Der König vom Uetliberg provoziert

6 Monate Zeit gibt das Bundesgericht Uto-Kulm-Besitzer Giusep Fry für den Abbruch seiner Glasterrassen. Er setzt sich darüber hinweg. Doch damit nicht genug der Provokationen.

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«Ich könnte morgen zumachen», sagt Giusep Fry. Der Uto Kulm des Uetlibergs gehört ihm, er kann über ihn bestimmen. Doch die Drohung werde er nicht wahrmachen, so der umtriebige Gastronom heute Montagmittag vor den Medien. Er will die 100 Arbeitsplätze auf dem Kulm erhalten und das Publikum erfreuen. Zu Entlassungen soll es übrigens – anders als am vergangenen Freitag kommuniziert – nicht kommen. «Die Aussage erfolgte in einer ersten Emotion.»

Emotional ist Fry. So kommt er auch ins Feuer, wenn es um den Gestaltungsplan für den Uto Kulm geht. Der Plan hätte seine illegalen Anbauten legalisieren sollen und war bereits mit Baudirektor Markus Kägi (SVP) ausgehandelt worden. Doch der Gesamtregierungsrat als erste Rekursinstanz machte den beiden Männern einen Strich durch die Rechnung und hob den Gestaltungsplan auf. Er sei von den Politikern enttäuscht, sagte Fry. Unfähig sei sie, die Regierung, lautet sein Kommentar. Sie habe «den Schwanz eingezogen» und gefährde die Zukunft des Kulms. Nun wolle er sich auch nicht mehr aktiv in die Diskussion um den Gestaltungsplan einbringen. «Weshalb sollte ich das tun, wenn ich nur gebe, und man nimmt mir alles weg?»

Der Tanz mit der Frist

Auch bezüglich des Bundesgerichtsurteils schaltet er auf stur. Zumindest halb. Die Lausanner Richter haben ihm per Entscheid vom 4. Juni und Publikation vom 20. Juni eine sechsmonatige Frist gesetzt, die beiden verglasten Terrassen zurückzubauen. Doch Fry will erst Ende Januar 2015 abreissen. «Niemand kann verlangen, dass ich mitten in der Hauptsaison vor Weihnachten abbreche», meint Fry. Er hoffe auf die Kooperation der Behörden. Im Übrigen hätten sein Anwalt und er das Urteil gar noch nicht offiziell erhalten. «Oder gilt auch ein Mail?» Also habe die Frist gar noch nicht zu laufen angefangen. Auf die Frage, ob er nach all den Gerichtsurteilen gegen ihn etwas bereue, überlegt er kurz und wird dann doch diplomatischer: «Im Nachhinein ist man immer schlauer.» Und fügt an: «Unternehmer gehen oft an die Grenze. Da bin ich nicht der Einzige.»

Der Kulm-Besitzer sprach von einem Umsatzrückgang von 2 Millionen Franken jährlich – wenn er einfach abbrechen würde und nichts unternähme. Doch Fry wäre nicht Fry, wenn er nicht Ideen hätte. So will er künftig weiterhin auf der Terrasse wirten: im Sommer bedient und im Winter per Selfservice. Den Windfang und den Storen lässt er stehen. Für diese habe er eine Bewilligung aus dem Jahr 2001, sagt er. «Ich kann ja meine Gäste nicht verschmoren lassen.»

Bungeejumping vom Uetliberg

Diverse Events, die auf der Panoramaterrasse durchgeführt worden wären, finden im Wintergarten im Innenhof der Hotelanlage statt. Aufgrund dessen werde der «nachhaltige» Umsatzrückgang statt 2 Millionen etwa 500'000 Franken betragen, so Fry. Gleichviel kosten ihn Rückbau und Investitionen für neue interne Zugänge und die neue Möblierung der Terrasse.

Fry wäre auch nicht Fry, wenn er seine Gegner nicht weiter provozieren würde. So sprach er begeistert von Open-Air-Fondue-Events mit Feuerwerk und Bungeejumping von den Terrassen. Und er fabulierte von der «längsten Rutschbahn der Welt». «Wenn wir hier nicht in Zürich, sondern in den USA wären, wäre sie längst realisiert.»

In einer Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Umfrage unter Üetliberggängern von letzter Woche, was der Bundesgerichtsentscheid für sie bedeutet, wurden verschiedene Meinungen geäussert (siehe nachfolgende Bildstrecke).

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.06.2014, 14:00 Uhr

Die Lage auf dem Uto Kulm. (Zum Vergrössern bitte anklicken) (Bild: Reto Oeschger)

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