Der Bodyguard der Flugzeuge

Am Flughafen sorgt ein gepanzertes Fahrzeug der Kantonspolizei für die Sicherheit besonders gefährdeter Maschinen. Der New Eagle stiehlt jedem Luxusschlitten die Show. Der letzte Teil der Flughafen-Serie.

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New Eagle IV heisst jenes Fahrzeug, das am Flughafen Zürich jedem Maserati oder Porsche die Show stiehlt. Ein ungläubiger Kleinlasterfahrer muss gleich zweimal hinschauen, bevor er hinter seinem Wagen hervorkommt, um unverhohlen das blau-weisse Fahrzeug zu bestaunen, das an ihm vorbeibrummt.

Am Steuer des 8,3 Tonnen schweren Blickfängers sitzt nicht etwa ein milliardenschwerer Mogul, Reto Lanz ist Kantonspolizist, und er ist im Dienst. «Das Fahrzeug muss eindrücklich sein und soll potenzielle Angreifer abhalten», sagt Lanz und manövriert an den auf der Vorfahrt parkierten Wagen vorbei. Dadurch nehme der New Eagle seine präventive Aufgabe wahr. Obschon das gepanzerte Fahrzeug für die Strassen zugelassen ist, bewegt sich die Kantonspolizei Zürich damit hauptsächlich innerhalb des Flughafengeländes: «Mehrmals täglich nutzen wir den Eagle für die Sicherheit besonders gefährdeter Fluggesellschaften», erläutert Lanz.

Folge eines bewaffneten Anschlages

Im Kreis dieser Schützlinge sind nicht immer dieselben Airlines. «Die Liste verändert sich mit dem Weltgeschehen.» Im Fokus stünden in der Regel Länder, in welchen Konflikte ausgetragen werden oder dessen Flugzeuge potenzielle Opfer von Attentätern sind. «Wir begleiten diese Maschinen ans Dock, wenn sie landen, und zur Schwelle der Piste, wenn sie wieder abfliegen.» Wer eskortiert wird, bestimmt die Kantonspolizei. Diese Prozedur ist eine Folge des Anschlages auf eine El-Al-Maschine im Februar 1969 in Kloten. Vier Attentäter der Volksfront zur Befreiung Palästinas beschossen die Maschine auf dem Vorfeld des Zürcher Flughafens. Der Co-Pilot und ein Attentäter kamen bei der Schiesserei ums Leben.

Der New Eagle IV ist ein Kriegsfahrzeug, das unter anderem die deutsche Bundeswehr in Afghanistan eingesetzt hat. «Es ist ein Schutzfahrzeug, mit dem wir nahe an die Flugzeuge heranfahren können», sagt Lanz. Falle den Polizisten dabei etwas Aussergewöhnliches auf, sei ihre Reaktionszeit dadurch kürzer. «Wir können uns mit diesem Fahrzeug auch gefahrlos einem heranbrausenden Laster in den Weg stellen.»

Ersatz für den alternden Kleinpanzer

Tatsächlich hält der mit Stahlplatten gepanzerte Eagle die seitliche Detonation mehrerer Dutzend Kilogramm TNT aus. «Seine Scheiben entsprechen der höchsten Schutzklasse, die es auf dem Markt gibt.» Das ist aber noch nicht alles: Der Fahrer kann einen Überdruck in der Kabine erzeugen. Damit nehmen die maximal fünf Insassen auch in einem gasverseuchten Gebiet keinen Schaden.

Auch beim Kaufpreis kann der New Eagle durchaus mit den Luxusschlitten mithalten. Der Flughafen hat dafür dem Kreuzlinger Hersteller Mowag (siehe Box) eine knappe Million Franken bezahlt und stellt ihn der Kantonspolizei Zürich zur Verfügung. Damit ersetzte der Flughafen den 27-jährigen Piranha-Schützenpanzer. Das dreiachsige grüne Fahrzeug ist heute im Ruhestand und beglückt die Besucher des Festungsmuseums Reuenthal.

Erstellt: 11.02.2013, 11:20 Uhr

Der New Eagle der Flughafenpolizei

Der Rüstungskonzern General Dynamics

General Dynamics European Land Systems mit Sitz in Wien ist eine Geschäftseinheit von General Dynamics. Sie verfügt über Produktionsstätten in Spanien, Deutschland, Österreich und in der Schweiz (Mowag Kreuzlingen). 3000 Arbeiter entwickeln und produzieren Radfahrzeuge (unter anderem Piranha und Eagle), Kettenfahrzeuge, Amphibienfahrzeuge und Brückensysteme sowie weitere militärische Produkte.

Der Rüstungskonzern General Dynamics, mit Hauptquartier in Falls Church im US-Bundesstaat Virginia, beschäftigt weltweit rund 93'800 Mitarbeitende. Das Unternehmen produziert Geschäftsflugzeuge, landgestützte und amphibische Waffensysteme und Munition, Schiffe sowie Marine-Systeme und militärische IT-Systeme.

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