Der Plan zur Tötung reifte in Kosovo

Die Oberstaatsanwaltschaft klärt jetzt ab, warum der Todesschütze nach seinen früheren Drohungen nicht verhaftet wurde.

Im Gedenken an die getötete Ehefrau: Blumen und Kerzen am Tatort in Pfäffikon.

Im Gedenken an die getötete Ehefrau: Blumen und Kerzen am Tatort in Pfäffikon. Bild: Simon Eppenberger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nun ist bekannt, warum der 59-jährige Kosovare am Montagmittag seine Ehefrau und die Leiterin des Sozialamtes in Pfäffikon auf offener Strasse erschossen hat. Der verhaftete IV-Rentner und Sozialhilfebezüger hat gegenüber dem Staatsanwalt Roland Geisseler die Tat gestanden. Als Motiv gab er an, seine 52-jährige Ehefrau habe sich von ihm trennen wollen. Und vom Sozialamt habe er zu wenig finanzielle Unterstützung erhalten. Zuvor wurde in verschiedenen Medien über das Motiv spekuliert: etwa, dass der Mann die Sozialamtsleiterin erschoss, weil sie die Ehefrau zur Trennung ermuntert hatte. «Das kann ich nicht bestätigen», sagt Geisseler dazu. Davon habe der Beschuldigte nichts gesagt. Der Staatsanwalt hat Antrag auf Untersuchungshaft gestellt.

Rückkehr mit einer Pistole

Bekannt ist, dass der Mann seiner Ehefrau und den fünf erwachsenen Töchtern und dem Sohn immer wieder gedroht hatte. Laut Marcel Strebel, Chef der Informationsabteilung der Kantonspolizei, hatte der Mann am 15. Juni seine Ehefrau mit einer Schere attackiert und sie damit an den Armen verletzt. Die Frau alarmierte die Polizei. Diese auferlegte dem Mann ein Wegweisungsgebot und sprach ein Rayon- und Kontaktverbot aus. Zudem reichte sie eine Strafanzeige ein und verfasste einen Rapport an die Staatsanwaltschaft See/Oberland. Gegen den Mann läuft in diesem Zusammenhang seit dem 11. Juli ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt.

Nach der Attacke auf seine Frau reiste der Mann nach Kosovo. Von dort aus bedrohte er am 7. und 15. Juli per SMS die Frau und andere Familienangehörige. Ebenfalls in Kosovo reifte anscheinend auch der Tötungsplan. Denn laut Geisseler hatte der Beschuldigte gesagt, die Pistole in Kosovo erstanden und sie illegal in die Schweiz gebracht zu haben.

Genaue Überprüfung notwendig

Die Ehefrau erstattete nach den beiden telefonischen Drohungen erneut Anzeige, der Mann hielt sich zu diesem Zeitpunkt aber nicht in der Schweiz auf. Erst am 9. August kam er wieder in die Schweiz, wo er freiwillig zu einer polizeilichen Einvernahme erschien. Dabei wurde er mithilfe eines Dolmetschers zu seinen Drohungen befragt. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, macht die Kantonspolizei jetzt keine Angaben zu seinen damaligen Aussagen.

Zur Frage, warum der Mann zu diesem Zeitpunkt nicht verhaftet wurde, sagt Kapo-Sprecher Marcel Strebel, dass die Staatsanwaltschaft entscheide, ob eine Haft angeordnet werde. Die Oberstaatsanwaltschaft hat nun bei der zuständigen Staatsanwaltschaft See/Oberland einen Bericht einholen lassen. «Wir wollen die genauen Abläufe überprüfen und wissen, wer, wann, wo und wie gehandelt hat», sagt Sprecherin Corinne Bouvard.

Dem Sozialamt nicht gedroht

Der 59-Jährige ist seit mehreren Monaten vom Sozialamt der Gemeinde begleitet worden. Seine Betreuerin war die erschossene Sozialamtsleiterin. Diese betreute ihn und seine Frau, nachdem er vor allem wegen häuslicher Gewalt aufgefallen war. Die Probleme seien bis Montag aber nur innerhalb der Familie bekannt gewesen, sagt Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma. Drohungen gegen das Sozialamt habe der 59-Jährige bis dahin nie ausgestossen.

Die Familie wohnte erst seit wenigen Jahren in Pfäffikon und lebte von der Sozialhilfe. Der Mann bezog wegen eines Rückenschadens auch eine IV-Rente. In der letzten Zeit soll er laut einer Nachbarin in seinem Auto geschlafen haben. Der 19-jährige Sohn, von Beruf Koch, der zusammen mit der Mutter in der Wohnung lebte, sei nach der Bluttat zu einer Schwester in Pfäffikon gezogen.

Erstellt: 17.08.2011, 06:40 Uhr

Artikel zum Thema

Bluttaten in Pfäffikon: «Der Täter wirkte sachlich»

Der Mann, der am Montag in Pfäffikon seine Frau und die Leiterin des Sozialamtes erschoss, habe sich bis zum Schluss der Befragung nicht nach seinen Opfern erkundigt, sagt der zuständige Staatsanwalt. Mehr...

Mitarbeiter von Sozialbehörden leben gefährlich

Die Erschiessung der Leiterin des Sozialamts in Päffikon bildet den jüngsten Fall in einer langen Liste von Gewalttaten gegen Mitarbeiter im Sozialwesen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Paid Post

1000-Sterne-Hotel: unterwegs mit dem Zelt

Outdoorfeeling pur! Alena Stauffacher, begeisterte Bergsportlerin, erzählt von ihren Camping-Erfahrungen.

Blogs

Sweet Home 10 Tipps für gelungene Einladungen

Geldblog Waadtländer KB überzeugt als Bank und als Investition

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...