in die Betreuung ihrer Enkel. Gratis. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Eine Carte Blanche von Pasqualina Perrig-Chiello. Zum Blog

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

Genuss und Freude schenken

Schenken Sie Ihren Freunden Hochgenuss in Form eines FINE TO DINE Gutscheins für über 130 Schweizer Restaurants.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feueralarm: Ein Lufttanker lässt Flammschutzmittel auf die Brände in den Gospers Mountains in New South Wales fallen. Durch die hohen Temperaturen und starke Winde ist in Australien die Gefahr von Buschfeuer momentan allgegenwärtig. (15. November 2019)
(Bild: Dean Lewins) Mehr...