Der Schiffsfünfliber kommt vors Volk

Linke Parteien und die EVP sammeln Unterschriften für eine Volksinitiative gegen den Seezuschlag.

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Ruhe wünschte sich Regierungsrätin Carmen Walker Späh (FDP) in der Causa Seezuschlag letzte Woche anlässlich der Präsentation der ZSG-Jahresbilanz. Jetzt ist klar: Dieser Wunsch geht für Walker Späh nicht in Erfüllung. SP, Grüne, EVP und Juso haben eine Volksinitiative zur Abschaffung des Schiffsfünflibers lanciert.

Die Initiative sieht vor, dass auf fahrplanmässigen Fahrten mit dem Schiff auf dem Zürichsee und der Limmat keine Zuschläge mehr erhoben werden dürfen. Sie stellt auch Bedingungen: «Die Abschaffung darf nicht durch einen Leistungsabbau beim Linienverkehr oder gar durch die Streichung des Linienverkehrs aus dem Verbundangebot kompensiert werden.»

Rentner und Touristen belastet

Die Initianten begründen ihren Vorschlag unter anderem damit, dass die Gebühr Familien, Pendler, Rentner und den Tourismus besonders belaste und viele Fahrgäste des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) davon abhalte, Linienschiffe zu benutzen. Für sie widerspricht der Schiffsfünfliber klar dem ZVV-Tarifprinzip, wonach ein Ticket für alle Verkehrsmittel gilt.

«Der Schiffszuschlag gefährdet die Zürichseeschifffahrt als Ganzes», sagte SP-Kantonsrat Jonas Erni an der Pressekonferenz. Der Zürichsee gehöre allen und der Seezuschlag abgeschafft. EVP-Kantonsrat Tobias Mani unterstützte diese Forderung: «Neben dem hochstehenden Angebot ist vor allem der Tarifverbund mit seinem einheitlichen Tarifsystem über den ganzen Kanton Zürich ein Erfolgsfaktor», sagte er.

Video: Kantischüler protestieren gegen Schiffsfünfliber

Gehörten schon früh zu den Gegnern: Schüler bezahlen den Seezuschlag mit Fünfräpplern. Video: Tina Fassbind/TA-Video (Dezember 2016)

Passagiere der Zürichseeschiffe müssen seit Ende 2016 zusätzlich zu ihrem Billett den sogenannten Schiffsfünfliber bezahlen. Der Seezuschlag wurde im Rahmen des kantonalen Sparprogramms Lü16 eingeführt. Ziel des Regierungsrats sowie des ZVV war, das jährliche Defizit der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) zu senken. Dies gelang: Die ZSG nahm durch den Schiffsfünfliber im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Franken mehr ein, teilte Regierungsrätin Walker Späh vergangenen Woche mit. Dafür verzeichnete sie 30 Prozent weniger Passagiere im vergangenen Jahr. Im Gastrobereich kam es wegen hohen Einbussen zu Entlassungen.

Die Initianten haben nun sechs Monate Zeit, um 6000 Unterschriften zu sammeln. Angesichts des Widerstands vor allem in der Seeregion dürfte dies ein Leichtes sein. (sip/sda)

Erstellt: 14.02.2018, 11:02 Uhr

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