Der Kürbiskönig vom Pfäffikersee

Eventbauer Martin Jucker eckt mit seinem Erfolg in Seegräben an.

Martin Jucker, Inhaber der Jucker Farm Art AG in Seegräben ZH (September 2012). Foto: Daniel Kellenberger

Martin Jucker, Inhaber der Jucker Farm Art AG in Seegräben ZH (September 2012). Foto: Daniel Kellenberger

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Er hat sich eine warme Mütze und Handschuhe gekauft. Martin Jucker, Chef des Farmimperiums im 1000-Seelen-Dorf Seegräben, der auf seinem Erlebnishof ob dem Pfäffikersee gerne barfuss von Kürbisskulptur zu Kürbis­skulptur schlendert, muss sich warm anziehen. Nicht weil ihm neuerlich ein kalter Wind aus der Nachbarschaft entgegenweht. Das ist sich der 42-Jährige gewohnt. Seit er und sein Bruder Beat vor 15 Jahren auf dem elterlichen Hof viel zu viele Kürbisse anbauten – 50 Tonnen – und aus der Not ein Kürbisfestival ersannen, strömen die Ausflügler zu Tausenden nach Seegräben.

Die Nachbarn störte es schon damals, und heute, da die Juckers mit Hüpfburg, Hofladen, Strohfestival, einem Restaurant in Rolf-Hiltl-Dimensionen und bald auch einem Holzofenbäcker einen zweistelligen Millionen­umsatz erwirtschaften, ist es nicht anders, nur ernster: Morgen Dienstagabend treffen sich die Seegräbner in der Turnhalle zur Gemeindeversammlung und entscheiden, ob sie das Treiben der Juckers mit einer neuen Polizeiverordnung einschränken wollen.

Die Meisterschaft im Kürbiswiegen

Nein, Martin Jucker zieht sich nicht deshalb warm an. Er will vielmehr auch im Winter mit dem Velo von Wetzikon zur Arbeit in Seegräben fahren. Denn einfach weiterwachsen wie bisher, das ist den Jucker-Brüdern längst klar, geht nicht auf dem Hügel hinter der Kirche, am Rand der geschützten Moorlandschaft rund um den Pfäffikersee. Mehr als 25 Parkplätze für die 100 Mitarbeiter wird es nie geben. Darum lässt der Chef seinen Elektrokleinwagen künftig zu Hause. 15 Mitarbeiter tun es ihm gleich.

Auch die Schweizer Meisterschaft im Kürbiswiegen findet neu auf dem Jucker-Erlebnishof in Jona statt, im Industriegebiet mit 1000 Parkplätzen. Und der Kürbisverkauf ist dieses Jahr ohne marktschreierischen Auftakt gestartet, für den Juckers bekannt sind. Die Massnahme zeigt allerdings mässig Wirkung: Bloss 20 Prozent weniger Zulauf haben sie in Seegräben. «Wer wills den Leuten verübeln», fragt Martin Jucker, «wenn es sie bei schönem Wetter in unsere Gartenbeiz mit Blick auf den Pfäffikersee zieht?»

Wie gross ist der Ärger?

Mit dem gleichen Argument bestreiten Juckers, dass die neue Polizeiverordnung für sie überhaupt Gültigkeit hätte. Veranstaltungen, die mehr als 200 Personen am Tag nach Seegräben bringen, sollen damit bewilligungspflichtig werden. Ihre Kürbis- oder Strohausstellungen seien aber keine Veranstaltungen im eigentlichen Sinn, sagt Martin Jucker: «Wir verkaufen bloss unsere Hofprodukte mit Erlebnischarakter.» Kanton und Gemeinde haben einen Hofladen einst ausdrücklich bewilligt. Seit Anfang Jahr streiten die Gemeinde und Jucker deshalb vor Gericht. Wird die neue Polizeiverordnung angenommen, wird die Frage, was eine bewilligungspflichtige Veranstaltung ist, und was nicht, noch einige Juristen mehr beschäftigen.

An der Gemeindeversammlung morgen entscheidet sich also nicht, ob Jucker eine Zukunft in Seegräben hat. Sie wird aber zeigen, ob es nur ein paar Anwohner sind, die sich über das selbstbewusste Auftreten der Jucker-Brüder ärgern, oder ob tatsächlich eine Mehrheit in Seegräben unter dem Erlebnistourismus leidet. Martin Jucker sollte Mütze und Handschuhe deshalb wieder ausziehen. Ein feines Gehör und Fingerspitzengefühl dürften ihm jetzt von Nutzen sein.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.09.2014, 21:57 Uhr

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