Interview

«Der Entlassungsentscheid fiel Anfang Woche»

Die Zürcher SP-Bildungsdirektorin Regine Aeppli verteidigt sich im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet gegen den Vorwurf der Lüge und sagt, Christoph Mörgeli könne immer noch an der Uni Zürich lehren.

«Das wollte ich richtigstellen»: Regine Aeppli, Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin des Universitätsrats.

«Das wollte ich richtigstellen»: Regine Aeppli, Zürcher Bildungsdirektorin und Präsidentin des Universitätsrats. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Aeppli, war am Mittwoch, als Sie der «Rundschau» ein Interview gegeben haben, der Entlassungsentscheid schon gefallen?
Universitätsrektor Andreas Fischer hat den Entscheid Anfang Woche gefällt.

Wenn der Entscheid bereits am 17. September feststand, zieht dies die Aussage von Herrn Fischer in Zweifel, dass Äusserungen von Christoph Mörgeli «im Zeitraum vom 11. bis 20. September» der Grund für die Entlassung sind. Wussten Sie vom Entscheid?
Ich war informiert.

Wer genau hat denn eigentlich entschieden, Mörgeli als Museumsleiter zu entlassen und freizustellen?
Es war ein Personalgeschäft der Universität. Die Universitätsleitung fällte den Entscheid sowohl aus fachlichen Gründen als auch aufgrund des Verhaltens von Herrn Mörgeli. Der Universitätsrat, den ich präsidiere, befasst sich nur mit Berufungen für Lehrstühle. Herr Mörgeli war aber als habilitierter Oberassistent angestellt.

Dann war schon am Montag klar, dass es zu keinem zweiten Mitarbeitergespräch kommt?
Es war ein Mitarbeitergespräch für heute Freitag angesetzt. In diesem hätte man Herrn Mörgeli eröffnet, dass die Leistungen nach wie vor ungenügend sind. Weiter hätte man festgestellt, dass eine Bewährungsfrist im Sinne von Paragraph 19 des Personalgesetzes ihren Zweck nicht erfüllen würde, und hätte ihm gekündigt.

Die Uni schreibt von schweren Loyalitätspflichtsverletzungen durch Herrn Mörgeli. Aber er wurde zuerst öffentlich diskreditiert. Da ist es doch normal, dass er sich wehrt.
Selbstverständlich darf sich ein Mitarbeiter wehren. Wenn man seinem Vorgesetzten in aller Öffentlichkeit strafbares Verhalten vorwirft und ein Disziplinarverfahren gegen ihn fordert, geht dies aber zu weit. Die Entlassung erfolgte, weil fachliche Mängel festgestellt wurden. Und aufgrund des Verhaltens von Herrn Mörgeli, das zur unwiederbringlichen Zerstörung des Vertrauensverhältnisses mit seinem Vorgesetzten geführt hat.

Die Universität schreibt, Mörgelis Stellung als Titularprofessor sei von der Kündigung nicht betroffen. Was heisst das?
Seine akademische Leistung war nicht Gegenstand der Leistungsüberprüfung.

Wird Christoph Mörgeli also trotz Entlassung als Museumskurator Vorlesungen an der Uni Zürich halten können?
Möglich ist es. Ob er weiterhin Lehraufträge erhält, entscheidet die Universität.

Ihr Interview in der «Rundschau» hat für viele Irritationen gesorgt. Hätten Sie nicht besser den heutigen Tag abwarten sollen, um Stellung zu nehmen?
Herr Mörgeli hat wiederholt in der Öffentlichkeit schwere Verfahrensmängel geltend gemacht. Etwa, dass er nie mit der fachlichen Kritik konfrontiert worden sei. Das ist nachweislich falsch, denn er ist im November 2011 und im Februar 2012 – dann sogar schriftlich – informiert worden. Das wollte ich richtigstellen. Der Universitätsrat, dem ich vorstehe, ist das Aufsichtsorgan der Universität und für korrekte Verfahren verantwortlich.

Aber die Aussage, dass die Bewährungsfrist heute Freitag abläuft, war nicht richtig. Laut Mitarbeiterbeurteilung vom 10. Februar 2012 hätte die Bewährungsfrist erst heute angefangen. Deshalb hat Sie Christoph Mörgeli der Lüge bezichtigt.
In der ausserordentlichen Mitarbeiterbeurteilung vom Februar hat man ihm Auflagen gemacht und eine Frist bis heute gesetzt. Das ist eine Bewährungsfrist im informellen Sinn.

Demzufolge waren Ihre Aussagen im Interview ungenau bis unkorrekt.
Nein. Es geht nicht um eine Bewährungsfrist im Sinne des Paragraphen 19, sondern um eine im materiellen Sinn. Christoph Mörgeli musste in der Frist bis heute den Nachweis erbringen, dass er die Auflagen erfüllt.

Nochmals: Im Papier von Februar 2012 ist ausdrücklich festgehalten, dass eine sechsmonatige Bewährungsfrist im Falle, dass er die Auflagen nicht erfüllt, am 21. September beginnt.
Das war eine Option. Man hätte so verfahren können. Aber das Gesetz steht über diesem Papier. Und die Universität hat sich ans Gesetz gehalten. Wenn klar ist, dass die Bewährungsfrist ihren Zweck nicht erfüllen kann, kann gekündigt werden.

Was sagen Sie zur Rücktrittsforderung, die der Zürcher SVP-Präsident Alfred Heer ausgesprochen hat?
Das möchte ich nicht kommentieren.

Bedauern Sie, was und wie es geschehen ist?
Ich bin froh, dass sich die Situation nun geklärt hat. Aber ich bedaure, dass es zu dieser öffentlichen Auseinandersetzung gekommen ist, weil der Akademische Bericht beim «Tages-Anzeiger» gelandet ist. Wenn dies nicht passiert und das Verfahren korrekt abgelaufen wäre, hätten sich Herr Mörgeli, aber auch Herr Condrau und die ganze Universität viel Unbill ersparen können.

Wie viele Personen hatten Kenntnis vom Bericht?
Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Erstellt: 21.09.2012, 17:17 Uhr

Artikel zum Thema

«Dann sind wir eine Volksdemokratie nach kommunistischem Stil»

Für SVP-Präsident Toni Brunner ist die Entlassung von Christoph Mörgeli «inakzeptabel». Nationalrat Oskar Freysinger sorgt sich um die Meinungsfreiheit in der Schweiz. Mehr...

Mörgeli muss seinen Arbeitsplatz räumen

Christoph Mörgeli muss gehen: Die Uni Zürich stellt ihn per sofort frei. «Das Vertrauensverhältnis ist zerstört»», sagte Rektor Andreas Fischer an einer Pressekonferenz. Der SVP-Nationalrat wird wohl Rekurs einlegen. Mehr...

Fall Mörgeli: «Wer im Glashaus sitzt...»

Die SVP spricht von einer Politkampagne. Als Beleg dient der Auftritt von Regine Aeppli (SP) im Fernsehen. «Unsinn», widersprechen Zürcher Politiker. Die Uni habe das heisse Dossier vielmehr vor sich hergeschoben. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Paid Post

Dank Hightech sicherer im Schnee unterwegs

Gewinnen Sie mit Bächli Bergsport und Mammut ein Lawinenverschütteten-Suchgerät der neusten Generation.

Blogs

Geldblog Negativzinsen: Was soll das?

Mamablog Ach, diese Instagram-Muttis!

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...