«Zürichsee spielt in Kitesurfer-Szene keine grosse Rolle»

Kitesurfen soll künftig auf allen Schweizer Seen erlaubt sein. Obwohl die meisten Lenkdrachensegler aus dem Kanton Zürich kommen, stehen heimische Gewässer nicht zuoberst auf ihrer Prioritätenliste.

Kitesurfen ja, aber nicht auf dem Zürichsee: Die Windverhältnisse sind nicht optimal und die Uferzonen zu stark verbaut, um die Sportart auf Zürcher Gewässern auszuüben.

Kitesurfen ja, aber nicht auf dem Zürichsee: Die Windverhältnisse sind nicht optimal und die Uferzonen zu stark verbaut, um die Sportart auf Zürcher Gewässern auszuüben. Bild: Keystone

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Das Schweizer Parlament will das Binnenschifffahrtsgesetz anpassen und Kitesurfen mit anderen Wassersportarten gleichstellen. Der Nationalrat überwies heute Freitag eine entsprechende Motion.

Das sogenannte Lenkdrachensegeln ist bereits auf einem Teil des Brienzersees und auf dem Silvaplanersee im Oberengadin erlaubt. Wer heute mit dem Drachensegelbrett über einen anderen See surfen will, muss bei den zuständigen kantonalen Behörden eine Bewilligung einholen. Mit der neuen Regelung wäre das künftig nicht mehr nötig. Kitesurfen wäre generell erlaubt, die Kantone dürften lediglich Gewässerabschnitte festlegen, auf denen die Sportart verboten bleibt.

Zu wenig Wind und verbaute Uferzonen

«Wir sind natürlich sehr erfreut über diesen Entscheid und hoffen, dass das Vernehmlassungsverfahren nun ebenfalls so positiv verlaufen wird», sagt Mario Kaufmann, Vizepräsident des Kitesurfclubs der Schweiz Kitegenossen, auf Anfrage. Nun müsse in Zusammenarbeit mit den Kantonen definiert werden, auf welchen Gewässerabschnitten die Kitesurfer ihre Sportart ausüben können. «Da gibt es natürlich einige Einschränkungen wie beispielsweise geografische Gegebenheiten, die nicht optimal sind, sowie Gewässer- oder Naturschutzzonen, die nicht tangiert werden dürfen», gibt Kaufmann zu bedenken.

Zudem eignen sich nicht alle Seen für die Sportart. Der Zürichsee sei kein bekannter Windsee und spiele daher laut Kaufmann in der Kiteboarder-Szene keine sehr grosse Rolle. Auch Pfäffiker- und Greifensee hätten derzeit noch keine Priorität.

Kommt hinzu, dass die Seeufer bereits stark verbaut sind, was das Einrichten von Landzonen für Kitesurfer schwierig macht. «Es besteht zwar die Option, vom Boot aus zu starten, diese Variante ist allerdings nicht besonders beliebt», hält Kaufmann fest. «Wir sind ein naturverbundenes Völkchen und möchten mit möglichst wenig Aufwand vom Ufer aus losstarten – und ein Motorboot ist nicht so umweltfreundlich wie ein Segelboot.» Trotzdem sei es wichtig, dass auch für Zürcher neue Wasserflächen freigegeben würden: «Aus diesem Teil der Schweiz kommen die meisten Personen, die kiten.»

Startpunkt für den Greifensee bei der Schifflände Uster?

Auf dem Greifensee wären die Surfer jedenfalls willkommen. «Ein See sollte möglichst der ganzen Bevölkerung offenstehen, daher müsste auch eine Nutzung des Greifensees für diese neue, junge Trendsportart grundsätzlich möglich sein», erklärt Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit der Stadt Uster. Er könnte sich das Gebiet um die Schifflände als Startpunkt für die Kitesurfer vorstellen. «Dort befindet sich der Bootsanlegeplatz und auch die Surfer starten von dort aus auf den See. Sonst gilt an den meisten Uferzonen ein Fahrverbot.»

Die Zulassung des Sports auf dem Greifensee knüpft Ganster allerdings an gewisse Bedingungen. So dürfte die Sicherheit der übrigen Seenutzer dadurch nicht gefährdet oder beeinträchtigt werden. Zudem müssen auch die Interessen des Natur- und Uferschutzes gewahrt werden, da gerade am Greifensee umfangreiche Schutzzonen existieren. Schliesslich müsste auch das Kursschiff weiterhin fahrplanmässig passieren können.

«Eine Beibehaltung des Verbotes wäre uns lieber gewesen»

Bei der Zürichsee Schifffahrt (ZSG) schwappt den Plänen des Bundes hingegen keine Welle der Begeisterung entgegen. «Eine Beibehaltung des Verbotes wäre uns lieber gewesen», gibt Pressesprecherin Conny Hürlimann unumwunden zu. Der ZSG befürchtet, dass die Sicherheit der Seebenutzer nun nicht mehr gewährleistet ist. «Es gibt viele enge Stellen auf dem See – beispielsweise im Seebecken vor Zürich – und es gibt schon heute extrem viele Verkehrsteilnehmer, die den See nutzen: Pedalos, Motorboote, Kurschiffe, aber auch Schwimmer», so Hürlimann.

Die Regeln zwischen den jetzigen Verkehrsteilnehmern seien bekannt und man könne ihre jeweiligen Bewegungen relativ gut einschätzen. «Bei Kitesurfern ist das nicht möglich, weil sie sehr schnell sind und rasche Richtungswechsel vornehmen können. Wir sehen das als erhebliches Gefahrenpotenzial an.»

Kanton wartet Resultate der Vernehmlassung ab

Beim Kanton Zürich will man nun den Abschluss des Vernehmlassungsverfahrens zur Vorlage abwarten, heisst es auf Anfrage. Da der Kanton künftig nur noch bestimmen kann, wo Kitesurfen verboten sein soll, muss der Bund zuerst die Kriterien bekannt geben, unter welchen ein solches Verbot erlassen werden kann. «Ohne diese Vorgaben können wir derzeit noch keine Regelungen ausarbeiten», erklärt Urs Grob, Kommunikationsbeauftragter der kantonalen Sicherheitsdirektion.

Auf dem Zürichsee habe man bisher in Absprache mit den anderen an den See grenzenden Kantonen Schwyz und St. Gallen das Lenkdrachensegeln nicht erlaubt, weil die Sicherheit nicht ausreichend gewährleistet werden konnte. Die Nutzungsdichte sei bereits sehr hoch und auch die Windsituation könne rasch und stark wechseln, was fürs Kitesurfen ebenfalls ungeeignet sei.

«Wir haben zwar einige kleinere Wasserflächen, auf denen das Verkehrsaufkommen nicht so gross ist wie auf dem Zürichsee», so Grob weiter. «Allerdings sind dort zum Teil Zugvogelreservate von nationaler Bedeutung. Das würde wohl auch auf Bundesebene als Ausschlusskriterium fürs Kitesurfen angesehen werden.» Grob ist daher skeptisch, dass sich unter diesen Voraussetzungen für den Kanton Zürich mit der Einführung neuer Regeln fürs Kitesurfen viel ändern wird.

Erstellt: 14.12.2012, 15:42 Uhr

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