Der Entstauber des Technoramas

Remo Besio hat Altes entsorgt, neues Publikum gewonnen und geht jetzt nach 18 Jahren mit einem Besucherrekord vor Augen.

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Eines hat sich nicht verändert in seiner Direktionszeit beim Technorama in Winterthur: Die Wirtschaft unterstützt das Swiss Science- Center nach wie vor nicht in dem Masse, wie es in anderen Ländern üblich ist. «Jämmerlich», sagt Besio dazu. Und auch die Subventionen der öffentlichen Hand fliessen viel spärlicher als anderswo, obschon sie heute höher sind als vor 18 Jahren: Der Kanton zahlt eine Million Franken jährlich, der Bund 700’000, Winterthur 500’000 Franken. «Überall sonst auf der Welt», ist Besio überzeugt, «würde ein Haus dieses Ranges viel stärker unterstützt.»

Nach wie vor das Mass aller Dinge in diesem Bereich ist das Exploratorium in San Francisco. Ron Hipschman, der dort seit über 37 Jahren arbeitet, ist des Lobes voll für Besio: «Remo ist ein wahrer Visionär, ohne den das Technorama heute nicht die Stellung hätte, die es einnimmt.»

Finanznöte und -skandale, zwei Direktoren in kurzer Zeit und magere Besucherzahlen hatten die ersten Jahre des Technoramas geprägt. Der kaufmännisch ausgebildete Besio war zwei Jahre fürs Betriebswirtschaftliche zuständig gewesen, als er im Oktober 1990 die Leitung übernahm. In den USA und in Kanada hatte er die besten Science-Center angeschaut und gleich eine Reihe von Exponaten nach Winterthur gebracht. Damit war der Wandel eingeläutet: Nach und nach räumte er die alten Maschinen und industriehistorischen Zeugen in Lagerhallen und ersetzte sie durch Experimente, die ebenso spannend zu betätigen wie ästhetisch sind. Der Computer mit dem Greifarm ist heute noch eine Attraktion, wenn er beim Mühlespiel den Schummler auffordert, den geklauten Stein aufs Feld zurückzulegen.

Sehr viele Objekte sind ausgeliehen

Es dauerte in der Folge einige Jahre, bis die Besucherzahlen den Wandel widerspiegelten. Nun aber bewegen sie sich seit langem um 250’000 pro Jahr. Das ist mehr, als alle Kunstmuseen Winterthurs zusammen vorweisen können. Und Ende seines letzten Jahres, glaubt Besio aus den Oktoberzahlen lesen zu können, werde erneut ein Rekord resultieren: «Sie sind so hoch, wie sie im bisher besten Jahr Ende November waren.» Diese Leistung anerkennt Hans-Peter Bärtschi, der eben vom Stadtrat geehrte Winterthurer Industriearchäologe, der einer der schärfsten Kritiker von Besios Ausräumaktion war. Allerdings bedauert er heute noch, «dass viele technische Kulturgüter ausgelagert und zum Teil vernichtet wurden». Besio widerspricht: Sehr viele Objekte seien ausgeliehen, anderes solle noch ins Verkehrshaus und ins Landesmuseum. Besio hat auch neue Finanzquellen erschlossen. Die Mechaniker im Haus etwa bauen Exponate, die von anderen Science- Centern erworben werden. Auch ganze Ausstellungen wurden verkauft, die Spiegelschau nach Moskau etwa, wohin Ende Jahr eine Reihe von Exponaten über Magnetismus folgen werden. All das und die Eintritte decken 60 Prozent des Aufwands.

Remo Besio hat sein Haus mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein und jovialer Höflichkeit zur bestbesuchten Winterthurer Freizeiteinrichtung gemacht. Erreichtes bloss zu verwalten, genüge nicht, rät er seinem Nachfolger Thorsten Künnemann. Am Montagabend zollen Besio Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Respekt, allen voran Bundesrätin Doris Leuthard. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2008, 20:26 Uhr

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