Der Skipisten-Kniff der Unterländer

Obwohl der Schnee immer später und spärlich fällt, starten alle zehn Skilifte im Kanton Zürich in die Wintersaison. Möglich ist das dank neuer Kooperationen.


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Die Prognosen der Touristiker für die Zukunft der Skigebiete in tieferen Lagen sind stockfinster. In Braunwald, das auf 1260 Höhenmetern liegt, prüft man bereits die Schliessung einiger Bahnen. Alles, was unter 1200 Metern liegt, sollte laut Arosas Kurdirektor Pascal Jenny besser gleich auf den Sommerbetrieb setzen und das Winterbusiness abhaken.

Harte Aussagen für die Skiregion Zürich, denn auf Kantonsgebiet gibt es nicht weniger als zehn Skiliftanlagen. Keine von ihnen reicht weiter hinauf als bis auf 1060 Meter über Meer. Der Skilift in Dietikon zieht die Wintersportler sogar nur auf 490 Höhenmeter hinauf. Trotzdem starten alle in die neue Wintersaison – wenn auch der Schnee momentan noch nicht ausreicht, um die Bahnen in Betrieb zu nehmen.

Einfallsreichtum und Freiwilligenarbeit

Wie schaffen es diese kleinen Wintersportanlagen, die alle über 40 Jahre in Betrieb sind, sich trotz Schneemangels über Wasser zu halten? Die Antwort ist: durch Einfallsreichtum und Freiwilligenarbeit. Denn für die Zürcher Skigebiete ist Schneemangel kein neues Phänomen. Sie haben über die Jahre gelernt, damit umzugehen.

«Wir haben schon 1985 begonnen, die Piste punktuell zu beschneien», sagt der Betriebsleiter des Skilifts Fischenthal, Martin Schoch. Damit der Betrieb auch in einer kurzen Saison über die Runden kommt, ist zudem viel Fronarbeit gefragt. Wer am Skilift arbeitet, erhält zwar einen Lohn, aber das Aufbauen der Anlage, die Pistenpräparation und weitere Arbeiten geschehen unentgeltlich.

Wieder mehr Spendengelder

Beim Unterhalt der Anlagen sind die Skiliftbetreiber auf Sponsorengelder angewiesen. Zwar sind die Kosten bei einem Skilift laut Schoch nicht so hoch wie bei einem Sessellift, es kommen aber immer wieder neue Auflagen hinzu. «Neben der zweijährlichen Kontrolle der Anlage müssen wir nun auch alle drei Jahre unsere Pisten kontrollieren lassen, was natürlich neue Kosten verursacht.»

Immerhin habe die Skilift AG Fischenthal in letzter Zeit wieder mehr Spendengelder erhalten. «Erst kürzlich hat die Bevölkerung 80’000 Franken für ein neues Pistenfahrzeug gesponsert. Das zeigt, dass die Leute den Skilift schätzen, und ist für uns Ansporn, weiterzumachen.» Die Verbundenheit mit dem Betrieb sei eben gross: Wer als Kind das Skifahren in Fischenthal erlernt habe, komme später mit den eigenen Kindern auch wieder hierher.

Zusammenarbeit mit grossen Skigebieten

Um den Gästen ein attraktives Angebot machen zu können, arbeiten die Skiliftbetreiber Fischenthal neu auch mit den Sportbahnen auf dem Rinerhorn in Davos zusammen. «Wer bei uns eine Saisonkarte kauft, bekommt dort 30 Prozent Rabatt auf eine Tageskarte», sagt Schoch.

«Familien wollen ihren Kindern das Skifahren in kleinen Skigebieten beibringen.»Evelyne Hengartner
IG Skilift Oberholz-Farner

Ein ähnliches Angebot besteht im Skigebiet Oberholz-Farner bei Wald. Die Interessengemeinschaft, welche den dortigen Skilift betreibt, ist eine Partnerschaft mit dem Skiverbund Arosa-Lenzerheide eingegangen: Die Besitzer eines Saisonabonnements Oberholz-Farner können dort zum halben Preis fahren.

«Wir haben festgestellt, dass Familien ihren Kindern das Skifahren gerne in kleinen Skigebieten wie dem unseren beibringen. Später fahren sie mit ihnen in die grösseren Skiregionen. Mit unserer Partnerschaft schaffen wir so ein Angebot für diese Bedürfnisse», sagt IG-Sprecherin Evelyne Hengartner. Die Kooperation habe aber noch weitere Vorteile. «Wir erhalten Materialien zu günstigen Konditionen, welche in grossen Skiregionen nicht mehr genutzt werden, für unsere Zwecke aber noch völlig ausreichend sind.»

Seit vergangener Saison arbeitet auch Dietikon mit der Skiregion Stoos zusammen, wo viele Limmattaler Familien ihre Ferien verbringen. Die Fahrt auf dem Skilift Dietikon ist nun für alle Besitzer eines Saison- oder Jahresabos im Stoos-Gebiet gratis. «Im Gegenzug unterstützen sie unseren Betrieb jährlich mit einem kleinen, finanziellen Beitrag», sagt Armin Strässle, Leiter der Abteilung Jugend und Freizeit der Stadt Dietikon.

«Ich habe diesen Winter noch nicht abgeschrieben»

Der Skilift Dietikon ist ein Freizeitangebot der Stadt und wird nicht von Privaten getragen. Die Kosten sind relativ gering. Der Transport und der Aufbau der Ponylift-Anlage beläuft sich laut Strässle auf weniger als 1000 Franken. Hinzu kommen die Arbeitsstunden für die Montage des Lifts im November und den Abbau der Anlage im Frühjahr. Für den Skiliftbetrieb selbst stehen Mitarbeitende der Stadt sowie viele Freiwillige im Einsatz. Dietikon wolle auch in Zukunft am Skiliftbetrieb festhalten, sagt Strässle. «Solange wir eine Bewilligung erhalten und die Sicherheit gewährleisten können.»

Auch Hengartner gibt sich für die Zukunft des Skilifts Oberholz-Farner optimistisch. Mit den regelmässig eingehenden Mitgliederbeiträgen der Interessengemeinschaft könne man finanzielle Ausfälle überbrücken. «Abgesehen davon hat die Saison erst begonnen, und wenn es im März gute Weekends mit genügend Schnee gibt, kann dieser Winter durchaus noch erfolgreich werden.» Martin Schoch wagt noch keine langfristige Prognose für den Skilift Fischenthal. «Im Moment sieht es aber gut aus, und ich habe diesen Winter natürlich noch nicht abgeschrieben.»

Erstellt: 04.01.2017, 15:30 Uhr

Das am tiefsten gelegene Skigebiet der Schweiz: In Dietikon fährt der Skilift nur auf 490 Höhenmeter. (Bild: Keystone )

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