Depeche Mode durfte wegen Bauarbeiten nicht ins Letzi

Im Zürcher Letzigrundstadion sollen mehr Konzerte stattfinden, um die Kosten zu decken. Doch das ist leichter gesagt als getan.

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Der Zürcher Gemeinderat hat sich am Mittwoch mit grosser Mehrheit für das Hardturmstadion ausgesprochen und damit einen Kredit von 216 Millionen Franken freigegeben. Sagt das Stimmvolk Ja zum Bau eines neuen Fussballstadions, dann hat das auch Folgen für den Letzigrund.

Der Nettoaufwand für das Stadion beläuft sich auf knapp neun Millionen Franken – neue Nutzungen sind also nötig, um Geld in die Kasse zu bringen. Am lukrativsten sind Konzerte. Deshalb fordern die Grünliberalen, dass künftig mehr als die vorgesehenen vier Open-Air-Konzerte im Letzi ermöglicht werden sollten. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Nur Topacts können Stadion füllen

Rund 50'000 Personen sind an Konzerten im Stadion zugelassen, aber längst nicht alle Künstler können so viele Fans mobilisieren. Das haben seit der Eröffnung des neuen Stadions erst fünf Topacts – U2, Bon Jovi, Coldplay, Bruce Springsteen und Madonna – geschafft. Hinzu kommt, dass die Nachfrage im Konzerbereich nicht jedes Jahr dieselbe ist, weil nicht immer gleich viele Künstler auf Tour sind.

Für Stadionmanager Peter Landolt ist es unter diesen Umständen äusserst schwierig abzuschätzen, wie sich die Situation im Konzertbereich entwickeln wird und ob es ab der Saison 2017/2018, wenn die beiden Zürcher Clubs frühestens im neuen Hardturmstadion spielen werden, überhaupt noch Künstler gibt, die in Zürich auftreten wollen und das Stadion füllen könnten.

Depeche Mode wollte ins Letzi

In diesem Jahr sah es eigentlich sehr gut aus. «Für die Veranstalter des Depeche-Mode-Konzerts war das Stadion Letzigrund als Lokalität ein Thema», so Landolt. «Als die Anfrage bei uns eintraf, war jedoch noch geplant, dass genau zu diesem Zeitpunkt auch die Rundbahn anlässlich der Leichtathletik-Europameisterschaft 2014 instandgesetzt wird. Deshalb konnten wir leider keine Zusage machen.» Inzwischen steht jedoch fest, dass diese Sanierungsarbeiten erst 2014 durchgeführt werden.

Immerhin: Robbie Williams soll in diesem Jahr am 16. August das Stadion rocken, Pink-Floyd-Mann Roger Waters wird mit seinem Programm «The Wall» am 11. September auftreten. Neben diesen beiden Events ist 2013 aber gemäss Landolt kaum ein weiteres Konzert zu erwarten. Im kommenden Jahr könnte jedoch noch vor der rund achtwöchigen Rundbahnsanierung, die für Juni und Juli geplant ist, ein Konzert über die Bühne gehen. «Das ist unser erklärtes Ziel. Eine Reservation liegt bereits vor, aber da ist noch nichts spruchreif.»

Termine unter einen Hut bringen

Die verschiedenen Termine unter einen Hut zu bringen, sei generell schwierig – und kostspielig. «Heute ist es so, dass wir das Stadion jedes Mal umbauen müssen, wenn ein Konzert stattfindet. Das kostet eine ganze Stange Geld», erklärt Landolt. «Wenn man zwischen den Konzerten auf die Rückbauten verzichten könnte, würde sich das ökonomisch lohnen.» Abgesehen davon glaubt Landolt, dass ein grösseres Angebot an Konzertterminen im Stadion sicherlich Einfluss auf die Nachfrage hätte. «Der Markt Zürich ist für Künstler sehr attraktiv.»

Auch für Fussballclubs ist das Letzigrund interessant. «Es liegt uns eine Anfrage für ein Clubfussballspiel zweier Topmannschaften im Juli vor. Das Spiel hätte das Stadion restlos gefüllt. Dann findet aber die Schweizermeisterschaft statt», sagt Landolt. Es sei nicht das erste Mal, dass er wegen dem Spielplan der lokalen Fussballclubs internationale Länderspiele absagen musste. «Ich glaube daher sehr daran, dass wir das Letzigrund gut auslasten können, wenn der FCZ und GC ausgezogen sind. Da mache ich mir keine Sorgen», betont der Stadionmanager. Er habe auch einige Ideen, die er gerne umsetzen möchte, sobald die Fussballtermine frei werden.

Ein Schwingfest gehört auch dazu. «Die Verhandlungen dazu sind allerdings nicht einfach. Ein kantonales oder eidgenössisches Schwingfest könnten wir sicher nicht durchführen. Dazu sind wir zu klein. Aber wir haben bereits ein paar eigene Ideen. Mehr können wir dazu noch nicht sagen.»

Was sagt die Quartierbevölkerung?

Ganz egal welche Ideen dereinst umgesetzt werden können: Ein gewichtiges Wort in der ganzen Diskussion um die Neunutzung des Stadions haben auch die Anwohner. Renata Taiana, Präsidentin des Quartiervereins Aussersihl-Hard, glaubt jedoch nicht, dass es grosse Widerstände geben werde. «Schliesslich wurde das neue Letzigrundstadion ja explizit nicht als reines Fussballstadion konzipiert. Es war von Anfang an klar, dass dort auch Leichtathletik-Events und Konzerte veranstaltet werden können», sagt sie auf Anfrage.

Taiana selbst würde eine Ausweitung des Konzertangebots befürworten. «Ich lebe am Bullingerplatz und wenn Konzerte im Letzi stattfinden, dann höre ich das auch, aber es stört nicht.» Sie habe auch schon von Anwohnern gehört, die – je nachdem, wer gerade auftrat – auf ihrem Balkon sassen und sich dort ganz gemütlich Konzerte angehört hätten. «An mich wurde jedenfalls diesbezüglich nichts Negatives herangetragen.»

Erstellt: 12.04.2013, 13:53 Uhr

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