Der Musterknabe

Thomas Heiniger erhält viel Lob für seine Arbeit – von allen Seiten. Wie schafft der FDP-Mann das?

Er achtet die Arbeit der Sanitäter hoch: Thomas Heiniger in der Zentrale von Schutz und Rettung. Der FDP-Politiker möchte weiterhin Gesundheitsdirektor bleiben. Foto: Urs Jaudas

Er achtet die Arbeit der Sanitäter hoch: Thomas Heiniger in der Zentrale von Schutz und Rettung. Der FDP-Politiker möchte weiterhin Gesundheitsdirektor bleiben. Foto: Urs Jaudas

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«Er macht es gut.» Das sagen fast alle über den Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP). Linke wie rechte Politiker, Spitaldirektoren, Ärzte und Apotheker finden lobende Worte für den Juristen, der vor acht Jahren die Gesundheitsdirektion von Verena Diener (GLP) übernommen hatte. «Er hat die Spitalplanung am professionellsten gemacht», sagt Rolf Gilgen, Spitaldirektor in Bülach und ehemaliger Geschäftsführer des Zürcher Spitalverbandes. «Wenn die Spitaltarife landesweit sinken, ist dies das Verdienst von Zürich.»

AL-Kantonsrat Kaspar Bütikofer, Mitglied der Kommission Bildung und Gesundheit, attestiert Heiniger «viel Fachkompetenz», und dass er seine Direktion «stark aufgestellt hat». Der erfahrene SVP-Gesundheitspolitiker Willy Haderer hebt Heinigers Einsatz für die Spitzenmedizin auf dem Platz Zürich hervor. «Er verfolgt seine Ziele konsequent, auch wenn er Gegenwind hat.» SP-Kantonsrätin Erika Ziltener hat als Präsidentin der Patientenstellen oft mit Heiniger zu tun, sie schätzt sein offenes Ohr: «Er nimmt Themen auf und bezieht Fachleute ein.»

Neue Bestzeit aufgestellt

Thomas Heiniger, der Super-Regierungsrat? Wie schafft er das? Der 57-Jährige ist ein drahtiger Mann, diszipliniert und energiegeladen. Füsse hochlegen ist nicht sein Ding, er muss sich bewegen. Wandern, Volleyball, Skifahren, Wakeboard, Tennis: Das macht er alles. Seine Königsdisziplin aber ist der Marathon. Vor zwei Jahren erst hat er am Züri-Marathon mit 3.30.17 seine persönliche Bestzeit erzielt. Immer dienstags läuft er frühmorgens von Adliswil nach Zürich zur Arbeit, obs schneit oder regnet. Im Neubau an der Stampfenbachstrasse, den die Gesundheitsdirektion 2013 bezogen hat, nimmt er kaum je den Lift. Viele Angestellte würden es ihm inzwischen gleichtun, stellt Heiniger erfreut fest. Das Treppensteigen sei nicht nur gesund, es fördere auch die Kommunikation: «Die Leute begegnen sich im Treppenhaus und reden miteinander.»

Vorbild sein. Und Erfolg haben. Das sind seine Triebfedern. Thomas Heiniger ist gescheit, smart, ehrgeizig, eitel. So sehr, dass es auch mal unangenehm werden kann. Auf Kritik reagiert er bisweilen unwirsch. Auch wird er ungern kontrolliert. Das bekommen vor allem die Mitglieder der kantonsrätlichen Aufsichtskommission zu spüren. Ihr Verhältnis zu Heiniger ist gespannt. Sie beklagen eine gewisse Überheblichkeit und eine «sehr defensive Informationskultur». Heiniger sagt dazu: «Ich erwarte, dass die Aufsichtskommission die Kompetenzen anerkennt, welche die Regierung hat, da bin ich hartnäckig.» Auskunftsfreudiger ist Heiniger hingegen in der Fachkommission für Bildung und Gesundheit. Er informiere gut und gebe sich Mühe, die Kommission einzubinden, berichten Mitglieder.

«Privatisierungsturbo»

Aktuell beschäftigt sich der Kantonsrat mit der Zukunft der kantonalen Betriebe. Heiniger verfolgt da eine klar liberale Linie. Das geht so weit, dass er das Kantonsspital Winterthur und die Integrierte Psychiatrie Winterthur (ipw) verkaufen will. Die Aufgabe des Staates sieht er darin, die Rahmenbedingungen für eine gute Gesundheitsversorgung zu setzen, nicht aber selber Betriebe zu führen. Nur die universitären Kliniken nimmt er aus, da diese mit Forschung und Lehre eine Sonderstellung haben.

Linke und Gewerkschaften bekämpfen die Privatisierungsvorlagen und werfen Heiniger vor, weiter zu gehen als andere Kantone, die ihre Betriebe zwar ebenfalls als Aktiengesellschaften organisiert haben, aber Besitzer bleiben. Kommt es zur Volksabstimmung, und damit ist zu rechnen, droht Heiniger eine erste empfindliche Niederlage als Gesundheitsdirektor. Dass die Bevölkerung dem «Privatisierungsturbo» – so nennt SP-Kantonsrat Andreas Daurù ihn – folgen wird, ist wenig wahrscheinlich.

Anders als die Linke, für die das Gesundheitswesen weitgehend marktuntauglich ist, hält Heiniger die Kombination von freiem Markt und staatlicher Regulierung für ideal. Er praktiziert sie konsequent. Paradebeispiel dafür ist seine Spitalplanung. Er hat den Wettbewerb unter den Spitälern forciert, indem er die Privatklinik Hirslanden auf die Spitalliste nahm; diese behandelt nun ebenfalls Grundversicherte und erhält dafür Kantonsbeiträge. Gleichzeitig setzte Heiniger dem Jekami in den Spitälern Grenzen, indem er Mindestfallzahlen aufstellte: Gewisse Operationen sind nur noch erlaubt, wenn sie genügend oft durchgeführt werden. Das erhöht die Qualität. Zudem schreibt die Gesundheitsdirektion den Listenspitälern unter Androhung von Busse vor, wie viele Ausbildungsplätze sie anbieten müssen.

Auch in der Tarifpolitik verfolgt Heiniger eine strenge Linie und lässt den Spitälern trotzdem Spielraum. Nachdem sich der Kassenverband Tarifsuisse und die Zürcher Spitäler in den Preisverhandlungen nicht einig wurden, hat Heiniger entschieden: Die Fallpauschalen sind nun im Kanton Zürich so hoch, dass die effizientesten Spitäler Gewinn machen, die weniger günstigen sich aber zusätzlich anstrengen müssen, um aus dem Defizit zu kommen.

Zürich ist vorbildlich

Das Bundesverwaltungsgericht hat das Preisfestsetzungsverfahren des Kantons Zürich, das auf einem Benchmark beruht, geschützt. Es gilt als vorbildlich für andere Kantone. Ebenso mustergültig ist Zürichs Spitalplanung, die transparent und nachvollziehbar ist. Darauf ist der Gesundheitsdirektor stolz.

Thomas Heiniger strotzt vor Selbstbewusstsein. Auf die Frage, welche Misserfolge er verzeichnen musste, antwortet er: «Keine, ich bleibe mit meiner Ausdauer an den Zielen dran.» Dass das gemeinsame Herzzentrum von Unispital und Stadtspital Triemli nicht zustande kam, dafür sieht er nicht sich, sondern die Betriebe verantwortlich. Und was nicht ist, könne ja noch werden. Heiniger blickt lieber nach vorne als zurück. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2015, 19:29 Uhr

Thomas Heiniger

Seit acht Jahren Regierungsrat

2007 verteidigte Thomas Heiniger nach dem Rücktritt von Ruedi Jeker den zweiten FDP-Sitz im Regierungsrat, er wurde mit dem drittbesten Stimmenresultat gewählt. In den Wahlen 2011 erzielte er das zweitbeste Resultat. Er führt seit acht Jahren die Gesundheitsdirektion und möchte dies weiter tun. Aktuell ist er Vizepräsident der Schweizerischen Konferenz der Gesundheitsdirektoren.

Heiniger (57) ist in Wollishofen aufgewachsen, hat in Zürich Jus studiert und war Partner in einer Anwaltskanzlei. Er wohnt mit seiner Frau in Adliswil im eigenen Einfamilienhaus, hat drei erwachsene Kinder und als Hobbys Sport und Fotografie. Seine politische Karriere begann er 1982 als Schulpfleger in Adliswil, danach wurde er Stadtrat, Stadtpräsident und Kantonsrat. (an)

Sieben Fragen

Was denken Sie, wenn Sie eine Frau mit Burka sehen?
Das löst bei mir keine speziellen Gedanken aus. Ich toleriere das ohne Weiteres. Es gehört zu einer internationalen Stadt wie Zürich.

Wann sind Sie geizig?
Geiz kenne ich eigentlich nicht. Ich gebe gerne aus und teile auch gern.

Geben Sie einer Bettlerin am Hauptbahnhof Zürich Geld?
Ja, das mache ich. Aber nicht immer. Es hängt von meinem persönlichen Zustand ab, es ist jeweils ein spontaner Entscheid.

Sollen homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen?
Ja. Wichtig ist für Adoptivkinder, dass sie in einem liebenswürdigen, guten Umfeld aufwachsen können. Und das ist auch bei einem gleichgeschlechtlichen Paar möglich.

Haben Sie eine Ferienwohnung, wenn ja, wo?
Ja, ich habe eine in Sedrun.

Möchten Sie selbst bestimmen ­können, wann Sie sterben?
Ich bin durchaus einem gewissen Schicksal ausgeliefert, und je nachdem, wie meine persönliche gesundheitliche ­Situation in der Zukunft einmal sein wird, möchte ich das gerne einmal selber entscheiden. Jetzt, heute, möchte ich vor allem leben.

Wann haben Sie das letzte Mal gelogen und weshalb?
Jetzt, wenn ich sage, ich hätte noch nie gelogen. Wenn man lügt, hat man ja einen gewissen Grund dafür – und den gebe ich auch an dieser Stelle nicht preis!

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