Der Unternehmer, der sein grünes Gewissen entdeckt

Mit der Gletscherinitiative möchte Ruedi Noser (FDP) im Ständeratswahlkampf punkten. In der Vergangenheit setzte er aber wenig grüne Akzente.

Seit 16 Jahren in Bundesbern: Ruedi Noser (FDP). Foto: Keystone

Seit 16 Jahren in Bundesbern: Ruedi Noser (FDP). Foto: Keystone

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FDP-Ständerat Ruedi Noser (58) irritierte seine Partei, als er im Februar mit einem Klima-Thema vorpreschte. Er präsentierte sich als Befürworter der Gletscher­initiative, die für einen ausgeprägten Umweltschutz einsteht, während die FDP noch um einen neuen Klimakurs rang.

Nosers erwachte Liebe zum Klima legen ihm die einen als Opportunismus aus, andere sprechen von einem politischen Coming-out. So sagte Hans-­Peter Fricker, FDP-Mitglied und ehemaliger Geschäftsführer von WWF Schweiz, der Klimaschutz sei Noser seit Jahren wichtig. Welche Deutung auch stimmt: Als nationaler Parlamentarier verzichtete Noser in den vergangenen Jahren auf klare umweltpolitische Akzente. Als Nationalrat machte er sogar mit einem Schlingerkurs Schlagzeilen, was seine Haltung zur zweiten Gotthardröhre betraf: Mal war er dafür, mal dagegen.

Erst im Wahljahr 2019 mit den grossen Klimademos engagiert er sich für das Thema und hat es gerade noch rechtzeitig geschafft, das Feld nicht allein seiner Konkurrenz zu überlassen. Inzwischen gilt Noser innerhalb der FDP als treibende Kraft für den neuen Klimakurs. Als Ständerat hat er das neue CO2-Gesetz mitgeprägt, das zurzeit im Parlament beraten wird. Es fordert eine Flugticketabgabe sowie höhere Benzin- und Dieselpreise.

Von seinem Werdegang her ist Noser Wirtschaftspolitiker. Seine Kerndossiers sind Steuern, Digitalisierung und Innovation. Er weibelte als Ständerat für die AHV-Steuervorlage, gilt als Lobbyist der Finanzwirtschaft und als gut vernetzt in der IT-Branche. Noser, gelernter Maschinenmechaniker, hat vor Jahrzehnten eine IT-Firma mitgegründet, die inzwischen 500 Mitarbeiter beschäftigt. Die operative Leitung hat er jedoch vor rund fünf Jahren abgegeben. Er ist Eigentümer und Verwaltungsratsmitglied.

Noser sass 12 Jahre im Nationalrat, bevor ihn das Zürcher Stimmvolk 2015 in den Ständerat wählte. Seinen Sitz erkämpfte er sich im 2. Wahlgang.


Vier Fragen an Ruedi Noser

Soll das Rentenalter steigen, und wenn ja: auf wie viele Jahre?
Bis 65 sollte man arbeiten müssen, ab 65 dürfen, mit attraktiven Anreizen, um weiterzuarbeiten.

Sollen Ölheizungen verboten werden?
Bei Neubauten unterstütze ich ein Verbot.

Befürworten Sie das Rahmenabkommen mit der EU?
Ja, geregelte Beziehungen zur EU und der Marktzugang sind entscheidend für Wirtschaft und Bildung.

Soll ein 80-jährigen 500'000 Franken teure Krebsbehanldung bekommen?
Ja, wenn es keine günstigere Therapie mit Heilungschancen gibt, steht sie auch dem 80-Jährigen zu.

Wie die übrigen Kandidierenden diese vier Fragen beantwortet haben, sehen Sie hier.


In den kommenden Tagen stellt der TA alle Ständeratskandidierenden kurz vor, die sich am 20. Oktober zur Wahl stellen und vier Antworten auf knifflige Fragen liefern.

Erstellt: 28.09.2019, 11:30 Uhr

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