Der Zürcher Taxikrieg

Taxis von ausserhalb, die in Zürich auf Kunden warten, werden mit unsanften Methoden vertrieben.

Reagieren gereizt auf Landtaxis, die ihnen Fahrgäste wegschnappen: Wartende Taxifahrer am Zürcher HB.

Bruno Schlatter

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Jetzt verschärft sich der Streit zwischen Stadt- und Landtaxis – kaum sind die Fahrtenverweigerer vom Hauptbahnhof aus den Schlagzeilen verschwunden. Grund für beide Konflikte: Es gibt zu viele Taxis. «1200 würden reichen», ist Roberto Weidmann, Sprecher des Taxi-Dachverbands, überzeugt. In Zürich gibts aber über 1500.

Die Zürcher Taxifahrer reagieren deshalb je länger, je mehr allergisch auf Fahrer vom Land, die in Zürich «wischen», wie es in der Fachsprache heisst. Das kann zu aggressiven Konfrontationen führen. Taxifahrer D. A. aus Hombrechtikon hat solche Szenen am eigenen Leib erlebt. Er bringt regelmässig einen Kunden vom rechten Seeufer in die Bierhalle Wolf. Wenn dieser genug getrunken hat, holt er ihn nach Mitternacht wieder ab. «Als ich wieder zurück bei meinem parkierten Taxi war, steckte ein Zettel unter dem Scheibenwischer mit der Drohung: ‹Das nächste Mal fährst Du auf den Felgen heim.›»

Wenn er mit seinem Hombrechtiker Taxi durch Zürich fahre, werde er manchmal regelrecht verfolgt und überwacht, erzählt D. A. Die gleichen Zürcher Taxifahrer hätten dann allerdings keinerlei Schamgefühle, nach einer Fahrt aufs Land Kunden mitzunehmen und in die Stadt zu bringen. Oft werde dabei in die eigene Tasche gewirtschaftet, indem die Rückfahrt als «Leerfahrt deklariert wird.

Beule ins Auto getreten

Der Taxiverband Zürich, der gestern Abend im Restaurant Markthalle beim Hardturm seinen öffentlichen Taxi-Talk abhielt, sieht den Streit eher aus Sicht der Stadttaxis. Und diese Sicht ist kein bisschen besser. Die Konkurrenz vom Land «wische» mit eingeschalteten Taxilampen durch die Stadt und schnappe den Zürchern Kunden vor der Nase weg. Ein Zürcher Täxeler erzählte gestern: «Als ich ein Landtaxi bat, wenigstens die Taxilampe zu löschen, trat er mir eine Beule ins Auto.»

Aus der Runde kamen weitere Beispiele. Fahrer vom Land würden viermal pro Abend an der Hardstrasse «laden» und immer wieder zurückkehren. Einige würden gar mit gefälschten blau-weissen Zürcher Taxilampen in Zürich wildern. Man dürfe sich nicht wundern, wenn die Stadttaxis heftig reagierten «und es sogar zu Übergriffen kommt», steht in einem Brief des Verbands an die Fahrer. Dies wiederum interpretieren die Landtaxis als «Aufruf zur Gewalt».

Massnahmen gegen Konflikt vorgeschlagen

Als Massnahmen wurden am Taxi-Talk eine schwarze Liste im Internet oder eine Taxigrossregion über die Stadtgrenze hinaus vorgeschlagen. Einer sagte: «Wenn uns die Polizei machen liesse, hätten wir dieses Problem schnell gelöst.» Der Verband will nun den neuen Stadtrat Daniel Leupi (Grüne) bitten, die Polizei zu mehr Kontrollen zu veranlassen.

Im Seilziehen um die neue Taxiverordnung hat der Bezirksrat zugunsten der Landtaxis entschieden. Er hat die Beschwerde der 7×2-Taxi AG gutgeheissen und die Vermittlung an Landtaxis auf dem Gebiet der Stadt erlaubt. Argument des Bezirksrats: Ein Verbot verletze die Wirtschaftsfreiheit. Das Argument der Stadttaxis, Auswärtige würden sich in Zürich zu wenig gut auskennen, liess der Bezirksrat nicht gelten. Das Kriterium der Ortskenntnis werde durch die heutigen Navigationsgeräte stark relativiert. Zudem erinnert der Bezirksrat daran, dass es sinnvoll sei, Leerfahrten zu vermeiden. Verboten bleibt jedoch für Landtaxis, in Zürich Kunden zu werben und aufzuladen.

Erstellt: 10.05.2010, 23:16 Uhr

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