Der Bundesrat dreht in Dübendorf die Zeit zurück

Der Militärflugplatz wird heuer 100-jährig. Einst teilten sich zivile und militärische Aviatiker das Areal. Das soll dereinst wieder so sein.

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Die Schweiz verdankt den Militärflugplatz Dübendorf und damit ein bedeutendes Stück Luftfahrtgeschichte einem Franzosen. 1909 suchte nämlich der Aviatikpionier Reynold Jaboulin aus der Grande Nation in Zürichs Umgebung nach einem Gelände für seine waghalsigen Flugdemonstrationen. Er wurde in Dübendorf fündig. Geschickt verhandelte der Franzose mit nicht weniger als 104 Grundbesitzern. Mit Erfolg: Im Oktober 1910 fand ein grosses Flugfest an der Glatt statt.

1914 bestimmte der Bund das Dübendorfer Gelände als eidgenössischen Militärflugplatz. Und während das Areal bis am 27. November 1918 privaten Eigentümern gehörte, erwarb es die Landesregierung an diesem Tag für 380'000 Franken. Aber auch der Kanton hatte mit dem Areal Grosses vor: 1930 trat der Zürcher Regierungsrat mit einem Kreditbegehren von 3,6 Millionen Franken vor das Volk. Er plante, damit auf dem Gelände des 1910 geschaffenen Dübendorfer Flugplatzes ein imposantes Stationsgebäude mit einem Hotel und einem Restaurant zu erstellen.

Volk sagt «Nein», Regierung «doch»

Dazu sah das kantonale Hochbauamt eine Flugzeughalle für in- und ausländische Fluggesellschaften, einen weiteren Hangar für den Flugzeugbau und für private Maschinen, einen Motorenprüfstand sowie ein kleines WC-Gebäude neben dem Zuschauerplatz vor. Während sämtliche Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten die Vorlage der Exekutive befürworteten, stiess der Kredit beim Zürcher Souverän auf Widerstand. Nach einem hartnäckig geführten Abstimmungskampf schickten die Zürcher die Vorlage am 14. September 1930 mit 74'165 Nein- zu 43'669 Ja-Stimmen bachab.

Doch bereits einen Tag nach dem Volksentscheid ging beim Regierungsrat eine Motion ein: Sie forderte, dass für die Aufrechterhaltung des Zivilflugverkehrs Mittel und Wege gefunden würden. Rund zwei Monate nach der Abstimmungsschlappe bewilligte der Kantonsrat 500'000 Franken, um wenigstens den notwendigen Doppelhangar und eine Piste zu bauen. Dies genügte allerdings dem eidgenössischen Luftamt nicht. Der Bund verlangte, dass Dübendorf zu einem modernen Flugplatz ausgebaut werde. Ansonsten würde er dem Kanton die Konzession als Flugplatzbetreiber entziehen. Ein privates Komitee aus der Wirtschaft und der Politik reagierte und gründete 1931 die Flugplatzgenossenschaft Zürich und beschaffte die fehlenden Mittel für den baulichen und betrieblichen Ausbau des Zivilflugplatzes.

In nur sieben Monaten erstellten die Bauarbeiter eine abgespeckte Version des vom Regierungsrat geplanten Stationsgebäudes. Im Juli 1932 händigten die Mitarbeiter der Fluggesellschaft Swissair die ersten Einsteigekarten an Passagiere aus. Der Zweite Weltkrieg ging indes nicht spurlos am Dübendorfer Flugplatz vorbei. Die Restaurantbesucher blieben aus, die Stammgäste waren indes die auf dem Flugplatz stationierten Truppen. Erst als die Bomber und Jäger der Kriegsprotagonisten, die in den Schweizer Luftraum eindrangen, auf dem Dübendorfer Flugplatz zur Landung gezwungen waren, fanden sich die Schaulustigen wieder ein – kurz vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht.

Bund zieht Flächenflieger von Dübendorf ab

Als 1946 die Post ihre Flüge wieder aufnahm, stieg auch die Passagierfrequenz im Terminalgebäude am Pistenrand. Im gleichen Jahr bewilligte das Zürcher Stimmvolk 36,8 Millionen Franken für den Bau des Flughafens in Kloten. Seit 1948 fliegen die zivilen Maschinen den neuen Zürcher Flughafen in Kloten an – die Luftwaffe hat den Dübendorfer Flugplatz seither für sich.

2005 hob der letzte Militärjet in Dübendorf ab, und bereits im Mai 2011 tönte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) an, dass der Bund wieder eine zivilaviatische Mitbenutzung des Flugplatzes ins Auge fasse. Knapp zwei Jahre später fiel der definitive Entscheid des Bundesrates: Er will die Piste in Dübendorf weiter fliegerisch nutzen und kündigte die Suche nach einem geeigneten Betreiber an. Gleichzeitig machte er deutlich, dass er einem Innovationspark ebenfalls Platz einräumen will.

Im November 2013 publizierte das VBS den Entwurf des neuen Stationierungskonzepts der Armee. Es entschied damit, Dübendorf als Militärflugplatz zu schliessen und auf dem Areal lediglich eine Helibasis und die Kommando- und Führungseinrichtungen weiter zu betreiben. Am 16. Dezember folgte die Ausschreibung eines Teilstücks des Flugplatzareals. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.01.2014, 08:16 Uhr

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