Der Trockensommer 2018 führte zu rekordtiefen Grundwasserpegeln

Notschlachtungen, Äschensterben, abgefischte Bachabschnitte, verunreinigte Gewässer, versiegte Quellen, Borkenkäferplage: Das sind die Folgen der Wetterextreme vom Sommer 2018.

Sichtbare Folge der Hitze und der Trockenheit: Die Töss bei Turbenthal führte bereits Anfang Juli fast kein Wasser mehr. Foto: Sabina Bobst

Sichtbare Folge der Hitze und der Trockenheit: Die Töss bei Turbenthal führte bereits Anfang Juli fast kein Wasser mehr. Foto: Sabina Bobst

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Der aussergewöhnlich trockene und heisse Sommer hat nicht nur den Menschen zu schaffen gemacht, sondern auch Natur und Tierwelt in Mitleidenschaft gezogen. Das ist einer Aufstellung der kantonalen Baudirektion zu entnehmen, welche von Kantonsrat Daniel Heierli (Grüne) verlangt worden war.

Fische/Krebse: Bekannt ist, dass die warmen Temperaturen die Fischpopulation in den Flüssen arg dezimiert haben. So wurde Anfang August im Rhein eine Wassertemperatur von 27,5 Grad gemessen, was vor allem für die Äschen lebensbedrohlich war, aber auch andere Arten wie Forellen in Not brachte. Zwischen Schaffhausen und Eglisau wurden 3 Tonnen tote Fische eingesammelt. Das entspricht etwa 7500 Tieren. Es konnten aber auch Tiere gerettet werden, indem kühlere Stellen ausgebaggert und gewisse Flussabschnitte gesperrt wurden. Damit sich die Äschen erholen können, haben alle Rheinkantone und die deutschen Nachbargemeinden ein Fangverbot bis mindestens September 2019 ausgesprochen. Nicht bekannt war bisher, dass insgesamt 200 Bachabschnitte abgefischt wurden – so viele wie noch nie. Die Fische wurden in wasserreichere Gewässer umgesiedelt. Allerdings ist klar, dass trotz grossen Anstrengungen der Fischereiverwaltung und freiwilliger Helfer aus Fischerkreisen zahlreiche Fische und Krebse eingingen, da viele Bäche ausgetrocknet sind. «Es dürfte mehrere Jahre dauern, bis die Bestände zumindest teilweise wiederhergestellt werden können», schreibt die Baudirektion.

Seen/Flüsse:  Unterhalb der Kläranlagen wurden hohe Konzentrationen von Mikroverunreinigungen gemessen. Diese rühren daher, dass das gereinigte Abwasser aufgrund des Wassermangels viel weniger verdünnt wurde. Die Verunreinigungen und die hohen Wassertemperaturen haben auch kleine Wasserorganismen wie Insektenlarven und Bachflohkrebse dezimiert, die dann als Fischfutter fehlten.

Grundwasser/Quellen:  In vielen Gebieten sind Quellen, die immerhin 20 Prozent des Trinkwassers ausmachen, versiegt. Die Trockenheit war aber auch in den natürlichen Trinkwasserreservoirs weit unter der Oberfläche spürbar: Die Pegelstände vor allem der kleineren Grundwasservorkommen sind gesunken. Im oberen Tösstal wurden gar so niedrige Grundwasserstände gemessen wie noch nie seit Messbeginn 1983. Der Trend wurde inzwischen durch Niederschläge gestoppt. Einzelne Grundwasserspiegel sind sogar wieder gestiegen. Bis sich die Situation normalisiert hat, braucht es aber noch ganz viel Regen. Immerhin 40 Prozent des Trinkwassers werden aus der Tiefe gepumpt. 

Wald/Borkenkäfer:  Die Revierförster haben schon im Juli Trockenschäden wie frühe Blattverfärbung und Blattabwurf an Buchen und Tannen festgestellt. Laut den Spezialisten hat sich die Problematik der Borkenkäfer noch verschärft, zumal diese nach den letzten Winterstürmen (Burglind und andere) in entwurzelten Fichten beste Brutbedingungen vorfinden. Immerhin gab es keine Waldbrände. Das kantonale Feuerverbot in Wäldern und Waldnähe dauerte vom 27. Juli bis zum 4. September.

Fit für weitere Trockenjahre?

Auch die Landwirtschaft hat gelitten, der Schaden lasse sich aber noch nicht beziffern. Gemüsekulturen und Kartoffeln mussten zusätzlich bewässert werden, was aufwendig und teuer ist. Landwirte aus einigen Regionen erlitten auch bei Getreide, Mais und Zuckerrüben starke Einbussen. Zudem fehlten bis zu zwei Schnitte Wiesengras, weshalb viele Viehbauern Futter zukaufen mussten. Vereinzelt wurden auch Tiere notgeschlachtet.

Positiv zu vermerken ist, dass die Wasserversorgung überall funktioniert hat. Gleichwohl will der Kanton überprüfen, ob die Gemeinden auch für wiederholte Trockenjahre gewappnet sind.


Die Grünen laufen mir ihren Vorstössen zum Klimaschutz auf

Politisch gesehen, war der Hitzesommer ein Steilpass für die Grünen. Diesen nahmen sie auch an. In der ersten Sitzung nach den Sommerferien haben sie im Kantonsrat zwölf Vorstösse zum Klimaschutz eingereicht. Viele von ihnen wurden von Martin Neukom mitunterzeichnet. Der Regierungsratskandidat aus Winterthur hat seinen Wahlkampf dem Klimawandel und der Energiewende gewidmet.

Der Regierungsrat hat erstaunlich schnell reagiert. Acht Vorstösse sind bereits beantwortet. Allerdings nicht zur Befriedigung der Grünen. Ihre vier Motionen – die stärksten parlamentarischen Mittel – lehnt die Regierung ab, sie werden es wohl auch im Parlament schwer haben. Die Motionen fordern etwa einen Rabatt bei den Verkehrsabgaben für jene, die wenig fahren, die Förderung von grossen Solaranlagen oder eine «Klimaverträglichkeitsabschätzung» der gesetzlichen Grundlagen – analog der von den Bürgerlichen durchgeboxten Bestimmung, dass alle neuen Gesetze auf Regulierungstendenzen abgeklopft werden müssen.

Klimaschutz in Verfassung

Zentral ist aber die Forderung der Grünen nach einem «Masterplan Dekarbonisierung» für den vollständigen Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien. Baudirektor Markus Kägi (SVP) verweist namens der Regierung wie andernorts auch hier auf den Bund. Das Bundesparlament ist daran, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. Im Vertrag ist das Ziel festgehalten, die Treibhausemissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Dazu wird das CO2-Gesetz totalrevidiert. Erst danach will der Kanton «prüfen, welche Massnahmen auf kantonaler Ebene erforderlich sind». Kägi verweist auch auf den kantonalen Massnahmenplan «Verminderung der Treibhausgase» von Oktober 2018. Darin sind 28 Massnahmen formuliert, die Martin Neukom auf Anfrage als «zahnlos» bezeichnet. Eine sei der Kauf von sieben Elektrofahrzeugen durch den Kanton. «So wird das Klima nicht geschützt», meint Neukom. Laut dem Politiker ist vor allem im Gebäudebereich viel mehr möglich. Die Regierungsantworten seien enttäuschend. «Der Kanton muss nicht auf den Bund warten», findet er. Nun setzt Neukom auf eine parlamentarische Initiative, die den Klimaschutz in der Kantonsverfassung verankern will. (pu) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.11.2018, 00:05 Uhr

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