Interview

«Das war naiv»

Die Debatte über ihre Entschädigung für das Präsidium der Aids-Hilfe greift für Doris Fiala (FDP) zu kurz. Sie kritisiert den Vorstand und erklärt, warum sie mit einem Parteikollegen wie Otto Ineichen keine Feinde mehr braucht.

Stellt ihren Posten als Präsidentin der Aids-Hilfe Schweiz zur Verfügung, wenn ihn jemand mit den gleichen Qualifikationen im Ehrenamt übernimmt: Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala.

Stellt ihren Posten als Präsidentin der Aids-Hilfe Schweiz zur Verfügung, wenn ihn jemand mit den gleichen Qualifikationen im Ehrenamt übernimmt: Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala. Bild: Keystone

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Ihre Entschädigung von 50'000 Franken wird von vielen Seiten als zu hoch kritisiert. Verstehen Sie das?
Die Empörung vieler Leute ist entstanden, weil sie vielleicht nur einen Titel gelesen haben und die Hintergründe nicht kennen. Die Mitgliederversammlung der Aids-Hilfe hat am 21. Januar einen Paradigmenwechsel beschlossen. Es wurde entschieden, das Präsidium zu professionalisieren. Es gab lange Diskussionen darüber, auch über die Entschädigung. Das passierte nicht heimlich und es ist alles rechtens. Die Aids-Hilfe hat eine Krisenmanagerin gesucht, die das finanzielle Steuer herumreissen soll. Das Präsidium ist nun nicht mehr etwas, das man nebenbei machen kann, sondern ein anspruchsvoller Job.

Sie werden aber nicht nur von Lesern kritisiert, die vielleicht nur den Titel gelesen und dann kurzerhand einen Kommentar geschrieben haben.
Wir hätten am Tag, als der Paradigmenwechsel beschlossen wurde, den neuen Kurs viel offensiver kommunizieren und alles noch transparenter darstellen müssen. Ich bedaure ausserordentlich, mich in diesem Punkt im Vorstand nicht durchgesetzt zu haben. Es wäre umsichtiger gewesen, an der Medienkonferenz meine Entschädigung zu veröffentlichen. Sie war ja nie geheim und bei 61 Personen, die an der Mitgliederversammlung waren, musste man eigentlich davon ausgehen, dass es bekannt wird. Für die Aids-Hilfe tut es mir wahnsinnig leid, dass sie nun derart in der Kritik steht.

Sogar die FDP-nahe NZZ schreibt, Sie hätten das Portemonnaie zu nah am Herzen.
Wenn ich nur ans Geld denken würde, müsste ich VR-Mandate anstreben und nicht das Krisenmanagement für eine Non-Profit-Organisation übernehmen.

Die ZEWO kritisiert die 50'000 Franken als sehr hoch und droht damit, der Aids-Hilfe die Zertifizierung zu entziehen, wenn sie nicht gut begründet werden kann. Wie beurteilen Sie die Rolle der Zewo?
Es hat mich sehr stutzig gemacht, dass die Zewo sagte, als Präsidentin solle ich kein Fundraising betreiben. Die Aids-Hilfe hat seit 2005 vom Bundesamt für Gesundheit 55 Prozent weniger Mittel erhalten. Die Spenden sind ebenfalls zurückgegangen. In einer solchen Krisensituation ist das Fundraising Chefsache. Damit steigen die Chancen, potenzielle Geldgeber für Spenden zu gewinnen. Das gelang mir auch. In den ersten drei Wochen hat die Wirtschaft bereits 150'000 Franken in Aussicht gestellt.

Die Aids-Hilfe riskiert, das Zewo-Zertifikat zu verlieren.
Darüber wurde auch an der Mitgliederversammlung debattiert. Die Aids-Hilfe ist seit Jahren zertifiziert. Sie hat sich in einer Güterabwägung für eine Professionalisierung entschieden – auch wenn dies dazu führen könnte, die Zertifizierung zu verlieren. Die Mitgliederversammlung hatte offenbar keine Angst davor und ist der Überzeugung, dass sich die Entschädigung auch für die Zewo rechtfertigt.

Das heisst, Sie werden als eingesetzter Profi die 100 Stunden unentgeltlicher Arbeit nicht leisten, die laut Zewo-Regeln vorgeschrieben sind?
Doch. Das ist im Pflichtenheft enthalten. Bereits bevor ich wusste, ob ich gewählt würde, leistete ich unentgeltlich viele Stunden. Und im ersten Monat bin ich auf über 100 Stunden gekommen.

Zahlreiche Leser künden an, ihre Spendenzahlungen einzustellen. Wie schätzen Sie das ein?
Das ist eine ernste Situation. Ich bin es gewohnt, in der Öffentlichkeit kritisiert zu werden und Schläge einstecken zu müssen. Aber es bedrückt mich enorm, dass die Aids-Hilfe Gefahr läuft, darunter zu leiden. So wie der Artikel im «Tages-Anzeiger» aufgemacht war, waren viele Leute entsetzt. Wie gesagt: Ich bedaure, dass der Paradigmenwechsel nicht offensiver kommuniziert wurde. Das war naiv. Neben all der Kritik gibt es aber auch gegenteilige Meinungen. Ich erhielt sehr viel Unterstützung und positive E-Mails, die Aids-Hilfe steht hinter mir. Viele Nationalratskollegen unterstützen mich. Eine Ausnahme ist FDP-Kollege Otto Ineichen, der mich via Medien kritisierte. Wenn man solche Parteikollegen hat, braucht man keine Feinde mehr.

Sehen Sie einen Nutzen in der Diskussion?
Vielleicht stösst die Aufregung eine wichtige Debatte an: Was man in einem Ehrenamt leisten kann und wo eine Professionalisierung einsetzen muss.

Werden Sie oder die Aids-Hilfe nach diesem Sturm der Entrüstung etwas ändern?
Das Allerwichtigste ist, dass wir mit dem Fundraising Erfolg haben. Diese Arbeit führe ich mit vollem Engagement weiter. An der nächsten Generalversammlung im Juni wird meine Leistung angeschaut. Wenn man damit nicht zufrieden ist oder sich jemand zur Verfügung stellt, der den Job gleich gut oder besser und auch noch ehrenamtlich ausführt, dann mache ich selbstverständlich Platz.

Wie lange wollen Sie für die Aids-Hilfe arbeiten?
Ich bin für zwei Jahre gewählt. In dieser Zeit muss die Aids-Hilfe das Ruder herumreissen, sonst sieht es sehr düster aus. Am Schluss des Tages zählt nur, ob ich meine Leistung bringe oder nicht. Meine Entschädigung ist übrigens kein Lohn, auf den AHV- und andere Beiträge hinzukommen. Gemessen an der Gesamtlohnsumme der Aids-Hilfe macht der Betrag 1,4 Prozent aus.

Erstellt: 02.03.2012, 13:55 Uhr

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