Der Traum vom Eigenheim bleibt immer öfter ein Traum

Der Anteil der Familien, die sich Wohneigentum leisten können, ist von 17 auf 10 Prozent gesunken. Die Gründe.

Gefragt: Einfamilienhäuser im Grossraum Zürich. Foto: Urs Jaudas

Gefragt: Einfamilienhäuser im Grossraum Zürich. Foto: Urs Jaudas

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Wo das Eigenheim am teuersten ist
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Wohneigentum bleibt für immer mehr Familien unerschwinglich. Die Immobilienfachleute der Zürcher Kantonalbank (ZKB) haben diese gefühlte Realität in einer Studie genau unter die Lupe genommen. Sie haben die Preisentwicklung angebotener Eigenheime im ganzen Kanton analysiert und sie mit dem Einkommen und dem Vermögen derjenigen abgeglichen, die am häufigsten danach Ausschau halten: Junge Eltern im Alter zwischen 31 und 45 Jahren, die zurzeit noch in Mietwohnungen zu Hause sind.

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32.5%

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22.8%

Über 2 Millionen Franken

 
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Die ZKB-Studie kommt zum Schluss, dass sich die Anzahl der Familien, die sich ein eigenes Heim leisten können, seit 2008 deutlich verringert hat. Konnten damals noch 17 Prozent der Familien ein Einfamilienhaus finanzieren, war das im Jahr 2015 nur noch bei 10 Prozent der Fall.

Löhne stagnieren, Preise steigen

Bei ihren Berechnungen gingen die Ökonomen der ZKB von den durchschnittlichen Eigenheimpreisen im Kanton aus. Kostete ein Einfamilienhaus im Jahr 2008 noch 980'000 Franken, mussten Einfamilienhauskäufer im Jahr 2015 im Schnitt bereits 1,3 Millionen auf den Tisch legen. Die enorm gestiegenen Preise sind der Hauptgrund für den festgestellten Trend. Denn die Einkommen konnten mit dem Anstieg der Preise nicht mithalten: Sie zogen zwischen 2008 und 2013 um lediglich 1,8 Prozent an, die Immobilienpreise sind im gleichen Zeitraum um 23 Prozent gestiegen.

Einen Strich durch die Rechnung machen vielen Familien auch die höheren Anforderungen für die Gewährung einer Hypothek. 20 Prozent des Hauspreises müssen heute sofort bezahlt werden. Gelder aus der Pensionskasse dürfen nur noch für 10 Prozent des Kaufpreises verwendet werden. Die ZKB-Analysten haben darum nicht nur das Einkommen potenzieller Käufer analysiert, sondern auch ihr steuerbares Vermögen. Fehlen die eigenen Mittel, reicht auch ein gutes Einkommen für die Finanzierung einer Hypothek nicht mehr aus. So muss man für ein Haus, das eine Million Franken kostet, bei einem Nettoeinkommen von 100'000 Franken 450 000 Franken Vermögen mitbringen.

Der schwindende Kreis potenzieller Käufer für hochpreisige Objekte zwingt die Immobilienentwickler, ihre Projekte anzupassen: Anstelle von Einfamilienhäusern mit viel Land bauen sie zunehmend Reiheneinfamilienhäuser wie die derzeit in Rumlikon im Zürcher Oberland angebotene Siedlung der Halter AG. Für Immobilienentwickler Beat Pfiffner ist dieses Projekt schon eine «extrem verdichtete Siedlung». Er selbst ging mit seinem Partner von der PB Landmark AG einen neuen Weg, um jungen Familien den Kauf eines Eigenheims möglich zu machen. «In Rämismühle im Tösstal haben wir sechs Häuser geplant und im Rohbau erstellt. Den Innenausbau haben die Käufer selbst bewältigt», erzählt Pfiffner. Beim nächsten Projekt in Wetzikon planen Pfiffner und sein Partner den Bau kleinerer Wohnungen, «die sich die Leute noch leisten können».

Kleinere Wohnungen gefragt

Auch die grossen Immobilienfirmen setzen zum Teil auf kleinere Wohnungen. So spricht Implenia von einer «guten Antizipation der Marktentwicklung» beim Projekt The Metropolitans in Zürich Nord. «Schon bei der Planung im Jahr 2010 begann die Diskussion um die Tragbarkeit», erklärt Luzia Montandon von Implenia. Man habe sich darum entschieden, den Anteil der 2,5-Zimmer-Wohnungen zu erhöhen und die 3,5- und 4,5-Zimmer-Wohnungen kleiner zu konzipieren. Die günstigsten 2,5-Zimmer-Wohnungen mit rund 73 Quadratmetern hätten sich sehr gut verkaufen lassen.

Auch der Immobilienentwickler Allreal ist mit der Situation konfrontiert, dass die Nachfrage nach hochpreisigen Eigentumswohnungen gesunken ist. Wohnungen im unteren und im mittleren Preissegment in der Agglomeration seien jedoch noch immer gefragt, sagt Allreal-Sprecher Matthias Meier. Die Eigentumswohnungen auf dem Richti-Areal in Wallisellen hätten sich zum Beispiel sehr gut verkauft.

Der «Spagat zwischen Lage, Preis und Grösse» könne auch zur Folge haben, dass jemand sich für eine kleinere Wohnung entscheide. Unabhängig davon, ob es sich um Eigentums- oder Mietwohnungen handle, müsse ein Projekt den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Nutzer entsprechen. In Bezug auf die nächste grosse Überbauung von Allreal beim Bahnhof Bülach heisse das, dass aufgrund einer sorgfältigen Analyse des lokalen Marktes mehr Miet- als Eigentumswohnungen erstellt würden.

Erstellt: 19.09.2016, 21:40 Uhr

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