Den Sportfischern fehlt es an Nachwuchs

Ein neuer Verband bringt frischen Wind in die Welt der Sportfischer. Er setzt sich für die Anliegen von Jungfischern und die ökologische Bewirtschaftung der Gewässer ein.

Ein Bild mit Seltenheitswert, denn die Sportfischer beklagen sich über mangelnde Jungmannschaft.

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Der Langnauer Rolf Schatz ist eine der treibenden Kräfte hinter der Interessengemeinschaft für eine nachhaltige Fischerei, dem Verband «Dä neu Fischer» (IG DNF). Als Jungfischer-Obmann und Jugendgruppenleiter des Thalwiler Fischervereins liegen ihm die Anliegen jugendlicher Sportfischer besonders am Herzen. In etablierten Kreisen der Fischer- und Jägerzunft wird Schatz nach seinen eigenen Worten als «Che Guevara der Fischerei» bezeichnet. Dabei sei es sein einziges Anliegen, Bewegung in das bestehende «mittelalterliche Pfründesystem» zu bringen, wie er betont.

Unter den Interessenvertretern der Sport- und Freizeitfischer im Kanton schwelt seit längerem ein Konflikt. Aus Unzufriedenheit mit den Aktivitäten des Fischereiverbands des Kanton Zürichs (FKZ) traten die Fischereivereine Züri Unterland, Maur, Meilen, Thalwil und Swiss Carp unlängst aus dem Kantonalverband aus. Die IG «Dä neu Fischer» verschickte vor einigen Tagen eine Broschüre an Fischereivereine in der ganzen Deutschschweiz, in der die Interessengemeinschaft ihre «moderne Sicht der Fischerei» darlegt. Zentrale Punkte sind dabei die ökologische Bewirtschaftung der Gewässer, der faire Gewässerzugang für alle sowie die Ausbildung und Förderung des Fischernachwuchses.

Mangelnde Attraktivität des Fischens

Obwohl der FKZ und auch der Schweizerische Fischereiverband seit Jahren die Förderung von Jungfischern propagieren, passiere viel zu wenig, sagt Schatz. Er belegt dies mit den jüngsten Zahlen aus einem Kreisschreiben der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung: Danach geht der Anteil an Jungfischern seit Jahren kontinuierlich zurück. Diesen Trend bestätigt auch Ernst Good, Präsident des Sportfischervereins Meilen. «Das Interesse an der Fischerei ist bei den Jungen einfach zu klein», sagt Good. Eine mögliche Ursache sieht er in der mangelnden Attraktivität des Fischens. Sein Verein unterstütze das Engagement von Schatz. «In Meilen arbeiten wir aktiv mit der Jugendgruppe Thalwil zusammen.»

Mit neuen Verordnungen torpediere der Gesetzgeber die Anliegen der Jugendförderung, sagt Schatz. So müssen Jungfischer auf dem Zürichsee seit 1. Januar 2008 bereits ab 16 Jahren den vollen Preis für ein Patent entrichten, bisher zahlten sie nur die Hälfte. Das gleiche gelte für das Drei-Seen-Patent, das ab 2009 ein einziges Patent für den Zürichsee, den Greifensee und den Pfäffikersee vorsieht. «Für die Fischerei ist dieses Patent an sich eine gute Sache», sagt Schatz, «den Jungfischer hingegen kommt es teuer zu stehen». Das Argument der Regierung, finanziell mache das für einen begeisterten Jungfischer nicht viel aus, akzeptiert Schatz nicht. Für die meisten Jugendlichen sei Fischen ein Ausgleichssport. Daneben seien andere Sportarten meistens wichtiger. Sparen würden die Jungen zuerst beim Fischen.

Fairer Zugang zu allen Gewässern

Ein weiteres wichtiges Anliegen der Interessengemeinschaft im Zusammenhang mit der Jugendförderung ist der faire Zugang zu allen Gewässern. Alle acht Jahre werden die Pachtverträge für die Fischereirechte an Bächen, Flüssen und Weihern vom Kanton neu versteigert. Das nächste Mal ist es 2010 so weit. Das Recht mitzubieten hatten im Kanton bisher alleine private Pächter. Schatz ist diese Praxis ein Dorn im Auge. Die Interessengemeinschaft «Dä neu Fischer» setzt sich deshalb dafür ein, dass der Zuschlag für ein Gewässer primär an Vereine erfolgt. «Speziell sollen Vereine oder Pachtgesellschaften mit einer aktiven Jungfischerförderung bevorzugt werden», ergänzt Rolf Schatz.

Bei Submissionsverfahren des Kantons, wo es darum geht, staatliche Aufträge an Privatfirmen zu vergeben, würden konkrete Aufträge nur dann erteilt, wenn das Unternehmen auch Lehrlinge anstelle. «Warum diese Praxis nicht auch in der Fischerei angewendet wird, kann ich nicht nachvollziehen», sagt Schatz.

Der IG DNF geht es auch darum, Jugendliche für die ökologischen Anliegen der Fischerei zu sensibilisieren. «In den Köpfen der meisten älteren Fischer kann man nichts mehr ändern», sagt Schatz. Man müsse bei den Jungen ansetzen. «Der beste Schutz für unsere Fischbestände sind gut ausgebildete Jungfischer.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.09.2008, 08:25 Uhr

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