Das waren Zürichs kurioseste Polizeieinsätze

Die Ordnungshüter in der Region leisteten dieses Jahr so manch skurrilen Einsatz – zum Beispiel wegen eines vermeintlichen Jungschwans.

Illustration: Ruedi Widmer

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Der kleine grosse Tiefschläfer

Plötzlich fand sich die Mutter eines Elfjährigen ausgesperrt. Ihr Sohn war allein zu Hause; als sie zurückkam, öffnete der Knabe die Wohnungstür allerdings nicht, auch unzählige Telefonanrufe blieben unbeantwortet. In der Verzweiflung alarmierte die Frau die Kantonspolizei Zürich, welche wiederum die Feuerwehr aufbot. Diese gelangte dank einer Drehleiter an das Zimmerfenster, wo der Elfjährige tief und fest schlief. Die Feuerwehrmänner klopften so lange an die Scheibe, bis der Knabe endlich aufwachte und wohlauf (aber vermutlich noch etwas verträumt) die Tür öffnete.

Verdächtige beim Friedhof

Ein verdächtiges Auto mit deutschem Kennzeichen und drei Personen, die mit Taschenlampen bei einem Friedhof im Zürcher Unterland umherstreiften, verunsicherten einen Mann. Dieser rief die Polizei. Vor Ort trafen die Polizisten aber nicht auf Kriminaltouristen, wie vom Anrufer vermutet, sondern auf die Besitzer einer Rassekatze, die ausgerissen war und nach der sie verzweifelt suchten.

Mysteriöse Morsezeichen

Andere Lichter provozierten in Dietikon einen Einsatz der Kantonspolizei. Mysteriöse Morsezeichen in der Dunkelheit, meldete diesmal ein besorgter Bürger. Des Rätsels Lösung: die Nachtbeleuchtung auf dem Vorplatz eines Hauses, die in unregelmässigen Abständen flackerte.

Der verhängnisvolle Schreibfehler

Gleich neben Dietikon, ennet der Kantonsgrenze in Spreitenbach, erwischte die Polizei ein Räuberpaar, bei dem der Titel «Dümmer als die Polizei erlaubt» wörtlich zu nehmen ist. Die beiden sitzen wegen eines Schreibfehlers nun im Gefängnis. Eine 39-jährige Deutsche und ihr 59-jähriger Landsmann hatten Anfang Juli in Basel eine Escort-Frau in ihrem Zimmer mit einer Pistole überfallen und sie um 11’000 Franken erleichtert. Drei Wochen später wollten sie einen solchen Raub in Spreitenbach wiederholen. Wieder buchten sie per SMS beim selben Escort-Service einen «Dreier» – zwei Stunden, 600 Franken. Das Räuberpaar wählte aber nicht nur die gleiche Strategie, es beging auch den gleichen Fehler. Die beiden fragten, ob die Escort-Frau privat arbeite, denn sie würden «keine Sex-‹Clups› mögen» wie schon zuvor in Basel. Die falsche Schreibweise fiel der aufmerksamen Telefonistin beim Escort-Service auf, und die Polizei wurde alarmiert, welche das Paar beim geplanten «Dreier» in Spreitenbach verhaftete.

Das fehlende Auto

Plötzlich herrschte Aufregung bei einem Garagisten im Grossraum Zürich. Das Auto eines Kunden war weg und er sich sicher, dass es geklaut wurde. Er meldete den Diebstahl der Polizei, diese leitete umgehend eine Fahndung ein. Erfolgreich. Innert kurzer Zeit konnte sie den Wagen finden. Am Steuer: ein anderer Kunde des Garagisten. Der vermeintliche Diebstahl war nur eine Verwechslung. Der Lenker hatte statt des für ihn bereitgestellten Ersatzwagens irrtümlich die parat liegenden Schlüssel eines anderen Kunden genommen und war mit dessen Auto weggefahren.

Der diebische Held

Diese Geschichte endete mit einem unerwarteten Happy End. Alles begann an der Zürcher Langstrasse, wo ein Mann einen Polizisten tätlich angriff und daraufhin die Flucht ergriff. Der Beamte eilte dem Schläger nach und bekam unverhofft Hilfe während der Verfolgungsjagd. Ein unbeteiligter Passant gab ihm sein Velo. Der Polizist schwang sich auf das Fahrrad und rief dem Helfenden zu, er könne es später auf der Regionalwache Aussersihl abholen. Doch nichts dergleichen geschah. Der Velobesitzer meldete sich nicht mehr, das Velo blieb auf dem Posten stehen. Einige Zeit später lancierte die Stadtpolizei Zürich eine Suchaktion nach dem Besitzer in den sozialen Medien. Es handelte sich um ein mindestens 40-jähriges Kultfahrrad der Marke Bianchi.

Der Aufruf war erfolgreich, der Besitzer konnte ausfindig gemacht werden. Nur: Dieser war nicht der unbekannte Helfer von damals, sondern der wahre Eigentümer. Das Velo war nämlich gestohlen und der grosszügige Passant ein Langfinger, der offenbar ein Herz für Polizisten hat. Und der Schläger von der Langstrasse? Der wurde ebenfalls gefasst – dank dem gestohlenen Velo.

Pfauenalarm bei der Kantonspolizei

Gleich wegen fünf Pfauen musste die Kapo im vergangenen Jahr ausrücken: zweimal im Tösstal, wo ein Pfau sich auf der Strasse aufhielt und Autolenker deswegen die Polizei anriefen. Er gehe auf der Strasse jeweils «Sonne tanken», sagte die Besitzerin den verdutzten Polizisten. Einen weiteren Anruf hatte die Polizei aus Hinwil erhalten, als ein Pfau auf dem Sportplatz herumrannte. In Wallisellen konnten die Polizisten von zwei flüchtigen Pfauen einen wieder einfangen und dem Tierrettungsdienst übergeben. Was mit seinem Gspäändli passiert war, ist leider nicht bekannt. Ebenfalls in die Kategorie Vögel gehörte die seltene Meldung «Storch in die Wand geflogen» aus Mönchaltorf. Für das Tier endete die Kollision mit der Hausmauer fatal. Als die Polizisten am Unglücksort waren, war der Storch bereits tot.

Der falsche Schwan

Sorgte für Verwirrung: Ein abgefallener Auspuff. Foto: Stadtpolizei Zürich

Auch die Stadtpolizei musste wegen eines grossen Vogels ausrücken. Sie hatte die Meldung erhalten, dass an der Verzweigung Wasserwerkstrasse/Milchbucktunnel ein Jungschwan sitze und sich nicht bewege. Als die Polizisten an der Kreuzung ankamen, staunten sie dann aber – keine Spur von einem Jungschwan, dafür lag am Strassenrand ein abgefallener Auspuff. Dieser ähnelte mit dem geschwungenen Rohr tatsächlich (zumindest ein bisschen) dem Wasservogel. Da der Auspuff nicht weiter störte, liessen die Polizisten ihn dort liegen und machten später eine Meldung an das Tiefbau- und Entsorgungsdepartement. Nun meldete sich die Anruferin erneut: Der Jungschwan sitze noch immer dort, worauf die beiden Polizisten sich dann entschlossen, den «Schwan» abzuholen und ihn gleich selbst der «Verwertung» zuzuführen.

Schwein gehabt

Ein aufgeregter Bewohner von der Waldegg meldete eine grosse Wildsau in seinem Garten. Die Kantonspolizei rückte umgehend aus. Doch vor Ort fand sie kein Wildschwein, dafür einen domestizierten Artgenossen, ein Wollschwein. Fairerweise kann dieses mit seinem haarigen Äussern durchaus mit einem Wildschwein verwechselt werden. Es stellte sich heraus, dass das Tier ausgerissen war; es konnte von seinem Besitzer schliesslich wieder abgeholt werden.

Lustvolles Schreien

Ein Schrei ist noch nicht zwingend ein Ruf nach Hilfe. Das mussten alarmierte Kantonspolizisten gleich in zwei Fällen feststellen. Einmal waren die «Hilfeschreie» eines Mannes lediglich der Gesang eines Betrunkenen, das andere Mal waren es Lustschreie aus dem offenen Fenster eines Bordells.

Vom verlorenen Gebiss

Die Polizei musste auch in diesem Jahr als Helfer für ältere Menschen ausrücken. So war das Bett eines Rentnerpaars zusammengebrochen. Die Frau konnte daraufhin nicht mehr aufstehen, der Mann ihr nicht aufhelfen, sie verbrachte schliesslich die Nacht auf der Matratze auf dem Boden. Am nächsten Tag rief der Mann dann die Polizei, die der Frau wieder auf die Beine helfen konnte. In einem anderen Fall lautete der Hilferuf eines Rentners, dass sein Gebiss in einen Abfallkübel gefallen sei und er es nicht mehr finde. Eine Patrouille rückte aus und konnte kurz darauf Entwarnung gegeben: «Mann hat sein Gebiss wieder!»

Wenn das Sprichwort Realität wird

Dieser Anruf war wortwörtlich zu nehmen. Ein Mann alarmierte die Kantonspolizei, dass ihm die Decke auf den Kopf gefallen sei. Doch musste der Anrufer nicht unbedingt raus und unter die Leute, sondern Teile des Gipses an der Zimmerdecke waren ihm buchstäblich auf den Kopf gefallen, und er musste ins Spital gebracht werden.

Das Mysterium der Blutlache

«Blutlache in 2er-Tram: Polizei löst Rätsel», so titelte «20 Minuten» über eine mysteriöse Lache, von der durchs ganze Tram hindurch blutige Fussabdrücke wegführten. Da musste jemand schwer verletzt worden sein oder aufgrund eines medizinischen Problems viel Blut verloren haben, mutmassten Trampassagiere. Die Stadtpolizei, die informiert wurde, konnte tags darauf Entwarnung geben. Eine ältere Frau hatte sich gemeldet und gesagt, dass sie eine Blutung bei einer Krampfader am Bein habe. Dies habe sie aber erst zu Hause bemerkt.

Der Macheten-Mann

Die Meldung klang dramatisch: Ein Anrufer alarmierte die Stadtpolizei, dass ein Mann mit nacktem Oberkörper und einer Machete bewaffnet nachts in Zürich über die Hardbrücke marschiere. Es stellte sich allerdings heraus, dass der nächtliche, bewaffnete Wanderer niemandem etwas Böses antun wollte. Eine Patrouille fand den Mann, der von einem Mittelalterfest herkam und eine ungeschliffene Machete mit sich führte.

Der vermeintliche Tote

Eine andere Fehlermeldung betraf die eines angeblich toten Mannes an der Kasernenstrasse im Zürcher Stadtkreis 4. «Mann liegt hier und verwest», rapportierte die Einsatzzentrale den Anruf einer besorgten Frau. Eine Patrouille der Stadtpolizei fand dann einen Randständigen – zwar auf dem Boden liegend, aber noch lebendig. Entsprechend wurde dann der Rapport mit «alles okay, nicht verwest» korrigiert.

Erstellt: 30.12.2019, 12:01 Uhr

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